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Louis Vuitton-Anwesen in Paris : Mann im Haus

Ein Künstler der Vermarktung

Das Monogramm war mehr als nur Eitelkeit. Der Marke Louis Vuitton machten schon damals Plagiate zu schaffen. Das erste Gepäckstück des Vaters war grau gewesen. Das mochte nicht nur Eugénie, es war damals angesagt. Bald schon entwarfen auch andere Hersteller graue Kisten. Louis Vuitton kam daraufhin auf ein Modell mit Streifen, wie es in dem Haus heute als Sofatisch dient. Auch das wurde kopiert.

Dann kam das Karomuster, das die Marke noch immer anbietet. Wieder ließen die Kopisten nicht lange auf sich warten. Georges' Idee mit den Initialen lag nahe – und war doch ein Skandal. Die Truhen trugen zu der Zeit die Initialen der Besitzer, damit man seine unter den vielen anderen finden konnte. Georges kam auf die Idee, alle Truhen des Hauses zusätzlich mit den Initialen des Gründers zu versehen, mit LV, als Monogramm auf jedem Stück etliche Male verteilt.

Die Klientel, die viel auf sich hielt, soll entgeistert gewesen sein: fremde Initiale auf dem eigenen Gepäck! Louis Vuitton selbst wäre dafür wohl auch zu bescheiden gewesen. Sein Sohn Georges aber erkannte die Bedeutung der Vermarktung früh. Und wer an fremde Orte reiste, der warb nun auch dort mit seinem Gepäck für das Unternehmen aus Frankreich. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Der Jugendstil sollte bleiben

Louis Vuitton ist zur umsatzstärksten Luxusmarke der Welt geworden. Mit den eigenen Initialen, die nun für viele wieder auf die Koffer gehören, kann sich jeder Kunde ein bisschen besonders fühlen. Und die Prominenz schätzt das LV trotzdem. Man konnte das am Tag vor dem Besuch in Asnières wieder sehen, auf dem Flug nach Paris. In Reihe zwei saß Anna Wintour, die Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“. Nach der Landung am Flughafen Charles de Gaulle rollten zwei LV-Koffer über das Band sowie eine Reisetasche mit den Initialen: AW. Sie selbst musste die guten Stücke natürlich nicht auf den Wagen hieven, sondern war schon in Richtung Stadt gerauscht.

Gleich neben dem Wohnhaus wird auch an diesem Tag geschmirgelt, gehämmert, poliert, geklebt und vernäht. Man baut hier Schrankkoffer wie zu Zeiten des Gründers, sowie alles, was die Klientel gerne hinter dem LV-Logo verpackt wissen möchte. Die meisten Stücke, die Umsatzbringer, werden längst abseits von Paris hergestellt. Aber für die Koffer, für Sonderbestellungen aus aller Welt, braucht es Zeit und Handwerker. Die Wünsche spiegeln die kulturellen Bedürfnisse wider: Kisten für Teesets, Cocktailsets, Uhren-schränke, Hutschachteln.

Die Familie Vuitton gibt es noch immer. Der Ururenkel des Gründers, Patrick-Louis, überwacht die Spezialanfertigungen. Auch seine Söhne, die in Amerika leben, arbeiten für das Unternehmen, das die Familie in den achtziger Jahren an Bernard Arnault verkaufte. Dass in dem Haus alles so geblieben ist wie es damals war, liegt, in einer Familie, die vor allem von Männern geprägt wurde, an einer Frau: Joséphine Patrelle, Georges' Ehefrau. Sie wurde 102 Jahre alt und lebte hier bis zu ihrem Tod 1964. Bis dahin blieb alles so, wie es der Ehemann und sein Vater eingerichtet hatten. Art déco und Minimalismus rauschten an der Jugendstil-Einrichtung vorbei. Das Haus Louis Vuitton sollte das Haus Louis Vuittons bleiben.

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