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Entlassungen bei Escada : Kein Grund zum Feiern

Schwindende Umsätze: Escada laufen die Käuferinnen weg. Bild: dpa

Der Luxusmarke Escada geht es wirtschaftlich schlecht. Jetzt zieht der Konzern Konsequenzen und streicht 200 Arbeitsplätze, jede dritte Stelle in der Zentrale fällt weg.

          2 Min.

          Die Hiobsbotschaften aus der deutschen Modebranche reißen nicht ab. Rena Lange hat den Betrieb eingestellt. Die Marke Laurèl kann eine Mittelstandsanleihe nicht bedienen. Die insolvente Strenesse tut sich mit der Suche nach Käufern schwer. Nun ist die prekäre Lage im Luxusmodehaus Escada offenbar geworden, über welche die Branche seit langem spekuliert. Der nach der drohenden Pleite 2009 unter der neuen Eigentümerin Megha Mital gemachte Neubeginn für die Glamour-Marke hat einen Rückschlag erlitten: Die Umsätze sind eingebrochen. In den nächsten zwei Jahren gehen zehn Prozent der mittlerweile weniger als 2000 Arbeitsplätze verloren.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Allein 150 Beschäftigte sind in der Zentrale in Aschheim bei München betroffen. Escada nennt keine Mitarbeiterzahlen. Bei geschätzten 450 Angestellten dürfte dort aber jede dritte Stelle gefährdet sein. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber in einer kurzen, am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung nicht ausgeschlossen worden. Viele und wichtige Zentralfunktionen wie der Vertrieb würden in Aschheim konzentriert. Es erfolgten Investitionen in die Marke, in den Einzelhandel und in die Informationstechnik.

          Feier auf dem Oktoberfest abgesagt

          Escada zieht offensichtlich die Konsequenz aus einer dramatisch verschlechterten Geschäftslage. „Leider gibt es keinen Grund für ein gemeinsames Feiern“, schrieb Jörg Wahlers, Interims-Vorstandsvorsitzender, schon Anfang September in einem Brief an die Mitarbeiter und sagte eine Feier auf dem Oktoberfest ab. Wahlers übernahm im Juli die Position, nachdem der nur ein halbes Jahr amtierende Chef Glenn McMahon zurückgetreten war und sich damit eine neue Krise anzukündigen schien. Wahlers begründete die Absage der Feier in dem Brief mit der „deutlich negativen Geschäftsentwicklung und der problematischen Umsatzsituation“.

          Geschäftszahlen nennt das verschwiegene Unternehmen nicht, das Megha Mittal, Schwiegertochter des indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal, für rund 60 Millionen Euro übernommen hatte. Der zuletzt für 2012 genannte Umsatz von 320 Millionen Euro dürfte in der Zwischenzeit deutlich unter die Marke von 300 Millionen Euro gesunken sein. Zugespitzt hat sich die Lage auch, weil die wichtigen Märkte Russland und China wegen der schwierigen Wirtschaftslage weggebrochen sein sollen. Japan und die Vereinigten Staaten scheinen hingegen noch gut zu laufen. Der deutsche Modemarkt, für Escada traditionell ein wichtiger Markt, befindet sich ebenso im Umbruch wie der europäische. Kleine Marken haben gegenüber dominierenden Anbietern wie Armani, Gucci und Chanel immer weniger Erfolgschancen.

          Seit Jahren kämpft Escada in der Modewelt um die Rückkehr zur einstigen Strahlkraft – mit begrenztem Erfolg. Der Umbau trägt dem Marktumbruch Rechnung. Das Angebot soll stärker auf jüngere Käuferinnen ausgerichtet werden, womit sich die Modemarke allerdings schon seit Jahren schwertut. Angestrebt ist zudem ein stärkerer Verkauf über Internet (E-Commerce) und erhöhte Präsenz im Handel. Escada wird als Folge der schwachen Geschäfte die notwendigen Investitionen und Strukturkosten womöglich in zweistelliger Millionenhöhe kaum aus eigener Kraft stemmen können. Damit ist Eigentümerin Mittal gefordert, die bislang zu weiteren Finanzspritzen nicht bereit gewesen sein soll. Beobachter halten es für möglich, dass sich die in London lebende Modebegeisterte von Escada trennen könnte, sobald der Umbau auf den Weg gebracht ist und erste Erfolge zeigt.

          Eigentümerin: Megha Mittal

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