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Fashiontrends : Getragene Investitionen

  • -Aktualisiert am

Neben kleinen Labels gibt es auch große Unternehmen, die vor allem für Nachwuchskünstler verlockend erscheinen: Auf der Plattform Vida zum Beispiel können Künstler – und alle, die sich für solche halten – ihre Werke online hochladen, sie auf T-Shirts, Taschen und sogar Kissenhüllen drucken lassen und direkt über die Vida-Website verkaufen. Produziert wird erst dann, wenn eine Bestellung eingeht, 10 Prozent vom Erlös gehen an den Künstler. Unternehmen wie Vida, die gezielt mit Künstlern in Kontakt treten und eine Zusammenarbeit anbieten, sind nicht ganz unumstritten: Wer das Kleingedruckte nicht genau liest, kann schnell sämtliche Rechte an seinem geistigen Eigentum verlieren. Im April diesen Jahres sollen die Konditionen bei Vida aber verbessert worden sein. Dennoch lohne sich genaues Hinsehen, schrieb jüngst die Anwältin Kiffanie Stahle in ihrem auf Recht für Künstler spezialisierten Blog „the artist’s JD“.

Daisy Emerson für Michael Kors

In Zeiten, wo Gemälde und Skulpturen höhere Renditen versprechen als so manches Aktienpaket und wo Luxuskonzerne wie LVHM immense Summen in Kunst investieren – ihre Boutiquen mit Ausstellungsräumen ausstatten, junge Künstler fördern und bereits etablierte Namen für ihre Kollektionen verpflichten – rückt der ökonomische Aspekt immer mehr in den Vordergrund. Das weiß man auch bei Art on Fashion in Belfast: Auf der Website des Labels wird darauf hingewiesen, dass man mit dem Kauf eines Kleidungsstückes in ein Kunstwerk investiere.

Dem menschlichen Skelett nachempfundenes Kleid

Ob bedruckte Seidentücher und Kleider tatsächlich ernstzunehmende Konkurrenz für klassische Gemälde als Investitionsobjekt werden, bleibt abzuwarten. Ganz abwegig ist es aber nicht. Schließlich erzielen Kleider und Schuhe schon jetzt zum Teil enorme Preise bei Auktionen. Vergangenen November wurde das Kleid, in dem Marilyn Monroe 1962 „Happy Birthday, Mr. President“ sang, für umgerechnet über vier Millionen Euro versteigert, einen Monat später erzielte ein Kleid von Lady Di bei einer Auktion über 60.000 Euro. Das renommierte Auktionshaus Christie’s unterhält eine eigene Abteilung für Handtaschen und Accessoires. Mit der Handschrift bekannter Künstler versehene Mode bringt also zwei aufstrebende Investitionsbereiche zusammen.

Gianpaolo Pagni für Hermes

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Die enge Bindung zwischen Mode und Kunst beruht nicht auf neuer, plötzlich entflammter Liebe. Der belgische Maler und Architekt Henry van de Velde entwarf schon im frühen 20. Jahrhundert Kleider, die ohne das damals noch übliche Korsett auskamen. Salvador Dalí und Elsa Schiaparelli, Coco Chanels größte Konkurrentin, verband in den späten dreißiger Jahren nicht nur eine Freundschaft: Der Surrealist und die Modedesignerin arbeiteten auch zusammen. Wie Schuhe anmutende Hüte und ein dem menschlichen Skelett nachempfundenes Kleid gehören zu den berühmtesten Früchten dieser Kollaboration.

Auch Andy Warhol, der die Verschmelzung von etablierter Kunstwelt und Popkultur wie kaum ein anderer zelebrierte, machte in Mode: Sein „Campbell’s Soup“-Kleid von 1960 ist heute in der Sammlung des Metropolitan Museum of Modern Art in New York zu finden. Nun erwecken kleine Labels und große Unternehmen diese lange Liebe wieder zu neuem Leben. Und vielleicht werden in einigen Jahrzehnten neben Warhols Tütensuppen-Kleid auch mit Ölgemälden bedruckte Tücher oder mit Stillleben bedruckte Blusen zu sehen sein.

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