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Fazit der Berliner Modewoche : Perfekt im Unperfekten

Achtung, Achtland: Mit dieser Schau auf der Berliner Modewoche flattert die Berliner Marke allen anderen davon Bild: dpa

Statt Marketing sieht man auf der Berliner Modewoche auch mal wieder gutes Design. Manchmal wirkt es sogar richtig charmant.

          Wenn man von solchen Frauen geweckt wird! Dorothee Schumacher, bei der Berliner Modewoche immer am Donnerstag um zehn Uhr auf dem Laufsteg, hat dieses Mal einen Wecker mitgebracht. Mode-Legende Diana Vreeland verkündet über den Lautsprecher ihre Weisheiten: Es gehe nicht um das Kleid, sondern um das Leben, das man in diesem Kleid führe. Ihre Ratschläge fasste Vreeland immer zusammen unter dem Titel: „Why Don’t You?“ Das passt gut hierher: Warum also eigentlich nicht?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es könnte das Motto der Modemacherin sein, die sich geschäftlich und ästhetisch rasant entwickelt hat. Die Polka-Tupfen in Kollektion für Frühjahr und Sommer 2014 beweisen das Punkt für Punkt. Mit Pop-Art-Prints beglaubigt sie ihren Slogan „Set the world on fire“. Schräges kann also auch stimmig sein.

          Bitte draußen bleiben: Perret Schaad nutzt die Berliner Nationalgalerie zu einer exklusiven Präsentation Bilderstrecke

          Dieses Defilee tut der „Berlin Fashion Week“ gut. Nach den Absagen von Boss, Rena Lange, Basler und Escada wäre die Hochstimmung der vergangenen Jahre fast gekippt. Die Berliner Mode hat eigentlich genug Substanz für eine ganze Woche, dank Marken wie Kaviar Gauche, Perret Schaad, Vladimir Karaleev, Lala Berlin, Kilian Kerner, Michael Michalsky, Hien Le, Augustin Teboul, Issever Bahri, Mongrels in Common, Sissi Goetze oder Michael Sontag.

          Schönes Design statt Marketing-Macht

          Dass aber eben auch eine der prägenden westdeutschen Modemacherinnen dabei bleibt - das gibt der Woche, die am Montag begann und am Freitagabend mit der „StyleNite“ von Michael Michalsky im Tempodrom endete, internationales Flair. Einkäufer aus China, Kuweit, Südkorea, Russland und Bloggerinnen aus Skandinavien wie Hanneli Mustaparta oder Elin Kling: „Junge kreative Unternehmen und etablierte Unternehmen in Familienhand können Deutschland strahlen lassen“, wie Dorothee Schumacher sagt. Die Modemacherin will „mit Konventionen und Moden brechen“. Und das hat dann auch persönlichen Charme: Statt Marketing-Macht bekommt man nun an der Straße des 17. Juni einfach mal schönes Design zu sehen.

          Auch bei den vielen kleinen Labels, die noch nicht so bekannt sind. Allen voran Achtland, bisher Geheim-, nun Allgemein-Tipp mit internationalem Potential. Die Sonne steht am Mittwochabend schon tief, als Thomas Bentz und Oliver Lühr mit ihrer Marke im Kronprinzenpalais neue Maßstäbe für die „Berlin Fashion Week“ setzen. Als Vorlage nahmen sie Kunstwerke von psychisch Kranken aus der Sammlung Prinzhorn. Und das ist am Ende wahnsinnig schön, destruktiv konstruktiv. Die Kollektion geht mit Bemalungen und Blütenstickereien ins Detail und ist gleichzeitig mit langen schlanken und kurzen geplusterten Silhouetten variantenreich. Selbstbewusst, lebensbejahend, handwerklich perfekt - solche Adjektive darf man hier mal verwenden. „Wir haben die Seide bemalt, dann zerrissen, genäht und bestickt“, sagt Thomas Bentz über eine Jacke aus Seidenplissees, die wie ein blauer Himmel strahlt. „Das alles hat monatelang gedauert.“

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