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Vogue Arabia : Zwei Gesichter eines Titels

  • -Aktualisiert am

Cover der am 5. März erscheinenden ersten Printausgabe von „Vogue Arabia“. Auf dem Cover: Top-Model Gigi Hadid, fotografiert von Inez van Lamsweerde and Vinoodh Matadin. Bild: Vogue Arabia

An diesem Wochenende erscheint die erste Ausgabe der arabischen „Vogue“. Schon auf dem Cover treffen zwei Welten aufeinander.

          Gigi Hadid ziert das Cover der ersten Ausgabe der „Vogue Arabia“. Und dieses Mal ziert sich das amerikanische Topmodel mit palästinensischen Wurzeln wirklich. Vor genau einem Jahr war sie auf dem Cover der französischen  „Vogue“ ganz nackt zu sehen. Die neue arabische „Vogue“ hingegen, die am Wochenende in den Handel kommt, soll gleichzeitig zum Kauf anregen – und Moralvorstellungen berücksichtigen.

          Die Outfits, die seit Oktober 2016 in der Onlineausgabe der „Vogue Arabia“ zu bewundern sind und nun auch im Print, muten oft wie westliches Design mit Schleier-Optik an. So trägt auch Gigi Hadid auf dem Cover, das von den Modefotografen Inez Van Lamsweerde und Vinoodh Matadin aufgenommen wurde, eine mit Glitzersteinen verzierte halbseitige Verschleierung mit Guckloch. Doch einen schönen Menschen kann nichts entstellen, und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Gleichzeitig sind ihre nackten Schultern zu sehen – was im leicht absurden Gegensatz steht zu der verschleierten Kultur, die man mit dem neuen Produkt aus dem Verlag Condé Nast erreichen möchte.

          And here's the version where I'm wearing mostly Chanel N°5 ;) lol @vogueparis

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          In den großen Modeausgaben im März und September hat die Ausgabe zwei Titel auf den Umschlagseiten – einen englischen und einen arabischen. Auf dem englischen Cover der ersten Ausgabe heißt es „Reorienting Perceptions“, wobei offen bleibt, wessen Wahrnehmung sich neu orientieren soll. Das arabische Cover sagt es deutlicher: „Ein Auge auf den Orient“.

          Im arabischen Raum gibt es eine zahlungskräftige Luxusklientel

          Der Condé-Nast-Verlag verkündet, die „Vogue“ sei mit mehr als 60 Millionen Lesern der nunmehr 22 einzelnen Ausgaben die maßgebliche Modestimme. Jetzt werde sie auch von der arabischen Halbinsel über den Nahen Osten bis nach Nordafrika zu hören sein. In der Region würden auch mehr als 90 Prozent des Inhalts der „Vogue Arabia“ in Auftrag gegeben, heißt es vom Medienunternehmen Nervora, das mit Condé Nast zusammenarbeitet. Finanziert wird das Vorhaben auch durch die Anzeigen vieler westlicher Unternehmen (Listenpreis 16.000 Dollar pro Einzelseite), die neue Absatzmärkte für ihre Produkte erschließen wollen – im arabischen Raum gibt es eine überaus zahlungskräftige und konjunkturunabhängig solvente Luxusklientel.

          Die saudische Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz, Herausgeberin von „Vogue Arabia“, im Februar bei der Modemesse in Mailand.

          Die Ambivalenz von West und Ost vereint auch die künftige Chefredakteurin der „Vogue Arabia“ in sich: Deena Aljuhani Abdulaziz, eine saudische Prinzessin, wurde in Kalifornien geboren und ist in beiden Welten zu Hause. Die Zweiundvierzigjährige, die vor knapp 20 Jahren in die saudische Königsfamilie einheiratete, ist Mutter dreier Kinder. Ihren Mann lernte sie laut „New York Magazine“ bei „Harrods“ kennen – das Londoner Luxuskaufhaus ist als Singletreff der arabischen Elite bekannt, die sich dort außerhalb der kulturellen Grenzen des eigenen Landes ungezwungen treffen kann.

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          Deena Aljuhani Abdulaziz wurde auch über die vielen Street-Style-Bilder, die sie vor den Modenschauen in Paris und Mailand zeigen, zur Mode-Ikone des arabischen Raums. Als Einkäuferin für ihr in Riad gegründetes Modeunternehmen D’NA ist sie aus der ersten Reihe der wichtigen Defilees nicht mehr wegzudenken. Als der Condé-Nast-Verlag mit dem Medienunternehmen Nervora in Dubai nach einer Chefredakteurin für die arabische Ausgabe der Modezeitschrift suchte, war sie die natürliche Wahl.

          Eine persische Ausgabe der „Vogue“ ist nicht geplant

          Sie wolle mit der „Vogue Arabia“ die arabische Frau zelebrieren und „ein Liebeslied an den Mittleren Osten“ schreiben – so fasst es die Prinzessin in salbungsvolle Worte. Das Land Iran schließt sie allerdings nicht mit ein, denn dort wird hauptsächlich Farsi gesprochen, nicht Arabisch. Junge und gebildete Perser seien zwar als Zielgruppe „sehr interessant“, teilt der Verlag mit. Eine persische Ausgabe der „Vogue“ sei trotzdem nicht geplant. Doch die arabische Version erreiche zumindest die zahlreichen Iraner, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten leben.

          Die Leserinnen in Saudi-Arabien, die den Titel diskret zugeschickt bekommen werden, können sich auf viele Anregungen freuen. Denn unter ihren Abayas und zu privaten Feiern tragen sie gern westliche Mode. Da könnte Gigi Hadid ein gutes Stilvorbild sein – sofern sie sich nicht noch weiter entblättert.

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