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Fashion Week in Mailand : Was das Zeug hält

Mit 87 Jahren in seiner eigenen Klasse: Giorgio Armani beging bei der Mailänder Modewoche nicht nur das 40. Jubiläum seiner Zweitmarke Emporio Armani. Er nutzte auch die Schau seiner Hauptmarke Giorgio Armani am Wochenende für ein marketingträchtiges Gruppenbild mit Damen. Bild: dpa

Die Mailänder Modewoche hat wieder live stattgefunden. Die italienischen Designer fahren nach eineinhalb Jahren Pandemie alles auf und buhlen um Aufmerksamkeit. Geht es noch lauter?

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          Auch so kann man den Vierzigsten feiern: Eben hat sich Giorgio Armani nach der Schau seiner Zweitmarke Emporio Armani verbeugt. 40 Jahre ist es her, dass er sie gegründet hat. Zum Jubiläum in diesem Jahr spendiert er sich – und seinem Unternehmen – eine Ausstellung im haus­eigenen Museum Armani/Silos. Giorgio Armani arbeitet unabhängig von der Zeit, in den Ausstellungsräumen hängen lockere ­Blazer aus 40 Jahren Firmengeschichte, Damals und Heute sind kaum zu unterscheiden. Immer wieder blitzt das Adler-Logo auf. Sportswear, Abendkleider, Kampagnen-Fotos mit sehr entspannt aus­sehenden Menschen. Giorgio Armani hat längst seine eigene Gegenwart erschaffen. Mit seiner Arbeit ruht er geradezu in sich selbst.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Mode ist er auch deshalb eine Ausnahmeerscheinung. Besonders sichtbar war das zur Fashion Week in Mailand, die am Montag endete. Es ist die erste große Modewoche seit anderthalb Jahren, mit einer Live-Schau nach der nächsten, mit Gästen, die endlich wieder aus Übersee anreisen durften und Berühmtheiten wie Gigi Hadid und Dua Lipa auf dem Laufsteg. Chiara Ferragni in der ersten Reihe. Und mit den entsprechenden Fantrauben vor der Tür.

          Aussicht auf ein Leben nach der Pandemie

          Es ist viel los, und es ist laut. Mit der Aussicht auf ein Leben nach der Pandemie buhlen die Modemarken um Aufmerksamkeit. Wo, wenn nicht hier, wäre das naheliegender? Keine Region war in der ersten Welle der Pandemie schwerer getroffen als die Lombardei. Nirgendwo sonst haben die Menschen so schnell ­Disziplin mit Maske und Abstandsregeln verinnerlicht. Mit dem Green Pass, dem digitalen Impfzertifikat, öffnen sich in Italien jetzt die Türen des Alltags­lebens.

          Die Antwort der italienischen Designer auf all das: Sie fahren auf, was geht. Ein Paar Modetage in Mailand muten jedenfalls an wie Insta­gram-Stories in Dauerschleife. Im nächsten Moment könnte von irgendwoher ein Bass reinknallen. Oder unvermittelt eine Blas­kapelle einmarschieren, wie bei der Party von Pomellato, übrigens zum Geburtstag des Nudo-Rings, der gerade einmal 20 Jahre alt wird. Oder es könnte bunter Rauch aus der Fankurve aufsteigen – auf einem Baseballfeld am Stadtrand von Mailand, das Boss und Russell Athletic anlässlich ihrer Kooperation ausstaffiert haben, mit Cheerleadern, Spielern, Fress-Buden.

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          Dazwischen Gigi Hadid, die tanzt und Shorts und bauchfreien Sweater trägt. „Sportswear ist in der Pandemie noch wichtiger geworden“, sagt Hugo-Boss-Markenvorstand Ingo Wilts nach der Sause auf dem Baseballfeld. Ein paar lockere Blazer, mehr Jacke als Jackett, sind zwar auch darunter, aber auch sie deuten auf das hin, was Wilts „ein anderes Anzugbild“ nennt. „Komfort ist gerade für jüngere Kunden wichtig.“

          Okay. Weiter. Prada: Bei der ersten Live-Schau in Gemeinschaftsarbeit von Miuccia Prada und ihrem neuen Ko-Designer Raf Simons sieht man nicht eine Kollektion auf dem Laufsteg, sondern Models in identischen Stücken auf unzähligen Bildschirmen noch einmal, in einer zweiten Prada-Schau, die gleichzeitig an der Zhong­shan Road in Schanghai läuft. Eine Botschaft: Mit der Globalisierung sehen wir überall auf der Welt gleich aus, wie Mode-Zwillinge. Der zweite, entscheidende Grund für diese ­Mikro-Röcke mit langen Schärpen zu abgewetzten Lederjacken, Strickpullovern mit Brust-Andeutungen und Oberarm-Gürteln zu engen Satin­Röcken: Es geht um den Körper. Zu dessen Schutz schränken wir uns seit anderthalb Jahren ein. Wenn alles besser ist, soll er umso sichtbarer sein. So sehen es gerade viele Designer in Mailand. Dazu gleich.

          Kleider mit Heilsteinen

          Denn gerade wird noch getrommelt, buchstäblich bei Etro. Im Juni, sagt Veronica Etro backstage, habe sie mit der Arbeit an der Kollektion angefangen. „Es sollte eine Explosion der Farben werden. Alles sollte blühen.“ Im Lockdown hat die Designerin sich mit Achtsamkeit auseinandergesetzt, jetzt besetzt sie die Kleider mit Heilsteinen, arbeitet Mandala-Muster ein. Zum Finale legt dann das Dutzend Trommler los.

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