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Pariser Modewoche : Wie ein Korsett aus Nadelstreifen

  • -Aktualisiert am

Schon wieder eine Premiere: Virgil Abloh stellt seine Männermode für Louis Vuitton im Jardin du Palais Royal vor. Bild: EPA

Momentan treffen verschiedenste Kulturen und Generationen aufeinander: Die Männermode in Paris gibt sich der Sportswear jedoch nicht vollständig hin.

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          Bernard Arnault hat Backstage schon viel erlebt nach den Defilees seiner vielen LVMH-Marken. Zu Zeiten eines Alexander McQueen bei Givenchy oder eines John Galliano bei Christian Dior konnte es da immer wieder Überraschungen geben in Form von lustig verkleideten oder arg angetrunkenen Designern. Arnault hat immer alles weggelächelt. Aber selten sah der viertreichste Mensch der Welt so deplatziert aus wie nun – als er nach den Schauen zu Virgil Abloh bei Louis Vuitton und Kim Jones bei den Dior-Männern geführt wurde. Die zwei großen Debüts der Männermode-Saison waren gerade erfolgreich über die Bühne gegangen. Aber man stand nebeneinander fürs obligatorische Foto – und hatte sich nicht viel zu sagen.

          Bernard Arnault, Herr über ein Luxusimperium, in dem die Sonne nicht untergeht, ist ein Feingeist. Virgil Abloh macht gerade aus der Luxus-Ledermarke Louis Vuitton eine Art Plastik-Streetwear-Label, und Kim Jones bringt die Tailor-Marke Dior Homme als Sportswear-Label Dior Men auf Trab. Da treffen Kulturen und Generationen aufeinander. Und man erkennt daran, dass nun langsam Arnaults Kinder, allen voran sein Sohn Alexandre, die Entscheidungen treffen. Es geht eher um die Macht der Bilder in den sozialen Medien als um die schöne Mode, eher ums Branding als um die Klamotte.

          Symbolisch starker Auftritt

          Wobei Virgil Abloh, der mit Off-White eine Trendmarke aufgebaut hat, auch seine erste Louis-Vuitton-Kollektion souverän meisterte. Er versuchte, als echter Schneider durchzugehen, was angesichts der kastenförmigen Silhouette nicht ganz gelang. Aber seine Idee, dass sich Accessoires in Kleidungsstücke verwandeln, war stark. Zum Beispiel: ein Lederholster, den viele Jacken übergestülpt bekamen, ohne Waffe, aber mit vielen Taschen für den globalen Nomaden. Ist das moderner Luxus? Sicher nicht, aber zeitgemäßer Lärm. Seine Fans und Follower Kanye West, Rihanna, Kim Kardashian und so weiter waren zur Stelle, um Bilder in die Welt zu schicken. Es war auch ein symbolisch starker Auftritt. In einer Kultur, in der man sich vor zwei Jahrzehnten noch über britische und amerikanische Modemacher bei französischen Luxushäusern echauffierte, entwirft nun ein schwarzer Designer aus Amerika bei Louis Vuitton.

          Auf der Fashion Week: Designer Virgil Abloh nach der Show von Louis Vuitton
          Auf der Fashion Week: Designer Virgil Abloh nach der Show von Louis Vuitton : Bild: Reuters

          Kim Jones brachte KAWS, den Graffiti-Künstler, und somit die halbe Kunstwelt zu seiner Schau. Auch dieser Designer, der zuvor bei Louis Vuitton war, den Arnaults also wohlbekannt ist, bringt treffsichere Entwürfe hervor wie die Ein-Knopf-Kimono-Jacke oder die vielen von Hand aufgenähten Bienen – da werden die Damen in den Ateliers angesichts der Arbeit gestöhnt haben.

          Ein mutiges Statement

          Aber Jones trimmt Dior Men viel mehr auf Sportswear, wie schon die verkehrt herum sitzenden Baseball-Mützen zeigen. Jedes Dior-Debüt fordert Blumenreferenzen – Jones ergab sich der Tradition mit knalligen Blumenmotiven auf weißen Seidenhemden. Das dauernde Stühlerücken stört die Designern nicht einmal mehr. Der frühere Dior-Homme-Designer Kris van Assche saß im Publikum. Er soll nun die verunsicherte LVMH-Marke Berluti mit seinen modern geschnittenen Anzügen nach vorne bringen.

          Die neuste Männermode: Hier präsentiert von der Modemarke Dior.
          Die neuste Männermode: Hier präsentiert von der Modemarke Dior. : Bild: AFP

          Zwei echte Höhepunkte der Pariser Schauen: Raf Simons, der mit seiner Marke aus New York zurückgekehrt ist, und Sarah Burton für Alexander McQueen. Sie beschwören mit einer Abkehr von der Streetwear die männliche Eleganz. Man kann ja vor allem Simons als einen Pionier der Streetwear sehen, denn seine von der Jugendkultur geprägten Kollektionen sollen tatsächlich auch auf seine jungen Models wirken. So sind die von ihm vor schon mehr als zehn Jahren wiederentdeckten Bomberjacken, die er mit innen angebrachten Stoffbahnen verlängerte, zum Standardrepertoire des Designs geworden.

          Nun propagiert Raf Simons, der in New York bei Calvin Klein sein Geld verdient, in seiner eigenen Linie farbige Seide für den jungen Mann. Der belgische Modemacher, der bei Dior auch schon Haute Couture gemacht hat, gibt damit ein doch recht mutiges Statement ab.

          Sarah Burton, die sich aus Loyalität zu Alexander McQueen nie von LVMH hat abwerben lassen, ist auch bei Männern auf der Höhe der Zeit, mit so eng geschnittenen Jacken, dass es aussah, als trüge der Mann ein Korsett. Cross-Dressing? Gender-Bender? Nein, nein, für einfach provozierende Fetisch-Lösungen ist sie nicht zu haben. Sie nahm dafür Nadelstreifenstoffe.

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