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Feminismus in Pink? : #SoSindWirFrauenWirklich

  • -Aktualisiert am

Mode statt Mobbing: Mit seinen T-Shirts (“Kümmere dich um deine eigene Gebärmutter“) möchte Female Collective hässlichen Kommentaren auf Instagram entgegenwirken. Bild: Female Collective

Sie sind im Alter ihrer Kundinnen, mögen Pink und knackige Sprüche: Wie feministische Designerinnen die „Girl Power“ wiederbeleben.

          6 Min.

          Ein rosa Zimmer. An den Wänden kleben Schnappschüsse mit Freundinnen, Bilder vom letzten Cheerleader-Auftritt und pinke Lichterketten. Auf einem weißen Gitterbett vor der rosa Wand liegen zwei junge Frauen, die mit stickerbeklebten Smartphones Selfies machen oder sich gegenseitig Lippenstift auftragen.

          Eine Szene, wie sie sich so täglich in vielen Zimmern junger Mädchen ereignen könnte. Doch auf den Sweatshirts, T-Shirts und weißen Baumwollunterhosen der Mädchen steht in rosa, roter und hellblauer Schreibschrift: „Don’t touch“, „Feminist“ oder „mine, mine, mine“. Es sind Ausschnitte einer Bilderserie des New Yorker Modelabels Me and You.

          Rosa Mädchenkleidung als sexistisches Marketing

          Julia Baylis und Mayan Toledano sind die Gründerinnen der Marke – beste Freundinnen und beide Mitte zwanzig. Kennengelernt haben sie sich während des gemeinsamen Modestudiums an der Parsons School of Design in New York. Me and You ist eines von vielen Labels, das in den vergangenen Jahren entstanden ist, dessen junge Designerinnen sich als Feministinnen positionieren.

          Anhängern der Organisation Pinkstinks dürfte bei dem Anblick des üppigen Rosa im ersten Moment wohl schlecht werden. Der Verein kämpft seit 2008 gegen die angeblich stigmatisierende Verwendung der Farbe Pink: Dass Spielsachen und Kleidung für Mädchen rosa und die Sachen für Jungs blau sind, empfinden sie als sexistisches Marketing. Wie passen also diese rosa Girlie-Welt und der Feminismus zusammen?

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Baylis und Toledano sehen darin keinen Widerspruch. Sie lieben die nostalgische Rosa-Welt und wollen auf diese Weise das Mädchensein feiern. Feminismus bedeutet für sie: Girl Power. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung unter Frauen. Vor allem aber möchte Me and You jungen Mädchen eine Orientierung bieten, und zwar dort, wo die Generation Z – die nach 1995 Geborenen – am einfachsten zu erreichen ist, wo sie aber genauso gut Unterstützung brauchen kann: im Internet und besonders über Instagram.

          Zeigen, wie junge Frauen wirklich aussehen

          Dessen ursprünglicher Gedanke – dass die Nutzer hier ein Foto in die App laden, unmittelbar nachdem es geschossen wurde – ist längst verflogen. Fast alles, was als Wirklichkeit ausgegeben wird, ist reine Inszenierung. Einmal über das Display gewischt, und die Falten sind weg, der Teint verändert oder zehn Kilo verloren.

          Baylis und Toledano wollen mit ihrer Mode zeigen, wie junge Frauen in der Phase des Erwachsenwerdens wirklich aussehen. Fast täglich laden die Designerinnen auf Instagram Fotos von Models hoch, die verschiedenen Körpertypen entsprechen: Die Me-and-You-Girls sind dick und dünn, haben unterschiedliche Hautfarben, tragen auch mal Zahnspange und scheinen nicht immer eine makellose Haut oder glattrasierte Beine zu haben. Die Designerinnen möchten eben keine rosa Plastikwelt erschaffen. Dagegen dürfte eigentlich auch Pinkstinks wenig einzuwenden haben.

          Fashion and Feminismus: Das ist die Botschaft von Female Collective.
          Fashion and Feminismus: Das ist die Botschaft von Female Collective. : Bild: Scott Hayes Weddings

          Auf ihrer Homepage verkaufen Baylis und Toledano nicht nur Kleidung und Schmuck, sondern veröffentlichen auch Videos und Fotoserien, die in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Fotografinnen entstanden sind, zum Beispiel mit der erst 23 Jahre alten Petra Collins. Aufsehen erregte die Kanadierin, als sie 2013 ein Foto ihres Unterkörpers auf Instagram mit dem Hashtag „Bikini“ teilte. Instagram sperrte daraufhin ihren Account, obwohl sie keine Richtlinien der Plattform verletzt hatte. Der Unterschied zu den damals fast sechs Millionen anderen Bildern mit dem gleichen Hashtag allerdings war, dass bei Collins unter ihrer Bikinihose Schamhaare herausschauten.

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