https://www.faz.net/-hrx-80hgy

Mailänder Modewoche : Mit Bambini auf den Laufsteg

Diese Botschaft versteht man in aller Welt: Dolce & Gabbana feiern „la mamma“. Bild: AFP

Mode aus Mailand ist vor allem Exportgut. Gerade deshalb setzen die Designer auf italienische Werte: Schneiderkunst, Dekor – und Familie.

          5 Min.

          Das können nur Italiener. In Paris oder New York würde man sich für den guten Zweck eher verschulden, als gemeinsame Sache mit der Konkurrenz zu machen. Aber in Mailand spricht am Sonntag bei Versace in der Galleria Vittorio Emanuele II. ein Architekt über die Renovierungsarbeiten an dem alten Gebäude – und die Leute von Prada hören zu.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Architekt holt weit aus: Im Jahr 1863 begann Giuseppe Mengoni mit dem Bau der Galerie, um eine Verbindung zwischen Dom und Scala zu schaffen. Schon vier Jahre später stand der Prachtbau mit Mosaikböden, Stuck und Fresken – mit Hilfe britischen Geldes. Mengoni erlebte die Eröffnung am 31. Dezember 1867 nicht mehr. Er verunglückte einen Tag zuvor auf der Baustelle tödlich, bei einem Sturz vom Gerüst. Auch heute steht hier eine Eröffnung kurz bevor. Finanziert haben die Renovierung aber nicht die Briten oder die EU, sondern der Verlag Feltrinelli sowie Versace und Prada. Sie unterhalten hier zwar Geschäfte – aber außer Eitelkeiten geht es vor allem um die gute alte Galleria.

          Und um die Expo. Die beginnt zwar schon in acht Wochen, aber an den Straßen wird gebaut, als hätte man noch ein halbes Jahr Zeit. Die Mode ist da mal wieder schneller. Pomellato präsentiert eine Kollektion mit „Milano-Ringen“. Emporio Armani erfüllt mit rund 100 Looks zur Schau schon einmal die Erwartungen der Kundinnen, die am Eröffnungstag der Expo zur öffentlichen Modenschau von Armani kommen werden. Und Cruciani, bekannt geworden mit Häkelarmbändern, stellt diese Woche die offizielle „Expo-Bag“ vor – mit bunten Häkelapplikationen, wie von Hand geknüpft.

          Besinnung auf italienische Werte

          Mode aus Mailand ist heute vor allem ein Exportprodukt, also gehören auch Expo-Produkte zum Pflichtprogramm. Überhaupt besinnen sich die Designer zur Mailänder Modewoche auf italienische Werte – zum Beispiel auf die „sartoria“, die Schneiderkunst. Die Lederkleider, die Alessandra Facchinetti für Tod’s entwirft, sind noch aufwendiger verarbeitet als sonst. Hier reihen sich als Borte Hunderte dicke Überwendlingsstiche aneinander, die Daunenjacken – auch eine Premiere und typisch italienisch – sind nicht aus Nylon, sondern mit technischem Faden gestrickt. Allzu ernst nimmt Facchinetti ihre Entwürfe nicht. Die Popeline-Hemden hängen am Rücken raus, vorne stecken sie in der Hose. „Ist doch lockerer so“, sagt sie nach der Schau. Und Fendi: Karl Lagerfeld arbeitet weniger mit Pelz und dafür mehr mit Leder, das er hier zu Schutzschilden formt. Sie sitzen an den Röcken, Oberteilen und Kleidern, dazwischen tragen die Models auf dem längsten Laufsteg von Mailand die größten Daunenjacken.

          Wenn es um Stoffe und ihre Verarbeitung geht, macht den italienischen Häusern eben so schnell niemand etwas vor: Brunello Cucinelli hat sich gerade einen Kaschmirfaden patentieren lassen; die schönsten Stücke in der Max-Mara-Kollektion sind wieder die klassischen Kamelhaarmäntel; Francesca Ruffini, Ehefrau von Moncler-Chef Romeo Ruffini, hat innerhalb von drei Monaten ein luxuriöses Pyjama-Label präsentationsfertig auf die Beine gestellt mit Stoffen nur aus Como. Und Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi verzichten bei Fay nun auf das seit drei Saisons allgegenwärtige Snoopy-Motiv. „Es geht jetzt um die Qualität der Materialien“, sagt Aquilano nach der Schau. In perfektem Englisch übrigens, jeden Abend übt er zu Hause mit dem Online-Sprachtrainer, „wie ein Personal Trainer“, lacht er, bevor er sich für das Gruppenfoto aufstellt mit den Fay-Mitarbeitern, die aus der Region Marken zur Schau gekommen sind.

          Weitere Themen

          Hoch hinaus

          Berlin Fashion Week : Hoch hinaus

          Die Modewoche in Berlin ist in diesem Jahr ins zentralgelegene Kraftwerk gezogen. Die interessanteste Schau am Auftakttag lockte aber in den Fernsehturm.

          Von Katie Holmes bis Wolfgang Joop Video-Seite öffnen

          Beriner Fashion Week : Von Katie Holmes bis Wolfgang Joop

          Auf der Fashion Week in Berlin lassen die Modedesigner ihre neusten Kollektionen auf dem Laufsteg präsentieren. Die Bandbreite der Stile ist groß, von Katie Holmes bis Wolfang Joop findet hier jeder seinen Geschmack.

          Topmeldungen

          Traktoren stehen an diesem Freitag nach einer Sternfahrt auf den Exerzierplatz in Kiel

          Start der Grünen Woche : Aus für die Bullerbü-Landwirtschaft

          Alle müssen satt werden – also Schluss mit romantischen Vorstellungen, warnt Ministerin Julia Klöckner zum Auftakt der Grünen Woche. Angesichts der Bauernproteste ist die Messe so politisch wie selten zuvor.
          Das gibt nur Ärger: Doppelspitze auf dem Hühnerhof

          Fraktur : Zwei sind einer zu viel

          Fundamental alternative Fakten: Anmerkungen zu den Kompetenzdefiziten der Woche.
          Neu errichtete Mehrfamilienhäuser im Europaviertel in Frankfurt: In den meisten Teilen Deutschlands ist das Wohnen zur Miete erschwinglicher geworden.

          Wohnungsmarkt : Mieten wird erschwinglicher

          Die steigenden Mieten belasten viele Deutsche. Dabei sind sie in den meisten Teilen der Bundesrepublik erschwinglicher geworden. Wer profitiert – und wer das Nachsehen hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.