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Fashion-Bloggerinnen : Dick ist nur eine andere Farbe

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Auch Katrin würde sich wünschen, dass man Plus-Size-Kleidung nicht gleich auf den ersten Blick als solche erkennt. „Wenn die Verkäufer über ein Oberteil oder eine Bluse sagen, das verkauft sich in 34 nicht, weil es so altmodisch ist, wieso denken sie dann, es ist okay, das in 54 zu verkaufen?“

Auf dem deutschen Plus-Size-Markt tut sich etwas

Mit dem wachsenden Selbstbewusstsein der Plus-Size-Bloggerinnen wächst auch die Sehnsucht nach mehr Auswahl, mehr Trends. Großes Vorbild sind die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die skandinavischen Länder. In Deutschland, so die Meinung der Bloggerinnen, tue man sich schwer mit Plus-Size-Mode abseits von Caprihose und braun-beiger Tunika. „Die Designer machen tolle Plus-Size-Mode. Sie landet dann nur nicht in den Geschäften“, beklagt sich Katrin.

Doch der deutsche Markt ist in Bewegung. Das ist nicht zuletzt den Bloggerinnen zu verdanken: „Die Plus-Size-Mode ist durch uns Bloggerinnen sichtbarer geworden“, sagt Katha. Vielleicht auch, weil Mode in Übergrößen genau betrachtet gar kein Nischen-Thema mehr ist. Fast jede zweite deutsche Frau trägt inzwischen Kleidergröße 42 und größer. In den meisten Geschäften ist dagegen oft bei Größe 44 Schluss. Mittlerweile widmen sich deshalb immer mehr Marken dem Plus-Size-Segment - und den Plus-Size-Bloggerinnen. Die Firmen, Designer und Shops sind auf die jungen Frauen aufmerksam geworden. Sie schicken ihnen Produkte, laden sie zu Veranstaltungen, wollen Feedback. Luciana arbeitet zum Beispiel mit dem Online-Shop Navabi zusammen. Regelmäßig erstellt die Vierundzwanzigjährige einen sogenannten „Style-Guide“. Sie zeigt, wie man Mode, die es bei Navabi zu kaufen gibt, am besten tragen kann.

Bloggerinnen wollen Mut machen

„Die Bloggerinnen sind wichtige Botschafterinnen für unsere Mode, fast schon Testimonials“, sagt Sabine Tietz, Geschäftsführerin des Online-Stores Sheego, der eng mit Bloggerinnen zusammenarbeitet. „Sie sind Expertinnen, die sehr ehrlich und unabhängig Lob und Kritik aussprechen.“ Die Bloggerinnen hätten durchaus dazu beigetragen, dass Plus-Size-Mode in Deutschland mehr Aufmerksamkeit erhalten habe.

Doch Tietz schränkt auch ein: So gern man mit den Bloggerinnen zusammenarbeite, ihre Meinung schätze, so müsse man doch auch überlegen, was auf die normale Kundin übertragbar sei. „Wir müssen entscheiden, was von dem, das sich eine selbstbewusste, extrovertierte Bloggerin wünscht, kann unsere Kundin auch annehmen?“

Katrin sieht das anders: „Vielleicht würden mehr Kundinnen tatsächlich einen Rock kaufen, wenn sie es könnten, wenn er im Laden hängen würde.“ Die Plus-Size-Bloggerinnen sehen es durchaus als ihre Aufgabe an, anderen Frauen Mut zu machen. Dazu gehört, den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist: „Ich will nicht ständig lesen: Das schmeichelt Ihrem Bauch, das verdeckt Ihre Arme. So wird Plus-Size-Mode zwar oft kreiert, aber von diesem Gedanken muss man sich trennen“, sagt Katrin.

Photoshop ist nicht nötig

Luciana würde am liebsten selbst einmal Mode entwerfen. So wie die amerikanische Bloggerin Gabifresh, die Bademode designt. „Da hätte ich Mega-Lust drauf“, sagt Luciana. Ihre Ideen hat sie auch schon einer Firma vorgeschlagen, aber das Interesse war, vorsichtig gesagt, zurückhaltend. Vorerst muss sie sich also mit ihrem Blog begnügen.

Nach dem Fotoshooting sitzt Luciana zu Hause an ihrem Computer und sucht die besten Fotos für ihren Blog heraus. Sie klickt sich durch die 150 Fotos, vergleicht ähnliche Motive und landet am Schluss bei einer Auswahl von 18 Bildern. Natürlich wählt sie dabei die Fotos aus, auf denen sie sich am besten gefällt. Mit einem simplen Programm ändert Luciana die Farbeinstellung und entfernt einen kleinen Make-up-Brösel von ihrer Wange. Ansonsten bearbeitet sie die Bilder nicht. Photoshop, mit dem man Bilder retuschieren kann, besitzt sie nicht. „Dann bräuchte ich ja auch keine Plus-Size-Fotos zu machen.“

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