https://www.faz.net/-hrx-8cltq

Fashionweek in Mailand : Die Männer streben nach oben

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsträger der italienischen Luxuslabels: Stefano Pilati Bild: AFP

Aus guten Anzügen versuchen die Mailänder Herrenkollektionen begehrenswerte Mode zu machen. Dabei setzten sie vor allem auf gute Stoffqualität, denn Zara & Co sitzen den großen Labels im Nacken.

          3 Min.

          Designer haben viele Probleme: Der Konsument ist flatterhaft, China und andere reiche und neureiche Länder wachsen nicht mehr ohne Grenzen und vor allem: Die Fast-Fashion-Ketten kopieren schnell. Zara, H&M und Mango sind allzu oft die Feinde der Kreativen, denn sie fertigen blitzschnell Stücke, die erst vor wenigen Tagen auf dem Laufsteg waren, und bringen sie dann schneller als die Designermarken in die Regale. Die Medien haben die neuen Trends dann schon angerissen, und der Kunde greift gern früher zu, weil er durch den Social-Media- und Blogger-Rummel heiß auf die Ware ist. Mittlerweile findet man sogar schon Zara-Filialen in den heiligen Hallen des Pariser Modetempels Galéries Lafayette. Und H&M inszeniert auf der Modewoche große Schauen, um wahrhaft kreativ zu wirken.

          Auf der Mailänder Männermodewoche gab es nun endlich mal wieder eine plausible Antwort eines überaus talentierten Designers, wie man dieses Problem löst. Stefano Pilati, der früher bei Yves Saint Laurent arbeitete, aber wegen der Kritikerkritik entnervt Paris verließ, hat mit Ermenegildo Zegna offenbar die ideale Arbeitsstätte für sich gefunden. Die italienische Männermodemarke arbeitet mit den besten Stoffen, die teils schon von eigenen Schaf-Farmen stammen. Um stärker in die Modewelt vorzudringen, treibt Pilati, der selbst ein Fanatiker der Materialien ist, nun Zegna Couture voran. „Das war Haute Couture für Männer“, sagt er nach der Schau knapp und klar.

          Wasserabweisender Kaschmir

          Die Models tragen teilweise Nummern am Oberarm oder Handgelenk, wie früher bei der Couture. Die Anzüge sind gut geschnitten, und Capes und Mäntel zeigen die aufwendige Herstellung mit Pailletten, Kunststickerei und Jacquards. Bei Zegna hat Pilati den „broken suit“ eingeführt, eine weitere Stufe der Individualisierung, wo der Hosenstoff zwar farblich dem Jackett angepasst ist, aber doch nicht gleich. Auch damit ist er ein Vorreiter bei den Männern.

          Von Pilati: Zegna-Entwurf Bilderstrecke

          Zegna bietet neben Prada die am aufwendigsten in Szene gesetzte Mode. Die anderen ziehen nach. Tomas Maier verschreibt sich mit der Männermode bei Bottega Veneta nun schon länger anspruchsvoller Sportswear. Doch diese Saison hat er den Kurs leicht geändert und zeigt traumhaft lange Silhouetten in Anzügen und Mänteln, die an einen jungen Helmut Berger oder Alain Delon erinnern. Der Individualisierung helfen die Schals und Hüte. „Mir ging es vor allem darum, den Körper langzuziehen, damit man ihn mit mehr feinem Stoff umschmeicheln kann“, sagt Maier nach der Schau. Und Stoffe gibt es schließlich reichlich in Italien, wo man ständig mit neuen Fasern und Geweben experimentiert – und etwa wasserabweisender Kaschmir entsteht.

