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Filmfestspiele in Cannes : Und keiner tanzt mit Will Smith

Langer Schlitz: Modell Bella Hadid zeigt viel Bein. Bild: dpa

Wenn man bei Filmfestivals auf etwas zählen kann, dann sind es gutgekleidete Stars. In Cannes sind die Modekontrollen derzeit so scharf wie die Sicherheitskontrollen. Bei der Tiefe des Dekolletés wird jedoch auch mal ein Auge zugedrückt.

          Filmfestivals vermitteln eine gewisse Verlässlichkeit, schon weil sie regelmäßig stattfinden. Filme, Glamour, Stars – bei diesem Programm bleibt der Alltag für etwas mehr als eine Woche draußen. Umso gravierender, wenn sich die Dinge ändern. Dieses Jahr ging das schon los, bevor die Akkreditierung für das Festival in Cannes überhaupt um den Hals baumelte. Da waren zunächst einmal die Beamten am Flughafen, die nun auch von den Passagieren innereuropäischer Flüge Pässe sehen wollen. „Furchtbar, das ist ja wie früher“, stöhnte ein deutscher Produzent und fummelte aus seiner Aktentasche entnervt den Ausweis hervor.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der jüngste Terrorangriff auf französischem Boden liegt nicht einmal einen Monat zurück, da sind die Sicherheitsvorkehrungen besonders hoch – erst Ende April hatte ein Mann auf den Champs-Élysées auf Polizisten geschossen. Der Festivalpalast war daher am Eröffnungstag schon großräumig durch Polizeieinheiten abgesperrt worden. Der Shuttlebus vom Flughafen Nizza hielt nicht davor, sondern bog zum Bahnhof ab, was Stammkritiker an Bord wieder zum Lamentieren brachte. Die Sicherheit aber geht den Franzosen in diesem Jahr vor. Rund um den Festivalpalast an der Croisette stehen bewaffnete Einheiten mit schusssicheren Westen. Wer in das Herz des Festivals will, muss sich mehrfachen Ticketkontrollen unterziehen, seine Taschen durchsuchen lassen und durch einen Metalldetektor. Das galt am Eröffnungsabend auch für die geladenen Gäste in Anzug und Abendkleid.

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          Mindestens genauso scharf wie die Sicherheits- sind die Modekontrollen. Wer auf den roten Teppich will, muss High Heels tragen. Für die Herren sind schwarzer Anzug und Fliege Vorschrift. Das ist in Cannes Tradition. Wer sich nicht daran hält, kommt nicht einmal bis zur steilen Treppe, die in den Premierensaal führt. Cannes ist aber im Gegensatz zur Berlinale oder dem Filmfestival in Venedig schon immer etwas lockerer und freizügiger, wenn es um die Tiefe der Dekolletés oder die Höhe der Beinschlitze an den Abendkleidern geht. Früher legten sich Starlets oben ohne an den Strand, um die Aufmerksamkeit der Presse oder eines Filmproduzenten zu erhaschen. Heute schlendern sie mit wenig mehr als einem Streifen Stoff über der Brust zur Filmpremiere. Nicht nur Models wie Bella Hadid setzten auf tiefe Einblicke. Hollywood-Star Susan Sarandon gab sich französisch freizügig und hatte viel Spaß beim Gang über den roten Teppich. Sie warf sich mit äußerst großzügigem Dekolleté in Pose, begrüßte Schauspielkollegin Julianne Moore und schäkerte mit Elle Fanning, die im neuen Film von Sofia Coppola im diesjährigen Wettbewerb um die Goldene Palme zu sehen sein wird. Um gleich am ersten Tag Eindruck zu hinterlassen, hatte Fanning sich eine Robe von Vivienne Westwood schneidern lassen – inklusive Sternschnuppe und Einhorn-Stickereien in Pink und Schwarz auf weißem Grund.

          Seitenhiebe gegen Netflix

          Etwas lockerer ging Schauspieler und Sänger Will Smith den Gang über den Teppich an. Zu den Bässen des Eurodance, der hier gern zum Einlaufen gespielt wird, versuchte er ein paar Tanzschritte, konnte jedoch niemanden zum Mittanzen überzeugen. Vielleicht war die Jury auch noch zu verstimmt vom Eklat des Nachmittags. Während der ersten Pressekonferenz der Jury hatte sich Smith mit dem spanischen Regisseur Pedro Almodóvar angelegt, der in diesem Jahr der Jury als Präsident vorsitzt. Almodóvar hatte ein vorbereitetes Statement verlesen, in dem er das Kino als einzig wahren Ort für Filmpremieren bezeichnete – ein klarer Seitenhieb auf Streamingdienste wie Amazon und Netflix.

          Wie der rote Teppich, so ist meist auch das Filmfestival: In Berlin ist es für viel Haut im Februar meist zu kalt, beim ältesten Filmfest in Venedig hält man sich glamourös bedeckt, aber in Cannes darf es gern ein bisschen mehr sein. Mehr Bein, mehr Haut und manchmal eben auch mehr Dekolleté, wie hier bei der amerikanischen Schauspielerin Susan Sarandon. Bilderstrecke

          Dabei hat Netflix zwei Filme im Wettbewerb laufen, die keinen Kinostart in Frankreich haben werden, sondern nach der Premiere online zu sehen sind. Will Smith konterte. Seine Kinder, so erzählte er, würden über Streamingdienste Filme schauen, die sie sonst nie zu sehen bekämen, weil sie in keinem Kino liefen. (Wobei sein nächster Film ebenfalls eine Netflix-Produktion ist.) Der Eklat zwischen Almodóvar und Smith war für den Abend Gesprächsthema Nummer eins. Einen richtigen Eklat braucht ein Festival zu Beginn schließlich auch – wenigstens darauf muss man sich verlassen können.

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