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Für mehr Stil über den Wolken : Schluss mit der Jogginghose im Flugzeug!

  • -Aktualisiert am

Der Schlabberlook vieler Prominenter hat sich längst bis in die Economy Class durchgesetzt. Bild: dpa

Früher glichen sie Cocktailpartys in der Luft, heute trägt meist nur noch das Bordpersonal Kostüm und Anzug: Flugreisen haben viel von ihrem einstigen Glamour verloren. Ein Plädoyer für mehr Stil auf langen Flügen.

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          Das Unbehagen nähert sich ärmellos. Genauer gesagt im Unterhemd auf kräftigen Schultern, die neben einem Tattoo auch üppige Behaarung ziert. Der Blick des Mittvierzigers ist auf die Nummern und Buchstaben über den Plätzen geheftet, dann hält er inne, schließlich folgt das befürchtete Nicken: „Das ist dann wohl meiner“, sagt der Sitznachbar, klettert schnaufend über einen hinweg und richtet sich zufrieden auf seinem Platz ein. Den wortlosen Kampf um die Armlehne nimmt man lieber gar nicht erst auf, schließlich erfordert es höchste Konzentration, nicht mit den umgehend entblößten Füßen des Nebenmannes in Berührung zu kommen, mit denen man für die vier Stunden Flug ebenfalls konfrontiert sein wird. Und da ist ja auch noch der malerisch über die Sitzlehne drapierte Zopf der jungen Frau aus der Reihe vor einem, die schon vor dem Start in Tiefschlaf gefallen ist. Ihre im Takt der Rotoren wippende Haarpracht macht das ausklappbare Tablett fortan zur Sperrzone. Vor allem in der Economy Class sind die Vermeidung von Körperkontakt mit anderen Passagieren und das Studieren ihrer Reise-Outfits die zuverlässigste Ablenkung von Flugangst.

          Kleidung, die eher zu verschlafenen Sonntagen auf dem Sofa passt und in der man höchstens dem Pizzaboten begegnen möchte, ist fester Bestandteil der heutigen Reisegarderobe. Auf Flughäfen und an Bord gilt das Gesetz der Extreme: Entweder verschwinden Körper in ausgebeulten Jogginghosen und weiten Kapuzenpullis, oder möglichst viel nackte Haut wird mit knappen Shorts und luftigen Trägershirts der eisigen Klimaanlage ausgesetzt. Abgerundet wird der Look durch Nackenkissen, die schon lange vor Abflug um den Hals drapiert werden. Haare sind zu derart zerzausten Dutts hochgesteckt, dass man sich automatisch fragt, ob die Damen vor lauter Reisefieber schlicht vergessen haben, sich zu kämmen, oder ob die Bürste einfach zu tief im riesigen Rucksack – ein Accessoire, so unkleidsam und polarisierend, dass es einen eigenen Artikel verdiente – versteckt ist.

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