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Diane von Fürstenberg : „Ich kleidete mich nicht wie ein Fernfahrer“

  • -Aktualisiert am

„Ich liebe die Einsamkeit, und für mich kommen auch nur Freizeitbeschäftigungen in Frage, die ich alleine ausüben kann. Tennis, unvorstellbar!“: Diane von Fürstenberg über ihr Leben in Unabhängigkeit – und schöne Kleider. Bild: Helmut Fricke

Mit 68 Jahren legt die Designerin Diane von Fürstenberg ihre Autobiographie vor. Im Interview spricht sie über die Eleganz von gestern und die Mode von heute.

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          Grau in Grau, so sei es in ihrer Heimatstadt Brüssel auch immer gewesen. Diane von Fürstenberg – einstige Jetset-Queen, erfolgreiche Designerin und Unternehmerin, zweifache Mutter, vierfache Großmutter und nicht zuletzt: Erfinderin des berühmten Wickelkleids, das im Metropolitan Museum of Arts verewigt wurde - ist nach Berlin gekommen. Das Leben dieser Frau ist wie ein Roman, ein Märchen eigentlich, und bevor ihr Hollywood zuvorkommt, hat von Fürstenberg ihre Geschichte schon mal selbst zu Papier gebracht. „Die Frau, die ich sein wollte“ heißt ihre gerade auf Deutsch erschienene Autobiographie.

          Kein Wunder also, dass so eine Frau den Trubel genießt. Sobald man ihr gegenübersitzt, schlägt sie ihre phantastischen Beine übereinander und erzählt, dass sie in der Nacht wegen des Jetlags nur zwei Stunden geschlafen hat. Dann fixiert sie einen forschend, fragt, woher man kommt, ob es Kinder gibt und ob sie gut geraten sind. Das ist Diane, die Jägerin. Ihre wirksamste Waffe: Herzenswärme. Love ist life, signiert sie ihren Fans gern in die Bücher.

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          Ihre Mutter, die 1944 nach Auschwitz deportiert worden war, hatte bei ihrer Befreiung nur noch 29 Kilogramm gewogen. Die Ärzte mahnten: Bloß keine Kinder, die würden nicht normal. Am Silvestertag des Jahres 1946 ist Diane von Fürstenberg zur Welt gekommen. „Nicht normal“, sagt sie auf Deutsch. Angst ist keine Option, das habe ihr die schöne Mutter ihr Leben lang gepredigt. Die Mutter hatte dem Grauen getrotzt, ihre Botschaft kam an.

          Ihre Mutter hat auf dem Transport ins Konzentrationslager einen Brief geschrieben. Was bedeutet er Ihnen?

          Meine Mutter hat immer wieder von einem Brief erzählt, den sie aus einem fahrenden LKW geworfen hätte, in der Hoffnung, dass ihn jemand findet und an ihre Eltern weiterleiten würde. Ich habe das nie so richtig glauben können. Mein kleiner Bruder und ich hatten ja eine ganz normale, behütete Kindheit. Ich gehe davon aus, dass meine Mutter nicht wusste, dass diese Zeilen noch existierten, ihre Schwester hatte sie jahrzehntelang aufbewahrt. Es war ein Schock für mich, als ich eines Tages den Brief dann tatsächlich in Händen hielt. Sie schrieb sinngemäß: Liebe Mama, lieber Papa, ich weiß nicht, wohin mich diese Reise führt, aber ich will euch unbedingt wissen lassen, dass ich mit einem Lächeln auf den Lippen gehe.

          Wie haben Sie sich dabei gefühlt, das zu lesen?

          Nachdem ich das gelesen hatte, war ich ganz benommen und hatte das Gefühl, mich reinigen zu müssen. Ich war damals gerade im Haus meiner Mutter auf den Bahamas. Es liegt direkt am Strand. Ich bin dann hinausgewatet in dieses wunderbare türkisfarbene Meer und habe laut mit mir selbst gesprochen. Das erklärt alles, sagte ich zu mir selbst. Jetzt weiß ich endlich, warum ich so geworden bin, wie ich bin. Ich bin die Tochter einer Mutter, die mit einem Lächeln auf den Lippen ins Konzentrationslager gefahren ist.

          Als Kind: Diane mochte ihre Locken nicht.
          Als Kind: Diane mochte ihre Locken nicht. : Bild: DvF Archives

          War das ein Impuls dafür, Ihre Autobiographie zu schreiben?

          Es war nicht wirklich der Anlass, aber ich hatte mir schon vorgenommen, darin auch die Geschichte meiner Mutter zu erzählen. Es ist eine so unglaubliche Geschichte.

          Haben Sie es ohne Ghostwriter geschrieben?

          Ja, ich habe es selbst geschrieben. Ich habe mich beraten lassen, was den Aufbau angeht, und am Ende habe ich es sogar noch einmal komplett umgeschrieben. Das Ganze hat insgesamt ungefähr vier Jahre lang gedauert.

          Hat Ihnen das Schreiben gefallen?

          Nein, überhaupt nicht. Aber letztlich bin ich froh, dass ich durchgehalten habe.

          Sind Sie damit nicht auch zu Ihrer allerersten Liebe zurückgekehrt?

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