https://www.faz.net/-hrx-7ie6y

Eveline Hall im Gespräch : „Die meisten Menschen haben keine Phantasie“

  • Aktualisiert am

Eveline Hall Bild: Eden Books/Anja Zander

Eveline Hall, 68, ist eines der gefragtesten deutschen Models. Ein Gespräch über den Laufsteg, Elvis, Angela Merkel, lange Beine, jüngere Männer - und ihre Mutter, mit der Hall zusammenlebt.

          6 Min.

          Eveline Hall ist eine Erscheinung: schwarze taillierte Lederjacke, lange silbergraue Haare, stechender Blick. Dazu kommt dieses Mundwerk. „Nicht alle werden mich sympathisch finden“, verspricht die 68 Jahre alte Hamburgerin. Ihr Starrsinn führte sie als junge Tänzerin ans Thalia-Theater, in den sechziger Jahren zog sie als Showgirl nach Las Vegas, als Schauspielerin stand sie in den achtziger Jahren auf Bühnen in Hamburg und Basel. Und nun das: Sie ist Deutschlands bekanntestes älteres Model, ist auf der Berliner Fashion Week gelaufen und arbeitet mit Leuten wie dem Starfotografen Peter Lindbergh zusammen. Gerade hat sie über ihr Zickzackleben ein Buch geschrieben.

          Frau Hall, im Januar 2011 hat der Modedesigner Michael Michalsky Sie mit 65 auf den Laufsteg geschickt – zugleich der Start Ihrer Karriere als Model. Wer hat mehr gewagt: Sie oder er?

          Er hatte nichts zu verlieren, ich alles. Wenn ich hingefallen wäre, hätten die Zuschauer gefragt: Muss man eine ältere Frau nehmen? Ich wusste das und hatte eine wahnsinnige Angst.

          Sie haben doch schon in den siebziger Jahren gemodelt.

          In getanzten Modenschauen, wesentlich interessanter. Da konnte ich mich als Tänzerin einbringen. Bei der Michalsky-Schau war das untersagt. Liniengetreu sollten wir den Catwalk entlanggehen, dauernd bekam ich Anweisungen.

          Wie lauteten die?

          Streng nach vorne gucken, ein Blick in die Kamera, umdrehen. Fisimatenten, wie der Berliner so sagt, hätte man sich nicht leisten können. Ich kam mir plötzlich wie der erste Mensch vor, als sollte ich wieder laufen lernen. Dann bin ich rausgegangen, und in diesem Moment muss mich wohl der Hafer gestochen haben.

          Sie haben ins Publikum geguckt, den Mund zum Kuss gespitzt, die Hüften spielen lassen, im Grunde eine Ein-Minuten-Show.

          Das wundert mich selbst im Nachhinein. Da kamen plötzlich alle meine Erfahrungen als Schauspielerin und Tänzerin zusammen - als hätte mich eine Fee gestreichelt. Als die backstage gesehen haben, was für ein Erfolg das war, haben sie sich gefreut. Machen wir uns nichts vor: Wäre das eine Pleite gewesen, hätten sie mit Kritik um sich geschossen.

          „Warum sollte Angela einen kleinen Gürtel umbinden?“ - Eveline Hall
          „Warum sollte Angela einen kleinen Gürtel umbinden?“ - Eveline Hall : Bild: Eden Books/Alexander Straulino

          Klaus Wowereit nannte Sie nach der Schau „unheimlich attraktiv“. Fühlten Sie sich so?

          Nein. In dem Moment fand ich mich nicht schön, weil ich nicht ich war, sondern verformt in eine andere Person. Ich trage meine langen Haare gern offen, für die Schau musste ich sie mit einem Zopf oben zusammenraffen. Das war fast indianerhaft. Ich hatte nicht das Gefühl, ich habe nach 40 Jahren endlich meine Frisur entdeckt.

          Wie fanden Sie die Kleidung, die Sie trugen?

          Ich lief in Stiefeln und einem kleinen Kombinationskleid, das sah ein bisschen wie ein Kostüm aus. Es fiel sehr locker, deshalb würde ich es mir nie kaufen - weil ich eine andere Statur habe: eine schmale Taille und endlos lange Beine. Etwas fülligere Frauen können das besser tragen. Nicht weil sie kaschieren müssen, sondern weil es in der Proportion des Körpers anders fällt.

          Sagen Sie das auch den Modeschöpfern?

          „Verzeihen Sie bitte, das sieht so furchtbar aus, das kann ich leider gar nicht tragen“? - Nein, das wäre unprofessionell. Ich verkörpere das, was mir aufgetragen wird. Bei Shootings ist das anders. Da gibt es ein Reservoir an Klamotten. Im Notfall kann ich zum Stylisten sagen: „Pass mal auf, nimm doch die andere Bluse, in der hier sehe ich aus wie ein nackter Lappen.“

          In Ihrem Buch schreiben Sie, Modenschauen seien heute karger. Wie sah eine Schau 1973 aus?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Düsseldorf (September 2020)

          Sucharit Bhakdi : Der bittere Mediziner

          Sucharit Bhakdi war einmal ein angesehener Professor. Heute befeuert er die Querdenker und behauptet, dass die Deutschen in einer Diktatur lebten. Ein Besuch in Kiel.
          Robert Habeck und Annalena Baerbock

          Hanks Welt : Immer eng am Zeitgeist

          Die Grünen waren zeitweise eine liberale Partei. Aber kann man die Partei heute (noch) wählen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.