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Fashion Week und Ukrainekrieg : Im Bunker statt auf dem Laufsteg

„Ich rette mein Land“: Model Yeva Podurian bleibt in der Ukraine, um dort zu helfen, statt zur Modewoche nach Paris zu fahren. Bild: Eugenia Dubinova

Über den Krieg wird auf der Pariser Fashion Week nicht gerne gesprochen, allenfalls leere Worthülsen ließen die meisten Modehäuser bislang verlauten. Viele ukrainische Models sind indes gar nicht angereist, sondern verteidigen ihr Land.

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          Wer denn in den frühen Morgenstunden ein Feuerwerk in der Nachbarschaft ver­anstaltet, fragte sich Vika Reza, als sie am 24. Februar ein Knall vor dem Fenster weckte. Früh aufstehen musste das Model an dem Tag ohnehin, ein Flug nach Paris stand an, arbeiten in der Stadt der Mode, und Dior hatte ihr abermals angeboten, für die Schau auf der Fashion Week zu laufen. Doch Vika Reza wird in diesem März auf keinem Laufsteg zu sehen sein. Was die Einundzwanzigjährige vor ihrem Fenster hörte, war kein Feuerwerk. Sondern Putins Bomben. „Es hat angefangen“, sagte ihr Freund am Telefon. „Was hat angefangen?“ – „Der Krieg, schau aus dem Fenster.“

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft & Stil.

          Vika Reza nahm ihre Koffer, doch sie würde an diesem Tag nicht in ein Flugzeug nach Paris steigen. Das verstand sie, als die Taxi-Apps nicht mehr funktionierten; später erfuhr sie, dass der Kiewer Flughafen Boryspil bombardiert wurde. „Was, wenn ich dort gewesen wäre?“ Der Verkehr in Kiew war blockiert, viele Menschen versuchten, die Stadt zu verlassen. Reza fand sich damit ab, dort bleiben zu müssen, wollte noch im Krankenhaus Blut spenden, Medizin für Notfälle kaufen und erkundigte sich, wo der nächste Luftschutzbunker liegt. Und sie dachte sich, dass es doch sinnvoll war, vor Kriegsausbruch Schießtraining genommen zu haben. Weil sie als Mädchen den bewaffneten Videospiel-Charakter Lara Croft so toll fand, aber auch, weil da dieses mulmige Gefühl in ihr war, sie müsse sich auf etwas vorbereiten.

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