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Fitness-Mode : Immer in Bewegung – aber mit Stil

Erst parken, dann dehnen: Fitness in allen Lebenslagen ist der Trend. Bild: plainpicture/Westend61

Im Frühjahr ist es wieder so weit: Raus an die Luft, Sport treiben, Winterspeck verbrennen. Die Mode dazu gibt es in Massen. Denn der Markt der „High Performance Wear“ wächst unentwegt.

          Früher war es ja mal einfach: Zum Sport zog man eine hellgraue Jogginghose, ein Paar Allroundturnschuhe und ein unifarbenes Baumwollshirt an. Das trug man zum Waldlauf, zur Gymnastikgruppe in der Turnhalle, manchmal auch, wenn man im Garten das Unkraut zupfte. Sportbekleidung war die Sparte in der Garderobe, um die man sich am wenigstens Gedanken machen musste. Es war auch nicht so schlimm, wenn das T-Shirt ausgeleiert war oder an der Jogginghose der Saum ausfranste. Innerhalb der Garderobe war eine Sporthose so etwas wie ein Küchenmesser im Haushalt: Sie sollte praktisch sein, funktional, und das Aussehen spielte keine Rolle.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das hat sich geändert. Gewaltig. Heute spielt die Sportbekleidung in der Liga von Porzellangeschirr. Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass die Auswahl der Sportbekleidung wichtiger ist als die Auswahl des Outfits für die nächste Hochzeitseinladung. Sie haben kein Cocktailkleid im Schrank? Nicht so schlimm. Ihre „High Performance Wear“ ist nicht auf dem neuesten Stand? Das ist nicht Ihr Ernst!

          Auf den ersten Blick ist es wie in jedem Frühjahr: Die Magazine laufen über von Fitnesstipps, schließlich will jeder seinen Winterspeck loswerden. Auf den zweiten Blick aber fällt auf: Es ist mehr als eine harmlose „Trimm dich fit“-Bewegung, wie sie noch in den siebziger Jahren vom Deutschen Sportbund mit den Krankenkassen ins Leben gerufen wurde. Sport ist ein Lifestyle, um den man nicht mehr herumkommt. Wer sich nicht bewegt, hat den Anschluss verloren. Ein schlanker trainierter Körper gilt als Auszeichnung, als Statussymbol und als sichtbares Zeichen dafür, dass man diszipliniert lebt.

          Jeder macht heute in Fitness

          Jeder macht heute in Fitness - und jeder will an dem gigantischen Markt teilhaben. Warum sonst sollte Carmen Geiss, eine C-Promi-Frau, deren Markenzeichen der nervtötende Schrei nach ihrem Mann ist, gerade jetzt mit einer Fitness-DVD herauskommen? Warum sonst wippt auch Kim Kardashian in Fitness-Videos mit ihren XXL-Hüften hin- und her und gibt „Tipps für einen sexy Po“? Oder warum übertrifft Yogalehrerin Hilaria Baldwin bald schon die Popularität ihres Mannes, des Schauspielers Alec Baldwin, indem sie täglich neue Fotos auf Instagram stellt, auf denen sie Yogaübungen beim Frühstück, beim Aussteigen aus dem Auto, beim Kinderwagenschieben macht?

          Die an diesem Wochenende in München stattfindende Ispo, die Fachmesse für Sportartikel und Sportmode, widmet eine ganze Halle dem Wachstumsthema „Health und Fitness“. Die Bedeutung von Fitness für den Lebensalltag wachse stetig, Sport werde in Zukunft jederzeit möglich sein, auch im Arbeitsalltag, heißt es in der Ankündigung. Sportarten wie Yoga, für die man einen Boden und eine Matte braucht, breiten sich wie ein Flächenbrand in den westlichen Industrieländern aus. Allein in den Vereinigten Staaten, so belegt es eine Studie des „Yoga Journal“, praktizierten 2012 mehr als 20 Millionen Menschen Yoga, 29 Prozent mehr als noch vier Jahre zuvor. Dort begann auch der Trend, dass Yoga-Pants und Jogginghosen, die jetzt „Active Wear“ heißen, die Jeans mittelfristig ablösen.

          Ein Cape für alle Fälle: Die Sportswear-Kollektion NikeLab x JFS von der Berliner Designerin Johanna Schneider besteht aus verschiedenen Modulen, die man miteinander kombinieren kann. Cape für 174 Euro. Bilderstrecke

          Nach Berechnungen der Analysten der Finanz-Plattform Trefis wird der globale Sportbekleidungsmarkt bis 2020 auf 115 Milliarden Dollar zulegen. Kein Wunder, dass Modeunternehmen in einem ansonsten eher stagnierenden Markt neue Wege gehen. Von Stella McCartney bis Tchibo, von Lidl bis Lagerfeld - alle haben jetzt eigene Sportlinien. Auch Modefirmen wie Esprit, die früher wenig Interesse an Sportmode zeigten, steigen in das Geschäft ein. Die Modekette H&M hatte zwar immer Jogginghosen im Sortiment, aber im vergangenen Jahr brachte sie darüber hinaus „H&M Sport“ auf den Markt, eine Kollektion, die dem steigenden Bedarf an einem aktiven Lebenswandel gerecht werde, wie es im Unternehmen heißt. Aufwendige Anzeigenkampagnen, Videoeinspielungen auf der Website flankieren das Projekt, das auf die Segmente Fitness, Yoga, Laufen und Outdoor zugeschnitten ist.

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