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Mikro-Röcke und BH-Tops : „Erotik kann für ein selbstbestimmtes Frauenbild stehen“

Kreationen aus der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2022 von Fendi während der Mailänder Modewoche Bild: dpa

Kurz und knapp: Die Frühjahrsmode für Frauen spielt wieder mit Erotik. Woher kommt dieser Trend – und was sagt er über das Frauenbild aus?

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          Mikro-Röcke, BH-Tops: Die Mode für das Frühjahr vermittelt den Eindruck, das Spiel mit Erotik sei wichtiger geworden. Herr Paternot, Sie haben im Marketing von Luxusmarken gearbeitet und sich mit dem Thema Erotik an der Universität Mainz beschäftigt. Können Sie den Trend erklären?

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich denke, Corona ist ein Grund. Die Menschen waren viel zu Hause, und sie hatten wenig zwischenmenschliche Nähe. Jetzt kommt der Frühling und hoffentlich eine Pause von Corona. Und damit die Möglichkeit, sich wieder schick zu machen. Dazu gehört es auch, Haut zu zeigen. Aber es hängt auch davon ab, was man unter Erotik versteht. Das ist für die meisten zunächst einmal Sex-Appeal, aber in unserer Forschung haben wir festgestellt, dass Erotik komplexer ist. Es gibt sechs Dimensionen: Begehren, Übermaß, Sexualität, Geselligkeit, Glamour, Befreiung. Alle sind anwendbar auf die Damenmode, die all das zum Ausdruck bringen kann. Erotik hat noch einen schlechten Ruf, Veränderungen sind aber zu beobachten.

          Trifft das besonders auf jüngere Menschen zu?

          Man merkt, dass die jüngere Generation weniger Hemmungen hat. Wir haben festgestellt, dass ältere Menschen Erotik eher in Verbindung mit verwerflichem Verhalten bringen als jüngere, die darunter eher Extravaganz verstehen. Das trifft übrigens besonders auf Frauen zu. Vor 20, 30 Jahren wären wir hier sicher zu anderen Ergebnissen gekommen.

          Wie sieht es bei den Herren aus?

          Es könnte sein, dass die Mode für Männer nachzieht.

          Hautnah: Emily Ratajkowski bei der Schau von Versace und Fendi
          Hautnah: Emily Ratajkowski bei der Schau von Versace und Fendi : Bild: via REUTERS

          Die aktuelle Mode ist also nicht Ausdruck eines rückständigen Frauenbilds, sondern eines selbstbestimmten?

          Das hängt von der Perspektive ab: Wenn in einem Land Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung herrschen, dann kann Erotik für ein selbstbestimmtes Bild stehen, weil die Frau selbst entscheiden kann, welche Facetten sie zeigt. Aber die Voraussetzung dafür ist, dass eine Gesellschaft in Freiheit leben darf.

          In den vergangenen Jahren wurde viel über Körpervielfalt gesprochen. Sind wir darüber körperlicher geworden?

          Selbst wenn auf den Modenschauen ein Typ Körper zu sehen ist, passt die Mode sich heute verschiedenen Körperbildern an. Insgesamt sind wir sinnlicher geworden, und Erotik basiert auf unseren fünf Sinnen.

          Sie sind Franzose und kommen somit aus dem Land, das berühmt ist für seine sinnliche Haltung zum Leben.

          Flirten ist akzeptierter. Das heißt nicht, dass man weitergeht als in Deutschland. Was den Körper betrifft, sind die Menschen sogar etwas konservativer. Zu beobachten ist das in der Sauna: In Deutschland ist es normal, nackt zu sein, in Frankreich ein No-Go. Wir Franzosen geben uns bedeckter, aber haben weniger Hemmungen, uns in der Mode auszuleben. Das hat auch mit der Bedeutung der Designer zu tun. In Paris finden die größten Schauen statt, damit haben die Menschen Berührungspunkte, die es woanders nicht gibt.

          Marc Paternot ist Dozent in Betriebswirtschaft an der Hochschule Fresenius in Köln und forscht im Bereich Luxusmarketing.

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