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Finale der Pariser Modewoche

Am Kabel der Welt

07.10.2016 · Das Prêt-à-Porter endet elektrischer, als es begonnen hatte. Zum Ende der Saison ein Blick auf den Strom von neun Schauen in Paris.
Von ALFONS KAISER (Text) und HELMUT FRICKE(Fotos)
I

Chanel

Wieder einmal hat Karl Lagerfeld seinem Schauenproduzenten alles abverlangt. Dieses Mal stellt Chanel einen riesigen Serverpark in den Grand Palais – um das Thema Big Data zu illustrieren. Und weil die elektronische Überwachung uns immer mehr auf den Leib rückt, gehen die bunten Kabelstränge dann auch irgendwann auf Kleider und Kostüme über, die dann wiederum den Trend der Saison zu vielen starken Farben in Szene setzen. Und das alles ohne Kurzschluss!
II

Moncler

Mehr zu bieten als nur Daunenjacken, das ist das oberste Ziel der Laufstegkollektionen von Moncler. Gründer und Chef Remo Ruffini hat viel Geschick darin, zu diesem Zweck große Schauen mit aufgedonnerten Entwürfen zu inszenieren. Dieses Mal bleibt Giambattista Valli, der Designer seiner Linie „Gamme Rouge“, mit einer Dünenlandschaft recht brav. Und schon gibt es da Teile, die manche sofort haben zu müssen glauben. Auch im nächsten Sommer, das ist die Botschaft, gehen Daunen. Im sommerlichen Idealfall braucht man sie aber natürlich gar nicht.
III

MiuMiu

Was ein Glück, dass das Prêt-à-Porter mit MiuMiu endet! Denn Miuccia Prada entlässt die Modemenschen, die von vier Wochen Schauenmarathon ermattet sind, mit einem guten Gefühl nach Hause. Die krassen Mäntel mit den Drucken wie von Siebziger-Jahre-Badezimmerkacheln und die Beachwear wie aus den Fünfzigern verbessern gleich mal die Laune. Das sind gute Voraussetzungen für den Verkaufserfolg, den der Prada-Konzern gerade dringend braucht.
IV

Louis Vuitton

Gute Idee: All die Schauengäste nicht in die Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne zu bitten, sondern an die Place Vendôme, gleich um die Ecke von Ritz, Meurice und Mandarin Oriental. Vor den unverputzten Wänden des kommenden Groß-Geschäfts zeigt Nicolas Ghesquière eine überraschend abendliche Kollektion mit Glitzerkleidern, breiten Schultern und Kostümen, die er dankenswerterweise dekonstruiert. Kommen die Achtziger wieder? Keine Angst: Dafür ist die Tagesgarderobe zu modern.
V

Giambattista Valli

So filigran sehen die Frauen selten aus. Giambattista Valli, Schneider der italienischen Aristokratie und vieler internationaler Trendmädchen, lässt seine Kundinnen träumen mit vorgestrigen Puffärmeln, zarter Spitze und aufwendiger Stickerei – an leider wieder allzu dünnen Mädchen. Die Kleidchen bekommen ihren Dreh durch überraschende Aktualisierung mit sportlichen Elementen. Bevor er nur die Reichen einkleidet, will er auch die Trendigen finden.
VI

Hermès

Sie kann also auch leicht und ungezwungen. Nadège Vanhee-Cybulski hat schon öfters für Hermès konzeptionelle bis verkopfte Kollektionen präsentiert. Nun bringt die Designerin Kleider, Overalls und Hosen heraus, die in geradezu lieblichen Farben wie Orange oder Fuchsia nach einem echten Sommer aussehen. Die Mode des Lederwarenhauses steht also jetzt auch dann für sich selbst, wenn es sich nicht um cognacfarbene Kleider aus butterweichem Leder handelt.
VII

Stella McCartney

Die schlammfarbenen Kleider verzeihen wir ihr noch so gerade. Bei den Motto-Tops müssen wir beide Augen zudrücken. Und die Tänze am Ende waren nur peinlich: Muss man wirklich jede Schau für Instagram optimieren? Vergessen, vergeben. Denn diese Kollektion der zum Kering-Konzern gehörenden britischen Modemacherin ist von einer emanzipierten Weiblichkeit, dass es eine Freude ist. Die weiten Siebenachtelhosen, die Blusen mit den runden Schultern, die witzigen Keulenärmel – das müsste eigentlich reichen für die Verbreitung über Social Media.
VIII

Emporio Armani

Noch immer denkt Giorgio Armani an die alte Geschichte von 1998, als die französischen Behörden eine Schau anlässlich der Eröffnung des Emporio-Geschäfts in Saint-Germain-des-Prés aus Sicherheitsgründen verboten. Daher ist es eine Genugtuung, dass er seine Zweitlinie endlich einmal in Paris auf die Bühne bringen kann. Die Kleider, obwohl sehr lässig rübergebracht, erweitern unseren Horizont jetzt nicht unbedingt. Wichtig war dem italienischen Designer ohnehin der symbolische Akt.
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Quelle: FAZ.NET

Veröffentlicht: 06.10.2016 21:09 Uhr