          Bomberjacken und Parkas

          Loro Piana hat für die sich gut entwickelnde Marke Caruso, die vom ehemaligen Brioni-Chef Umberto Angeloni geführt wird, einen Stoff entwickelt, der zu 100 Prozent aus Kamelhaar gemacht ist: „Gobigold“. Caruso ist ein Anzughersteller, der für Häuser wie Dior Homme näht. Angeloni macht nun eine eigene Marke daraus, so wie Zegna es vorgemacht hat. „Upmarket“ gehen auch Dolce & Gabbana, wie man an der Alta-Sartoria-Linie sieht, aber mit Witz, wie die Spaghetti-Western-Schau beweist.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Was noch? Bei Jil Sander bekommt Rodolfo Paglialunga langsam die Kurve (mit knöchellangen Mänteln). Bei Consuelo Castiglioni (Marni) hilft die Beteiligung von Renzo Rosso, dass die Männer im Vergleich mit den Damen langsam wichtiger werden. Und bei Ferragamo vertraut Designer Massimiliano Giornetti auf die Tradition, nämlich einen der wenigen von Salvatore Ferragamo selbstgemachten Männerschuhe – auf die Giornetti reichlich Farbspritzer verteilt, um damit farbenfrohe Pullover und Zwei-Knopf-Zweireiher in Prince-of-Wales-Muster zu kombinieren.

          Sogar Calvin-Klein-Designer Italo Zucchelli hat Farben für sich entdeckt. Die ultramoderne Sportswear aus Bomberjacken und Parkas wird von Silber und Gold dominiert – das setzt der strengen Schneiderei etwas entgegen und soll dabei helfen, Calvin Klein stärker mit Mode als mit Jeans und Unterwäsche zu verbinden.

          Anzüge die über Körper fließen

          Miuccia Prada schnippelt die Hemdkragen ab und lässt sie am Nacken wieder annähen oder lässt die Knopfleiste vor dem Hemd hängen, für die interessanten Effekte – klassische Schneiderei ist ihr zu langweilig. Da ist sie ein Vorbild für Alessandro Michele bei Gucci, der einfach mal eine Jeans und ein weißes T-Shirt über den Laufsteg schickt – um zu zeigen, dass er seine überbordende Phantasie auch manchmal bremsen kann. Der Ansturm auf die Marke wird weitergehen, auch dank der vielen Details, der großen Hüte, der Nerd-Brillen, der klaren Vision. Pietro Beccari, Chef bei Fendi, geht mehr in Richtung Humor: Auf den sündhaft teuren Fendi-Pelzen sind Emojis appliziert.

          Brioni schließlich versöhnt – nun mit Brendan Mullane – ebenfalls Schneiderei und Mode. Eine Fellmütze wird um die Brust appliziert, einfach nur so zum Tragen, zum Kleidungsstück gehört sie nicht. Giorgio Armani hat solche Experimente natürlich nicht mehr nötig. Für seine zwei Linien Emporio und Giorgio Armani lässt er die Anzüge über die Körper fließen, schenkt den Männern Beinfreiheit und schafft trotzdem eine schlanke Linie. Über den Jahreswechsel im Atelier? Pah! Armani ist entspannt wie nie, von drei Wochen auf Antigua gut erholt und gut gebräunt. Auch das müssen die anderen Designer erst einmal schaffen.

          Weitere Themen

          Eine Jacke und mehr für Mädchenbildung

          F.A.Z. versteigert Kleid : Eine Jacke und mehr für Mädchenbildung

          Taschen von Gisele, Jacken von Gigi: Toni Garrn sammelt bei ihren Model-Freundinnen Kleider – und versteigert sie zugunsten der Mädchenbildung in vier afrikanischen Ländern. Für ein Kleid, das Garrn in unserem Magazin getragen hat, können Sie am Dienstag mitbieten.

          That Sicherheitsnadel!

          Von Punk zu Mainstream : That Sicherheitsnadel!

          Zerrissene Jeans, Nieten und eine Sicherheitsnadel im Ohr: Das punkige Accessoire ist im Mainstream angekommen – diese Stücke von Versace, Prada und Saskia Diez lassen sich auch ohne Lederjacke kombinieren.

          Topmeldungen

          Angeklagter: Der 93 Jahre alte Bruno D. wird aus dem Gerichtssaal in Hamburg geschoben.

          Prozess um SS-Wachmann : Eine große Umarmung

          Im SS-Prozess in Hamburg sagt ein früherer Häftling des KZ Stutthof aus. Er berichtet von furchtbaren Taten und Erlebnissen. Und er will dem Angeklagten vergeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.