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Das Unternehmen Fendi präsentierte seine Models bei den Schauen für den Frühling und Sommer 2020 in Milan in verschiedenen Brauntönen. Bild: AFP

Farbtrends : Warum Braun das neue Schwarz ist

  • -Aktualisiert am

In Zeiten politischer Unruhe sehnen sich viele Menschen nach Sicherheit. Ein Gefühl, das sich auch in der Mode widerspiegelt. Dort nimmt man eine Farbe in den Fokus, die lange unbeliebt war.

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          Es ist schwer, etwas Gutes über das Braun zu sagen. Braun war allenfalls noch das verschlissene Samtsofa im Wohnzimmer mit schweren Vorhängen und Tapeten der Urgroßmutter. Oder die Einrichtung einer in die Jahre gekommenen Ferienwohnung im Erzgebirge. Böse Zungen behaupten, so alt, wie Braun einen mache, könne man gar nicht werden, und langjährige Einkäufer wenden sich nur bei dem Gedanken daran, dass Braun als Modefarbe zurückkommen könnte, mit Grausen ab. Laut der Plattform Statista steht es nach Orange und Violett auf Platz drei der meistgehassten Farben der Deutschen. Schlimmer geht’s nimmer: Braun in Hemdform erinnert an die unglückseligste Epoche der deutschen Geschichte.

          „Schwarz wird sukzessive verschwinden“

          Kein Wunder, dass den Zuhörern von Li Edelkoort auf dem Trendseminar der letzten Münchner Stoffmesse Hören und Sehen verging, als die Pariser Trendforscherin für die nächste Saison Braun als Modefarbe ankündigte, und das im großen Stil: „In meiner neuen Farbkarte habe ich über 30 verschiedene Brauntöne. Braun ist schon seit einiger Zeit auf dem Vormarsch, aber jetzt ist es an der Zeit. Die nächsten dreißig Jahre werden sich um diese Farbe drehen.“ Und damit nicht genug: „Schwarz wird sukzessive verschwinden, und Braun wird übernehmen.“ Ähnlich wie in den achtziger Jahren, als Karl Lagerfeld zu einer Party einlud, auf die man schwarz gekleidet erscheinen sollte, was sich nach den Siebzigern als echte Herausforderung herausstellte. Wie, fragte man sich damals, sollte man ein modernes Outfit in dieser Farbe finden?

          Ein Blick in Modegeschäfte zeigt, dass Li Edelkoorts Prognose sich zu erfüllen beginnt. Nicht nur Designstar Hedi Slimane hat für diesen Winter bei Celine den Seventies-Chic neu aufgelegt mit Bermudas, Schaftstiefeln und Schluppenblusen, bevorzugt in Braunnuancen. Auch Fendi entdeckt die neue, alte Farbe für Hosenanzüge, Mäntel und Lederhosen wieder, und Burberry nutzt den Zahn der Zeit, um seinen Klassikhelden, dem Karo und dem Trenchcoat, einen modischen Anstrich zu verpassen. Doch nicht nur bei den Designermarken macht sich Braun breiter und breiter. Auch in Geschäften mit günstigerer Mode ist nicht zu übersehen, dass farblich ein neuer Wind weht. „Von allen Modefarben, die wir hatten, war Braun als eine der ersten ausverkauft“, bestätigt das Modehaus Ludwig Beck in München. „Diese Farbe war einfach sehr lange nicht mehr dran.“ Edelkoort interpretiert es so: „Braun steht im Einklang mit jeder anderen Farbe, und es macht Farben definitiv schöner.“

          Nun muss man sagen: Braun ist nicht gleich Braun. Farbmetrisch wird eine Farbe als Braun bezeichnet, wenn sie durch das Abmischen von Rot mit Grün oder von Rot mit Grün und Schwarz entstanden ist. Braun ist eine gebrochene Farbe. So gibt es etwa die grobe Unterteilung in Gelb-, Gold-, Rot- und Schwarzbraun. Zu den gelbstichigen Brauntönen zählen Camel und Caramel, zu den rotstichigen Nuancen Rehbraun, Nougat, Cognac und Toffee, so ein paar Beispiele.

          Braun als Symbolfarbe

          Trotzdem hat es Braun in der Farbwelt alles andere als leicht. Im Mittelalter, wo jeder Stand seine eigene Farbzuordnung in der Kleidung hatte – daher kommt auch das Sprichwort: „Farbe bekennen“ –, galt Braun als die hässlichste aller Farben. Braun war die Kleidung der armen Bauern, Knechte, Diener und Bettler. Sie trugen ungefärbte Naturstoffe, denn diese waren in der Produktion billiger als farbige Kleidung, und dazu zählten damals auch schwarze Kleidungsstücke. Man glaubte zudem, dass die Kraft der jeweiligen Farbe sich auf den Menschen übertrage und ihm Macht verleihe. Nicht ohne Grund wählte Franz von Assisi für seine Kutte Braun. Damit erklärte sich der heilige Franziskus mit den Ärmsten der Armen solidarisch, und gleichzeitig demonstrierte er als wohlhabender Kaufmannssohn den Verzicht auf jedwede Form von Macht. Damit wurde Braun im Christentum eine Symbolfarbe für Demut.

          Später, im 18. Jahrhundert, entdeckte der bürgerliche Mann die Farbe für sich, denn in der Farbpsychologie werden ihr Ernsthaftigkeit, Urtümlichkeit und Widerstandsfähigkeit zugerechnet. Allesamt Werte, die zum aufstrebenden Bürgertum des 18. Jahrhunderts passten.

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