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Louis Vuitton-Anwesen in Paris : Mann im Haus

Vor den Toren von Paris: Für den aufstrebenden Unternehmer sprach 1859 viel für Asnières – unter anderem die ländliche Ruhe. Bild: Frank Röth

Bevor Louis Vuitton zur Weltmarke wurde, war Louis Vuitton ein Mensch mit einer guten Idee. Er wohnte vor den Toren von Paris. Ein Besuch in seinem Haus in Asnières.

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          Eine ruhige Seitenstraße im ohnehin ruhigen Asnières. Bis ins Stadtzentrum von Paris sind es nur 20 Minuten mit der Métro, in Asnières aber lebt es sich schon wie in der Vorstadt. Ein Vater bringt seine zwei Kinder mit dem Fahrrad zur Schule. Viel mehr passiert hier nicht, morgens um kurz vor acht.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Ruhe des Orts auf der anderen Seite der Seine und die Nähe zu Paris sollen auch Louis Vuitton gefallen haben. Er kam vom Land, machte sich in Paris einen Namen und verlegte seinen Firmensitz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Asnières. Hier hat er nicht nur gearbeitet, sondern auch gelebt, an der Rue du Congrès, Hausnummer 16. Mit Blick auf die Neubauten kann man sich das heute kaum vorstellen. Immerhin: Die Straße hat mittlerweile ihren Namen geändert. Die neue Adresse: Rue Louis Vuitton, Hausnummer 16.

          Ein hoher grüner Zaun ist alles, was man von der Straße aus sieht. Das Tor öffnet sich mit einem Summen, und man steht in einem großen Garten. Ein Gehweg führt zu dem prächtigen Anwesen. Von außen sieht man den beleuchteten Salon, und es wirkt tatsächlich so, als hätte sich hier jemand schon vor langer Zeit eingelebt. Die Hausdame öffnet die Tür. Im Flur hängt ein Porträt des jungen Louis Vuitton. So muss er ausgesehen haben, als er damals mit 16 nach Paris kam.

          Ein junger Mann wird zum Inbegriff von Luxus

          Nach Asnières kam er dann erst im Alter von 38 Jahren. Links an der Wand eine Zeichnung von Paris aus der Zeit, darauf ist die Place Vendôme zu erkennen und eine Seitenstraße, die es heute nicht mehr gibt. Dort unterhielt Louis Vuitton seinen ersten Laden. Er stand hinten und arbeitete. Seine Frau empfing vorne die Kundschaft.

          Sein Haus ist heute nicht etwa ein Museum, sondern einfach ein Haus in der Vorstadt. Trotzdem lebt hier niemand. Die Marke Louis Vuitton unterhält das Anwesen als einen Ort, an dem sich Mitarbeiter und Besucher auf die Sofas setzen können. Ihre Kaffeetassen dürfen sie auf der zum Tisch umgewandelten Koffertruhe aus dem 19. Jahrhundert abstellen. Die Dielen knarzen, die Teppiche haben Patina. Auf dem Klavier im Wohnzimmer thront die Bronzebüste des einstigen Hausherrn.

          Sein Name ist heute eine feste Instanz. Auf seine Idee gründet sich das größte Modeunternehmen der Welt. Louis Vuitton ist längst nicht mehr ein Mensch, sondern ein Begriff für Luxus. Am Anfang stand trotzdem ein Mann, und um zu verstehen, wie dieser Mann in Asnières wohnte, muss man erst mal wissen, wie er überhaupt nach Paris gekommen war. Zu Fuß nämlich, aus Lons-le-Saunier im Jura. Mit 14 Jahren marschierte Louis Vuitton los. Auf dem Weg in Richtung Paris nahm er immer wieder Gelegenheitsjobs an.

          In der Box: Vuitton packte die Kleider der Wohlhabenden ein. Heute packt man auch Stadtführer ein. Bilderstrecke

          Nach seiner Ankunft bekam er eine Anstellung als Packer, ein angesehener Beruf, denn er versprach direkte Nähe zur besseren Gesellschaft. Wenn die Herrschaften im Sommer für Monate Richtung Süden verschwanden, nahmen sie auch ihren Hausstand mit. Und dafür brauchte es jemanden, der die Kostbarkeiten sorgsam verpackte – das Porzellan, die Teppiche, die Kleider.

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