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Design für Fernseher : So will Loewe Fernseher für junge Leute wieder attraktiv machen

  • -Aktualisiert am

Ach, wie flach: Der neue Loewe bild x wurde auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellt. Bild: Hersteller

Fernseher galten lange als Statussymbol, heute kaufen sich besonders junge Leute überhaupt kein Fernsehgerät mehr. Loewe will zusammen mit Designer Bodo Sperlein nun wieder ein Objekt der Begierde erschaffen.

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          Herr Sperlein, ist Fernsehen überhaupt noch zeitgemäß?

          Die Fernsehkultur hat sich auf jeden Fall verändert. Wenn man heute etwas verpasst, kann man es einfach wieder runterladen oder streamen. Ich kann mein eigener Editor sein. Jüngere kaufen seltener Fernseher, weil sie Filme oft auf Laptop oder iPad schauen. Aber die Qualität ist bei Fernsehern anders: Sie haben eine einzigartige Farbechtheit, die man auf dem PC-Bildschirm oder Projektor nie erreicht. Gäbe man dem jüngeren Publikum die Möglichkeit, unabhängig von Verkabelung und Antennen ein Programm auf einem großen Bildschirm zu streamen oder das Handy direkt mit dem Fernseher zu verbinden, würde das Ganze viel spannender werden.

          Liegt die Zukunft des Fernsehers also in seiner Anpassungsfähigkeit an die digitale Technologie?

          Ja. Loewe gehört auch bei der Digitalisierung zu den Vorreitern. Wir hatten schon integrierte Festplatten, als man noch mit dem Videorekorder Filme aufnahm. Und die Software in den Fernsehern kann man updaten.

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          Also ist die Wahrnehmung des Fernsehers auch ein Kommunikationsproblem. Ist das eine deutsche Krankheit?

          Könnte sein. In England, wo ich lebe, geht man ganz anders mit Marketing und Kommunikation um. Neue Technologien werden in England getestet und kommen dann erst auf den europäischen Markt. Gerade deutsche Konsumenten sind oft zufrieden mit dem Jetzt.

          Aber der Fernseher ist ja ein Objekt aus der Vergangenheit. Wie wollen Sie den wieder attraktiv machen?

          Loewe hat den Fernseher miterfunden, und wir denken zukunftsorientiert. Fernseher waren einmal Statusobjekte, heute sind sie Wegwerfprodukte. Loewe-Fernseher haben aber eine einzigartige Qualität und lebenslange Service-Leistungen. Wir haben einen Aufstell-Service, wie man ihn vor allem aus der Kunst bei Bildern und Skulpturen kennt. Und genau so gehe ich an das Thema ran: Ich will ein Objekt der Begierde schaffen. Wie macht man eine schwarze Glasscheibe sexy? Dabei habe ich mich an Skulpturen der Linienkunst orientiert, die Dreidimensionalität durch Zweidimensionalität darstellt und dabei Leichtigkeit bewahrt. Ich kreiere ein visuelles Produkt, das man in den Haushalt integrieren kann, das mit warmem Minimalismus Frauen und Männer anspricht.

          Kreativ-Direktor aus London: Bodo Sperlein soll Fernseher für die deutsche Marke Loewe zu Designobjekten machen.
          Kreativ-Direktor aus London: Bodo Sperlein soll Fernseher für die deutsche Marke Loewe zu Designobjekten machen. : Bild: privat

          Sie kommen aus der Inneneinrichtung. Wie passt das mit einem Elektronikunternehmen zusammen?

          Das passt sehr gut zusammen, weil ich mich mit Produkten des täglichen Lebens beschäftige. In meinem Schaffen gehe ich vom Tisch aus, vom Geschirr und Besteck zum Stuhl und der Leuchte darüber. Ich habe einen anderen Blick auf den Fernseher als ein Designobjekt, das so schön ist, dass man es nicht verstecken will. Außerdem designe ich nicht nur. Als Kreativ-Direktor will ich auch eine starke Marke aufbauen. Wie fotografiere ich eine Kampagne, was will ich mit ihr ausdrücken, all das gehört genauso dazu wie das Design selbst.

          Können Sie sich vorstellen, dass Loewe auch in andere Bereiche außerhalb des Fernsehens vordringt?

          Wir müssen uns natürlich zunächst auf das Kerngeschäft konzentrieren. Aber schon da gibt es Andockpunkte. So kann ich mir vorstellen, mit anderen Disziplinen wie dem Mode-Design zusammenzuarbeiten, um diese Perspektiven auszuschöpfen. Um die Geräte herum wird unser Schwerpunkt in die Software- und Systemkompetenz gehen. Da kann ich mir Apps oder Software vorstellen. Als Loewe in den Zwanzigern in Berlin gegründet wurde, war die Stadt wie das Silicon Valley heute. Loewe oder Siemens waren so etwas wie die Start-ups. Und jetzt ist in der Stadt wieder etwas am Brodeln.

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