https://www.faz.net/-hrx-abche

Esteban Cortázar für Desigual : Zeitreise in die neunziger Jahre

  • -Aktualisiert am

Cortázar erhofft sich durch die Kollektion, den Image-Wechsel von Desigual mitgestalten und voranzutreiben zu können. Bild: Desigual

Esteban Cortázar liebt das leichte Leben. Kein Wunder, dass es den Designer für sein neuestes Projekt an den Strand zieht. In Barcelona fand das Shooting für seine Kollektion mit dem Modelabel Desigual statt – und damit eine Zeitreise.

          3 Min.

          Schon lange wollte Esteban Cortázar etwas kreieren, das seine Kindheit und Jugend in South Beach, Miami in den neunziger Jahren aufgreift: Die Zeit, die ihn sowohl menschlich als auch künstlerisch am meisten prägte. Die Kollektion mit dem Namen „Cada día es para siempre“ (Everyday is forever) ist eine Hommage an die Liebe. „Sie spiegelt sich überall wieder“, sagt Cortázar. Mit ihr gehe auch ein Traum des Designers in Erfüllung. Das künstlerische Talent wurde dem mittlerweile 37-Jährigen schon früh mitgegeben. Seine Mutter, die ehemalige britische Jazz Sängerin Dominique Vaughan und sein Vater, der kolumbianische Maler Valentino Cortázar, sorgten dafür, dass ihr Sohn von ständiger Inspiration umgeben aufwuchs. Mit seinem Vater wohnte er am Ocean Drive, oberhalb des berühmten „News Cafes“, in das Designer wie Todd Oldham oder auch Gianni Versace gerne einkehrten und schnell zu Freunden der Familie wurden.

          „South Beach war ein Schmelztiegel der Mode, Musik, Kunst und lateinamerikanischer Herzlichkeit mit einer Mischung von unglaublichen Menschen“, erzählt Cortázar. „Es war eine freie, spontane und unkomplizierte Zeit: Von Künstlern bis hin zu exzentrischen Pensionären, über die Aufwallung der Gay-Kultur, Drag Queens, Supermodels, ikonischen Fotografen, der Clubszene und der unglaublichen Latino-Kultur – sie sorgten für eine gewisse Energie.“ Früh entstand dadurch seine Besessenheit für Mode. Sie gab ihm eine Plattform, um sich künstlerisch und kreativ auszudrücken.

          Ein Gefühl der Verbundenheit

          Heute, fast 30 Jahre später, verstehe er erst, wie besonders diese Zeit war. „Ich spürte, dass meine Geschichte eng mit Desigual und ihrer Philosophie von Freiheit und Optimismus verbunden ist“, sagt er. Ein Grund dafür mag auch der Einfluss seiner Eltern sein: Sie heirateten Mitte der siebziger Jahre auf Ibiza. Rund zehn Jahre später, in Cortázars Geburtsjahr, gründete der Schweizer Thomas Meyer in Barcelona das Label Desigual und eröffnete auf der freigeistigen Insel, die schon Cortázars Eltern in ihren Bann zog, den ersten Laden. Als der Designer das erfuhr, war für ihn klar, warum er sich von Anfang an mit dem Label verbunden fühlte – und dieses Gefühl sei während der gemeinsamen Arbeit immer stärker geworden.

          Besonders Vater Valentino Cortázar spielt in der Kollaboration eine wichtige Rolle: Einige Entwürfe zeigen dessen Werk „El Beso“, ein Ausdruck der grafischen Liebe – es entstand im Miami der Neunziger. „Er ist einer meiner größten Inspirationsquellen“, gesteht Cortázar. Nicht nur seine Kunst und seine Art mit Farben zu spielen, sondern auch seine Liebe zur Natur und seine Lebenslust haben ihn von klein auf inspiriert. Als die Anfrage von Desigual kam, habe er sofort gewusst, dass dieses Projekt die perfekte Gelegenheit ist, die Kunst seines Vaters mit einzubeziehen – und somit seine bislang persönlichste Kollektion zu entwerfen.

