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New York Fashion Week : Menschen der Modewoche

Bloggerin Chiara Ferragni gibt vor der Schau von Michael Kors ein Interview. Bild: Foto kai

Die New York Fashion Week war Trendvorschau für Herbst und Winter. Vor allem war sie wieder ein soziales Event. Ob Model, Designer, Händler oder Fan: Sie alle existieren nur, wenn sie sehen und gesehen werden.

          Wie dreht man seine Runden? Am Laufstegende von Michael Kors kann man es am besten beobachten. Anna Ewers aus Freiburg, die neue Claudia Schiffer, inzwischen seit Jahren dabei und doch so unverbraucht wie am ersten Tag, schafft die Kurve mit Würde und Weitsicht. Und das, obwohl Kors berühmt, wenn nicht sogar berüchtigt dafür ist, dass er die kürzesten Schauen der gesamten Modegeschichte veranstaltet. Anders als Yves Saint Laurent, der in seinen späten Jahren gerne länger als eine halbe Stunde defilieren ließ, lässt der amerikanische Modemacher den Mädchen nur weniger als acht Minuten Zeit – für sage und schreibe 56 Looks seiner Michael Kors Collection. Dabei kokettiert er sogar damit, dass er gerade seine 35. Herbstkollektion vollendet hat, dass er also auch schon ein Klassiker ist. Damit er in diesen schrecklich nervösen Zeiten auch wirklich niemanden langweilt, ist sein eigener walk am Ende ein run. In einer halben Minute sprintet er an allen vorbei. Die Kurve vor den Fotografen nimmt er behende – mit einer spielerischen Leichtigkeit, die seiner Mode nicht nachsteht.

          Model Anna Ewers bei der Michael-Kors-Schau
          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Da schaut man hin: Wenn Chiara Ferragni auftaucht in einem bunten Mantel mit Trompe-l’œil-Muster, ist sie sofort umringt von Fans. Chiara Ferragni? Stimmt schon, man muss sie nicht kennen. Aber unter allen Modebloggerinnen dieser Welt hat sie am schnellsten die meisten Anhänger von sich abhängig gemacht. Nicht dass Chiara einen ausgezeichneten persönlichen Stil hätte, da gibt es wirklich andere von Leandra Medine bis Giovanna Battaglia. Aber sie ist überall dabei, trägt dick auf, hat eine riesige Brille, verbreitet gute Laune und ist überhaupt im Leben höchstens durch Spaßbremsen aufzuhalten. 20 Angestellte hat sie schon, allein zehn von ihnen sind mit ihr hier in New York auf der Modewoche, gerade ist sie europäische Markenbotschafterin von Amazon Fashion geworden. Und mit ihrem Blog „The Blonde Salad“, sagt sie, passiert in nächster Zeit „etwas ganz Großes“. Da muss man wirklich hinschauen.

          Designer Michael Kors dreht nach seiner Schau vom 17.2.2016 eine Ehrenrunde.

          Das geht hier Schlag auf Schlag. Welches von all den Models bei der Schau von Coach soll man eigentlich fotografieren? Ganz einfach: Wir fotografieren all diejenigen, die auch Fashion-Fachfrau und It-Girl Veronika Heilbrunner aufnimmt. Veronika (ihre Finger sind vorn im Bild zu sehen) drückt drauf, wir drücken auch drauf, sie drückt drauf, wir auch, und immer so weiter. Irgendwann dämmert es uns: Veronika fotografiert nicht nur gut, nämlich wie nebenbei – sie ist auch bienenfleißig und nimmt jeden einzelnen Look auf. Das muss ja nun auch nicht sein. Wie will man da seinen ganzen Nebenbeschäftigungen nachgehen, nämlich auch mal ein It-Boy zu werden oder die Mode wenigstens mal anzugucken?

          Entwurf des Labels Coach für Herbst und Winter 2016

          Man glaubt es kaum, aber „Mike the Ruler“, gerade einmal 15 Jahre alt, ist in New York längst berühmt. Der Instagram-Modestar nimmt aber auch am normalen Leben teil – wenn man es als normal betrachtet, dass sich eine ganze Gruppe von Jugendlichen an einem Februarnachmittag in der Männerabteilung der neuen Barneys-Filiale in Chelsea die überteuerten Klamotten von Givenchy über Saint Laurent bis Vêtements durch die Finger gleiten lässt. „Mike the Ruler“ ist immer bei den neuen Trends dabei.

          Er trägt auch längst Vêtements, unter anderem Hose und Hoodie. Und er sinniert, modehistorisch weitsichtig, darüber, dass die Pariser Trendmarke heute die Bedeutung habe, die einst der belgische Avantgardist Martin Margiela hatte. Die anderen Jungs, die sich eher die Zeit vertreiben als ihren Stil aufmöbeln wollen, hören Mike andächtig zu, auch als er uns exklusiv vorab berichtet, dass er mit dem Künstler-DJ-Kollektiv „Spaghetti Boys“ an einem gemeinsamen Projekt arbeitet. Wir können hier schlecht beurteilen, was aus den hochfliegenden Plänen wird. Aber klar ist, dass man von einem Jungen, der mit 15 Jahren schon ausgeprägt selbstbewusst ist, noch viel sehen wird, nicht nur bei Barneys.

          Mike the Ruler, 15 Jahre alter Street-Style-Star, informiert sich im neuen Barneys Downtown in Chelsea über die neue Vêtements-Kollektion - und zeigt die Teile des Pariser Labels vor, die er selbst schon trägt.

          Jetzt wollten wir hier eigentlich ein Loblied auf die schönsten Schauenorte halten. Da wäre Modemacherin Tory Burch mit dem lichten Raum am Lincoln Center mal wieder unter den Favoriten. Denn wie man die Mode sieht, das hängt ja auch davon ab, wo man sie sieht. Aber dieses Mal sind wir gar nicht so weit gekommen, uns größere Gedanken über die Rolle des Raums zu machen. Denn schon wieder lief Lineisy Montero ins Bild. Das Model der Stunde aus dem Herbst ist mit all ihren Auftritten in dieser Saison nun schon so etwas wie das Model des Jahres. Über die Laufstege in New York läuft sie nicht nur als lebender Beweis dafür, dass auch schwarze Models es schaffen können. Das Mädchen aus der Dominikanischen Republik, das eigentlich Designerin werden wollte, ist vielmehr nicht nur Model, sondern auch Modell – nämlich dafür, dass auch eine Afrofrisur toll aussehen kann. In Amerika, wo sich schwarze Mädchen die Haare mit Glätteisen plätten und oft genug zerstören lassen, ist das eine gute Botschaft. So leistet Lineisy bei der Ausübung ihres Berufs auch einen Beitrag zur Befreiung der Frau.

          Model Lineisy Montero bei der Schau von Tory Burch am Lincoln Center

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