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Rebecca Farrar-Hockley : Heiße Sohlen

Kreativ-Direktorin und Einkaufschefin: Rebecca Farrar-Hockley Bild: Hersteller

Wie der Brexit ihr Land prägen wird, kann auch sie nicht sagen. Was die Menschen bald an den Füßen tragen, schon: Rebecca Farrar-Hockley ist Einkaufschefin der Schuh-Etagen gleich mehrerer Londoner Luxuskaufhäuser.

          Es war einer der schlimmsten Wintertage des vergangenen Jahres. Auch in Großbritannien fielen die Temperaturen damals Ende Februar weit unter null. Es lag Schnee, so viel wie seit Jahren nicht mehr. Rebecca Farrar-Hockley, Kreativ-Direktorin der Schuhmarke Kurt Geiger, war ausgerechnet an einem jener Schneechaos-Abende mit dem Zug auf dem Weg nach Newcastle im Norden von England. Am nächsten Tag sollte sie den Mitarbeitern die neue Kollektion vorstellen. Als sie am Bahnhof ankam, brauchte sie ein Taxi, ihr Hotel lag auf einem in der Nähe gelegenen Berg. „Aber es war ausgeschlossen, bei dem Wetter ein Taxi zu bekommen“, sagt Farrar-Hockley. „Irgendwann, nach einer halben Stunde, hatten wir endlich einen privaten Fahrdienst gefunden, der bereit war auszurücken. Die Straßen waren menschenleer, denn der Schnee fiel schnell und blieb hoch liegen. Und während wir ganz langsam den Hügel hinauffuhren, kamen wir an den Nachtclubs vorbei. Es war eiskalt, aber da standen die Frauen draußen Schlange, mit nackten Beinen und High Heels. Und ich dachte, fabelhaft.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rebecca Farrar-Hockley lacht. Sie fügt noch hinzu, dass dieses Bild von Miniröcken und hohen Schuhen im Winter, das natürlich eines der großen Briten-Klischees erfüllt, schon etwas typisch Nordenglisches sei und die Szene sich so ganz bestimmt nicht in anderen Teilen des Landes ereignet hätte. Und trotzdem: Rebecca Farrar-Hockley wird sich bei so einer Gelegenheit, draußen die Frauen auf High Heels, drinnen sie selbst im Taxi, tatsächlich entspannt zurücklehnen und interessiert zuschauen können, so wie andere Leute es sich abends mit Netflix bequem machen. Farrar-Hockley kann solch ein Bild genießen, denn es bedeutet, dass es vielen Frauen auf keinen Fall egal ist, was sie an den Füßen tragen, und das wiederum macht ihren Job möglich. Rebecca Farrar-Hockley verkauft Schuhe, nicht nur für die Marke Kurt Geiger, deren Kreativ- und Einkaufs-Direktorin sie ist. Sie ist mächtiger. Sie bestimmt über einen nicht unerheblichen Teil dessen, womit die Briten, Männer und Frauen, so zu Fuß unterwegs sind. Das liegt nicht nur an ihrer Tätigkeit als Designerin. Unter ihrer Leitung laufen auch die Schuhabteilungen der großen Kaufhäuser, zum Beispiel von Harrods, Selfridges, Liberty, Fenwick, John Lewis.

          Außergewöhnlich viel Macht

          Es ist außergewöhnlich viel Macht, die damit zu erklären ist, dass es für das Geschäft mit Schuhen Spezialisten braucht. Egal, was es für einer ist, ein Komfort-Schuh mit atmungsaktiver Sohle oder ein Sneaker – die Chancen, dass man ihn beim Schuhfachhandel in der Fußgängerzone oder bei einem spezialisierten Online-Anbieter gekauft hat, sind hoch. Wer sich schon um Bekleidung kümmert, habe einfach kein Interesse, sich auch noch mit Schuhen zu befassen, sagt die 47-Jährige. Wer sich nicht auskennt, verzettelt sich schnell, mit den Größen, mit dem großen Lager, das es braucht. Auch bei Luxusschuhen und allem, was knapp darunter zu verorten ist, gibt es Menschen, die mehr wissen als andere, und zumindest in den Kaufhäusern Großbritanniens scheinen die häufig nicht im eigenen Haus zu arbeiten.

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