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Fashion Week in New York : Calvin Klein wieder groß

Für Fans ist eine der ersten Schauen der New York Fashion Week schon der Höhepunkt der gesamten Modesaison. Bild: AFP

Raf Simons beginnt bei der New Yorker Modemarke, steigt voll in die amerikanischen Themen ein – und begeistert mit seiner Premiere Fans, Promis und Vermarkter.

          5 Min.

          Genau das richtige Wetter für eine coole Marke! Die Frauen von der amerikanischen „Vogue“ stöckeln über Eisberge. Vor dem Hauptsitz von Calvin Klein in Midtown Manhattan warten am Freitagmorgen Hunderte schnatternd auf Einlass. Zwei Männermodels rauchen vor der Tür noch schnell eine Zigarette – im Bademantel, bei minus vier Grad.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Raf Simons wird gleich seine erste Kollektion für Calvin Klein präsentieren. Für Normalsterbliche klingt das, als ob in Chinatown ein Sack Reis umfiele. Für Fans ist eine der ersten Schauen der New York Fashion Week schon der Höhepunkt der gesamten Modesaison.

          Raf für Calvin: Das ist die Kombination einer der bekanntesten Modemarken mit einem der besten Modemacher. Hier und heute sieht man Antwerpen, Paris und New York, Siebziger, Neunziger und Zukunft, Minimalismus, Phantasie und sogar ein paar verrückte Sachen.

          „What gets between me and my Calvins? Nothing“

          Kein Wunder also, dass der Stau in der 39. Straße bis zur sechsten Avenue reicht und auf der anderen Seite das Hupen schon an der achten Avenue beginnt. Im „Enigma Nails & Spa“ gegenüber lassen die Nagelpflegerinnen die Arbeit ruhen. In den Büros darüber stehen Dutzende Angestellte am Fenster und nehmen mit den Handys die herbeieilende Sarah Jessica Parker auf, die in „Sex and the City“ ruhig öfter Calvin Klein hätte tragen dürfen, weil es dann zur Jahrtausendwende weniger Kleidersünden gegeben hätte.

          Sarah Jessica Parker griff selbst zum Smartphone. In „Sex and the City“ hätte sie ruhig öfter Calvin Klein tragen dürfen, weil es dann zur Jahrtausendwende weniger Kleidersünden gegeben hätte. Bilderstrecke

          Drinnen, in der ersten Reihe, die Klassiker: Brooke Shields, die 1980, mit 15 Jahren, in den Anzeigen fragte: „What gets between me and my Calvins? Nothing.“ Amber Valletta, die 1991 mit 17 Jahren zum Gesicht des Parfums „Eternity“ wurde. Lauren Hutton, bisher mehr Raf- als Calvin-Fan. Naomi Harris, die für einen Oscar nominiert ist. Rapper Asap Rocky, der Vintage Calvin trägt. Nur Calvin Klein selbst, mittlerweile 74 Jahre alt, fehlt: Er hatte sein 1968 gegründetes Unternehmen im Jahr 2002 für 430 Millionen Dollar an die Phillips-Van Heusen Corporation verkauft, die – neben all den Parfums und der Unterwäsche – auch an der Designermode festhielt, bis zum vergangenen Jahr auch nicht ganz schlecht entworfen von Francisco Costa.

          Und Kate Bosworth ist da. Sie trägt zur Jeans ein T-Shirt mit dem neuen Calvin-Klein-Logo, das Raf Simons von Grafiker Peter Saville gestalten ließ. Hat sie es vorher von Raf geschickt bekommen? „Nein, das ist ein Shirt von Hanes. Ich habe mir das Logo aus dem Internet geholt und eigenhändig auf das T-Shirt gebügelt.“ Die schmalen serifenlosen Versalien gefallen der Schauspielerin, die auf der Modewoche nur diese eine Schau besucht. „Die Schrift ist sehr gut ausbalanciert“, sagt die Vierunddreißigjährige, die sich für Typographie interessiert und zum Beispiel für die Fraktur-Schrift im Titel dieser Zeitung schwärmt: „Eine solche Schrift passt sehr gut zu einer Zeitung, weil sie traditionell wirkt und dadurch Vertrauen weckt.“

          Raf Simons kennt nicht mal einen Coffee-Shop in seiner Nähe

          Raf Simons hat also Markengeschichte geschrieben, bevor die Schau überhaupt begonnen hat. Das kann nur heißen, dass er lange bleiben will. Dafür spricht auch, dass er mit seinem Lebenspartner und seinem Hund Luca nach New York gezogen ist. Da der stattliche Beauceron auch mal Auslauf braucht, waren sie schon in Connecticut und in den Berkshire Mountains. Aber in seinem bisher einzigen Interview seit seiner Arbeit in Manhattan kann er auf die Frage der „GQ“ nicht einmal einen Coffee-Shop in seiner Nähe nennen – weil er offenbar dauernd arbeitet.

          Einen ersten öffentlichen Auftritt immerhin hatte er schon: Die Männermode seiner eigenen Marke Raf Simons stellte er im Januar in der Gagosian Gallery vor. Aber wie zum Beispiel bei Karl Lagerfeld zieht seine eigene Marke weniger Aufmerksamkeit auf sich als seine großen Jobs. Sieben Jahre Jil Sander, drei Jahre Dior, jetzt Calvin Klein: Anders als Lagerfeld, der seit 52 Jahren für Fendi arbeitet und seit 35 Jahren für Chanel, muss Raf Simons nun aufpassen, dass er nicht zum Wanderpokal eines überhitzten Luxusmarktes wird, zu einer Art trophy designer ermatteter Milliarden-Marken.

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