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Designerin Esther Perbandt : „In Amerika kann man leichter Neues ausprobieren“

  • -Aktualisiert am

Premiere an der Westküste: Vera von Lehndorff, die 1939 in Königsberg geboren und in den Sechzigern als erstes deutsches Supermodel bekannt wurde, ist in Los Angeles noch einmal über den Laufsteg gegangen. Esther Perbandt (rechts) empfängt sie nach dem Auftritt hinter der Bühne. Bild: Ger Ger

Esther Perbandt hat ein Gastspiel bei der L.A. Fashion Week. In der ersten Reihe: Anjelica Huston und Uschi Obermaier. Auf dem Laufsteg: Vera von Lehndorff. Danach: Fragen an die Berliner Designerin und das Über-Model im Chateau Marmont.

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          Eine Fashion-Show ist teuer und sicher nicht leicht von der Ferne aus zu organisieren. Wie kam es zu der Entscheidung?

          Esther Perbandt: Es wurde mir recht leicht gemacht. Das Goethe-Institut und die Los Angeles Fashion Week haben mir die Reisekosten, den Slot und die Models zur Verfügung gestellt und sogar Sven Helbig eingeflogen, der die Musik komponiert und aufgeführt hat.

          Sie machen Ihre Laufstege zur Bühne, singen selbst, engagieren Tänzer und Schauspieler. Was reizt Sie an der Performance?

          Esther Perbandt: Ich tausche mich gern mit Musikern, Schauspielern und Künstlern aus, da sie neue Gedanken denken und andere Wörter benutzen. Mit Sven Helbig zu reden erfüllt mich. Wenn er über seine Musik redet, brauche ich kein Abendessen. Und dass Vera auf meiner Show hier aufgetreten ist, hat mir natürlich besonders viel bedeutet.

          Vera von Lehndorff: Eigentlich hatte ich schon mit dem Laufsteg abgeschlossen, aber für Esther habe ich eine Ausnahme gemacht. Die Idee kam mir kurzfristig. Ich hätte nie gedacht, dass sie es innerhalb von ein paar Tagen organisieren kann.

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          Esther Perbandt: Natürlich habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt. Mit ihr L.A. zu erleben ist aufregend. Wir treffen viele ihrer alten Freunde, manche sind Stars, aber dank Vera begegnen wir ihnen als normale Menschen.

          Vera von Lehndorff: Wir haben eine tolle Zeit hier! Ich bewundere, wie Esther Herausforderungen mit einer gewissen Leichtigkeit nimmt. Ich weiß nicht, wie sie das macht, aber bei ihren Schauen schafft sie es, backstage ein Auge auf kleinste Details zu werfen und gleichzeitig entspannt eine mit mir zu rauchen. Sie behält einen klaren Kopf und bleibt sich treu. Amerikaner mögen starke Persönlichkeiten, und Esther ist eine starke Designerin. Sie hat Klasse, eine Qualität, die man nicht erlernen kann.

          Esther Perbandt: Fühle mich geehrt, danke. Ich will immer alles hundertprozentig machen und gehe deshalb strukturiert an Dinge heran. Bei der L.A. Fashion Week hatten wir eine richtig schlimme Generalprobe. Wirklich chaotisch, da keiner der Leute, die helfen sollten, einen Plan hatte. Irgendwann war ich so verzweifelt, dass ich ziemlich laut und vielleicht sehr deutsch geschrien habe: "I'm German and I expect some discipline!" Dann waren sofort alle still, haben zugehört und ihren Job anständig gemacht.

          Apropos sehr deutsch: Wegen all der Nazis in zahlreichen Kinofilmen haben Amerikaner zuweilen noch heute Angst vor den Deutschen. Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen selbst - obwohl Sie zwei Genera tionen später geboren wurden - das Trauma und die Schuld des Zweiten Weltkriegs in den Knochen stecken?

          Esther Perbandt: Ja. Ich heiße Esther und meine Schwester Sarah. Wir haben keine jüdischen Wurzeln. Meine Mutter wollte dazu beitragen, dass wieder Frauen mit diesen Namen in Deutschland leben. Unvorstellbar, dass Vera als Kind diese Zeit erlebt hat und dass ihr Vater nach einem Attentatsversuch auf Hitler hingerichtet wurde.

          Es ist interessant, dass ausgerechnet die Sonnenstadt Los Angeles diese Assoziationen hervorbringt. Sie haben Ihre Kollektion auch im Goethe-Institut vorgestellt und sich mit den Gästen unterhalten. Wurde das dort thematisiert?

          Esther Perbandt: Ja. Jemand fragte, was ich mit meiner deutschen Geschichte in L.A. repräsentieren will. Darauf ist mir keine Antwort eingefallen. Sicher ist mein Stil von Berlin geprägt. Ich trage oft Krawatten, Uniformen und meine militärische Mütze. Als ich vor zwei Jahren meine Jubiläumskollektion in der Volksbühne gezeigt habe, gab es ein paar Besprechungen in amerikanischen Zeitungen. Dabei fiel mir zum ersten Mal auf, dass Militär-Looks eine seltsame Anziehungskraft auf Amerikaner ausüben.

          Vera von Lehndorff: Mode ist Kommunikation. Meist haben Uniformen mit Gewalt, Bedrohung, Vereinheitlichung oder Unterdrückung des Menschlichen zu tun. Vielleicht reizt diese Gefahr insgeheim?

          Es muss über das Symbolhafte hinausgehen. Sogar mein Hund misstraut grundsätzlich jedem in Uniform.

          Vera von Lehndorff: Das tun viele Tiere! Sie haben ein gutes Gespür für Rangordnungen. Esthers Mütze macht einen schon sehr wichtig, aber bei ihr ist es positiv autoritär. Ich trage sie oft andersherum, wie die Rapper.

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