https://www.faz.net/-hrx-8cgio

Fashiontrends : Der macht den Kleidern Beine

Zwei Stars, ein Kleidungsstück: Jennifer Lopez im Glitzerjumpsuit von Michael Kors Bild: GC Images

Abendroben haben jetzt Konkurrenz bekommen - vom Jumpsuit. Nicht nur Stars feiern darin befreiter. Neben Bequemlichkeit hat das Trendkleidungsstück der siebziger Jahre einen weiteren Vorteil.

          Zwei Stars, ein schimmernd goldenes Etwas. Eigentlich war es eine typische Kleider-Blamage, die Jennifer Lopez und das Topmodel Gigi Hadid da ereilte. Im Juni vergangenen Jahres ließ sich Hadid in dem funkelnden 12 000-Dollar-Modell bei der Preisverleihung der amerikanischen Modekammer ablichten. „Vielen Dank für einen tollen Abend, ich trug Michael Kors, maßgeschneidert“, verkündete das in sozialen Netzwerken umtriebige Model gleich am nächsten Morgen über Twitter. Ein goldenes Etwas für den roten Teppich, angeblich nur für sie gefertigt. Nur leider trat Lopez vergangene Woche in der Sendung des amerikanischen Fernseh-Talkmasters Jimmy Kimmel im gleichen maßgeschneiderten goldenen Etwas auf.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Typische Kleider-Blamage unter Stars also, für die man kaum 19 Zeilen verschwenden müsste - stünde im Mittelpunkt hier nicht statt eines gewöhnliches Abendkleides ein Jumpsuit. Insofern ist es eigentlich kein Wunder, dass zwei Stars das gleiche Outfit tragen, in Zeiten, da der Jumpsuit gerade zur echten Abendkleid-Alternative wird.

          Zur Kirche mit dem Rad

          Viele Frauen mit gutem Geschmack, die es gewohnt sind, oft abgelichtet zu werden, haben das schon verstanden. Wenn auf der Einladung um Black-Tie-Dresscode, also Abendgarderobe, gebeten wird, kommen immer mehr Stars statt in bodenlangen Flatterkleidern in Einteilern mit zwei Hosenbeinen.

          Zum Beispiel Gwyneth Paltrow, die im Oktober anlässlich einer Beauty-Party einen Jumpsuit von dem jungen Label Galvan trug. Oder die deutsche Schauspielerin Marie Bäumer. Zum Bundespresseball im November erschien sie in einem schwarzen Einteiler von Max Mara. Oder Sängerin Solange Knowles, die jüngere Schwester von Beyoncé. Zu ihrer eigenen Hochzeit entschied sie sich für einen cremefarbenen Jumpsuit. Der war allein schon deshalb praktischer, weil die Braut zur Trauung in der Kirche mit dem Fahrrad kam.

          Nichts zu tun mit Gefängniskleidung

          Jumpsuits finden ihren Weg jetzt auch auf Galadinner-Veranstaltungen von Königshäusern: Letizia, Königin von Spanien, trug im Dezember einen schwarzen Jumpsuit mit Lasercuts von ihrem Hofschneider Felipe Varela. Auch Caitlyn Jenner, ehemals Bruce, probiert sich in ihrem ersten Jahr als Frau mit Jumpsuits aus, mit viel Spitze an den Armen und tiefem Ausschnitt.

          Schönheit im Jumpsuit: Gigi Hadid hatte sich wohl nicht mit Jennifer lopez abgesprochen.

          Auch bei den Preisverleihungen im noch jungen Jahr 2016 hatten Jumpsuits schon diverse Auftritte, zum Beispiel ein schulterfreies Modell in Weiß von Stella McCartney, das Kate Hudson zu den „People’s Choice Awards“ ausführte. Und Taylor Schilling, bekannt als Chapman aus „Orange Is the New Black“, trug zu den Golden Globes am vergangenen Sonntag einen Einteiler von Thakoon.

          Apropos, mit den orangefarbenen Jumpsuits, der amerikanischen Gefängniskleidung, haben die neuen Jumpsuits natürlich überhaupt nichts zu tun. Genauso wenig wie mit den gemütlichen onesies, Strick- oder Sweatshirteinteilern, in denen vor allem Briten ihren Kater nach einer durchfeierten Nacht auskurieren.

          Trend seit drei Saisons

          Vielmehr haben sich die Abend-Jumpsuits von der Tagesgarderobe aus hochgearbeitet zur Abendkleid-Alternative, die man noch nicht im Schrank hängen hat. So hat der Jumpsuit keinen rasanten Siegeszug hinter sich, es brauchte Stars wie Diane Kruger, Designer wie Stella McCartney und viele Jahre. Lange Zeit stellte der Einteiler vor allem eine Option zum Sommerkleid dar. Der Overall, meistens aus Baumwolle, war das praktischere Teil für einen Nachmittag auf der Picknickdecke, wo einem dann niemand unter den Rock schauen konnte.

          Dann kamen junge Designer wie Galvan oder Alessandra Rich, die neben Stella McCartney und Proenza Schouler die leicht angestaubte Abendgarderobe aufmischten und den Overall im Nebenzug neu erfanden - zum funkelnden Jumpsuit, jetzt meist aus Seide, der es mit jeder pompösen Robe aufnehmen kann. Aus dem Jumpsuit ist eine eigene Kategorie geworden - wie Strickware oder Jeans -, und das nicht nur im Online-Shop für Luxusmode Net-a-porter oder auf den Laufstegen von Häusern wie Louis Vuitton, Balmain, Gucci und Tod’s, die mit Jumpsuits in das Frühjahr gehen. „Jumpsuits gibt es heute von jeder Marke und in jeder Preiskategorie“, bestätigt Astrid Derks, Einkaufsleiterin für Damenmode bei Breuninger. Derks beobachtet den Trend zum Jumpsuit seit drei Saisons, „jetzt bieten ihn auch Marken im kommerziellen Bereich an, wie zum Beispiel Esprit“.

          Weitere Themen

          Gut drauf Video-Seite öffnen

          Mopedfahrer in Hanoi : Gut drauf

          Bälle, Blumen, Eier, Wasserflaschen oder Fische: In Hanoi wird einfach alles auf Rollern transportiert. Unser Fotograf hat ein paar der Mopedfahrer in der Nacht aufgehalten und im Bild eingefangen.

          Topmeldungen

          Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis

          Tschechien : Regierungschef Babis übersteht Misstrauensvotum

          Seit Wochen gibt es Massenproteste gegen den unter Korruptionsverdacht stehenden Milliardär. Doch der Opposition gelang es nicht, die notwendigen Stimmen für eine Absetzung des Ministerpräsidenten zusammenzubekommen.
          Unser Sprinter-Autor: Johannes Pennekamp

          F.A.Z.-Sprinter : Schweiß und Tränen

          Die starke Sonneneinstrahlung könnte bald Baustellen lahmlegen, dem Ehrenamt muss wieder mehr Achtung entgegengebracht werden – und der Weltkonjunktur droht mehr Ungemach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.