          Freiheit, Spontaneität und Wärme

          Genau wie sein Vater zelebriere Desigual Kunst, Lebensfreude, Aufgeschlossenheit und „viele Werte, die mir und meiner Familie am Herzen liegen“, stellt der Designer fest. Noch greifbarer wird der Einfluss South Beachs mit Fotografien von Andy Sweet: Sie zeigen das Leben und die Bewohner in den siebziger Jahren. Beide Künstler spiegeln mit ihren Werken die Freiheit, Spontaneität und Wärme der Jahrzehnte wider und lassen die Erinnerungen Cortázars noch lebendiger werden.

          Das vergangene Jahr hat der Designer zwischen seinem Zuhause in Paris und Kolumbien verbracht, wo seine Familie lebt. Sein Leben hat, wie das so vieler, eine Pause gemacht – die er sich jedoch schon lange gewünscht hat: „Ich nehme mir mehr Zeit, um Dinge für meine berufliche Zukunft und das Leben, das ich will, zu entscheiden,“ sagt Cortázar. Seit er 17 ist und als jüngster Modedesigner auf der New York Fashion Week ausstellte, wird Cortázar als Mensch, aber auch für seine Arbeit bewertet und kritisiert. Dadurch habe er gelernt, sich selbst nicht unter Druck zu setzen und Kritik nicht allzu ernst und persönlich zu nehmen. Angst vor drastischen Veränderungen habe er keine mehr – eine Erkenntnis, die sich auch in seiner Arbeit für Desigual widerspiegelt.

          Durch die Kollektion, die ab Donnerstag erhältlich ist, erhofft sich Cortázar, den Image-Wechsel Desiguals mitgestalten und voranzutreiben zu können. Denn bislang wird das Label noch mit den älteren Generationen in Verbindung gebracht, dabei sei sich Cortázar sicher, „dass sie eine Philosophie vertreten, die eher an die neue Generation anknüpfen kann, als viele andere Marken,“. Er freue sich, ein Teil dieses neuen Kapitels für die Marke zu sein. Die Entwürfe sollen Positivität, Energie, Wärme und Leichtigkeit versprühen und ein Gefühl der Verbundenheit entstehen lassen – so wie auch er sich mit der Marke verbunden fühlt.

          Weitere Themen

          Er entwarf sogar sein Leben

          Tod von Virgil Abloh : Er entwarf sogar sein Leben

          Virgil Abloh, einer der wichtigsten Modemacher seiner Generation, ist im Alter von 41 Jahren an Krebs gestorben. Fasziniert hat ihn das Dazwischen von mehreren Welten. Sein Label macht Mode, die man nicht zuordnen kann.

          Die digitalen Sneaker sind los

          Modemarken entdecken NFTs : Die digitalen Sneaker sind los

          Diese Revolution könnte das Modegeschäft für immer verändern: Modemarken und Luxuskonzerne entdecken die Blockchain und NFT-Technologie – und bieten digitale Mode an. Was macht man mit Kleidung, die man nicht anziehen kann?

          Topmeldungen

          Ein Mitarbeiter einer Corona-Teststation auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Tübingen hat Teströhrchen in der Hand.

          Corona-Pandemie : Sieben-Tage-Inzidenz fällt auf 432,2

          Die Gesundheitsämter melden dem Robert-Koch-Institut 36.059 Corona-Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht. Bei der Einordnung der Zahlen weist das RKI auch auf eine mögliche Untererfassung hin.
          Karl Lauterbach (SPD), designierter Bundesminister für Gesundheit

          Künftiger Gesundheitsminister : Lauterbachs Fehler

          Karl Lauterbach ist qualifiziert für das Amt des Gesundheitsministers, doch seine Kompetenz könnte ihm in der Pandemiezeit im Wege stehen – denn ein Minister muss delegieren, also loslassen können.
          Im Namen Taiwans: Das Repräsentationsbüro in Vilnius

          Ärger wegen Taiwan-Büro : Wenn China Fliegen fängt

          Peking straft das kleine Litauen für die Eröffnung eines Taiwan-Büros ab. Den chinesischen Zorn haben auch schon Kanada und Australien in anderen Fällen zu spüren bekommen. Welche Erfahrung hat man dort gemacht?