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Florentiner-Lampen : Hut beleuchtet

Gewissermaßen der Archetyp eines Hutes: Mars HwaSung Yoo gestaltet Lampen in Florentiner-Form. Bild: Mars designstudio

Seit jeher sollen Hüte schmücken. Jetzt auch die Wohnung – ein Schwede und ein Brite bringen Lampenschirme auf den Markt, die an traditionelle Hüte erinnern.

          Was sind Hüte nicht schon alles gewesen: Schutz gegen Kälte, Nässe, Sonne; Statussymbol; Revolutionsutensil; Zeichen der Macht, aber unter anderem auch der Ausgrenzung – man denke nur an den „Judenhut“, den Papst Innozent III. im frühen 13. Jahrhundert in Spanien einführen ließ. Noch vor hundert Jahren war eine Kopfbedeckung ein unentbehrlicher Bestandteil der Kleidung, ohne Hut gingen beide Geschlechter nur selten vor die Tür. Männer zogen auf der Straße wie selbstverständlich den ihren vor einer Dame, die sich wiederum selbst in der Kirche oder bei Pferderennen keine solche Blöße geben musste. Für den barhäuptigen Herrn hingegen war es ein kurzer bewusster Moment der Schutzlosigkeit. Das mittelhochdeutsche Wort „Huot“ bedeutet nichts anderes als „der Schützende“, „der Bedeckende“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vor allem aber sollten Hüte schon seit dem Mittelalter schmücken. Dafür sprechen die schönen Berufsbezeichnungen Putzmacher oder Modist, die sich bis heute erhalten haben. Erstmals vor genau 650 Jahren ist auch eine Zunft der Hutmacher in Deutschland belegt – in Nürnberg. Die Hutmacher waren besonders im Barock gefordert, als Frauen wie Marie Antoinette wahre Ungetüme mit Schiffsmodellen der Schönheit wegen auf ihren Köpfen spazieren trugen. Im 19. Jahrhundert wurden die Hüte wieder bescheidener. Filz und Stroh statt Samt und Seide lautete die Devise im Biedermeier, einer Epoche, die auch den so genannten Florentiner hervorbrachte. Mit seiner breiten Krempe, verziert meist nur mit einem Band oder ein paar Blumen, entsprach er dem sittsamen Bild, das sich die Gesellschaft vom weiblichen Geschlecht machte. Aus der Mode und wieder zurück ist der Florentiner-Hut mehrfach gekommen. Elegant aus Filz trugen ihn zwischenzeitlich sogar Diven wie Marlene Dietrich und Greta Garbo, auch weil er ihr Gesicht so herrlich umrahmte.

          Mars HwaSung Yoo wählte den Florentiner aus, weil er gewissermaßen als Archetyp eines Hutes taugt. „Jeder, der meinen geschwungenen Lampenschirm sieht, denkt unweigerlich an einen Hut“, sagt der Designer. Umgekehrt erinnere die Form des Florentiners auch an einen konventionellen Lampenschirm. „Hat“, wie der 1980 in Seoul geborene Koreaner seinen Entwurf nennt, besteht aus einem PET-Vliesstoff (Polyethylenterephthalat), einem thermoplastischen Kunststoff, wie er zur Herstellung von Getränkeflaschen genutzt wird, und einem textilen Polyester. Der Schirm hat einen Umfang von knapp 70 Zentimetern, Mars bietet ihn in seinem Stockholmer Studio ByMars in Grau und Weiß an.

          „Jeeves and Wooster“ von Jake Phipps

          Auch der britische Designer Jake Phipps hatte die Idee, Hüte als Lampenschirme zu verwenden. Er aber wählte, very british, Bowler und Zylinder, da sie für „ein Zeitalter des Imperialismus, der Klassenschranken und der Exzentrik“ stehen, wie er nicht ohne Schmunzeln sagt. Er lässt „Jeeves“ und „Wooster“, wie seine Leuchten nach den Romanfiguren von Sir Pelham Grenville Wodhouse (1881 bis 1975) heißen, allerdings nicht nur von der Decke hängen. Es gibt sie auch als Steh- und Wandleuchten. Zudem handelt es sich bei Phipps um echte Kopf bedeckungen, eigens für den Designer angefertigt.

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