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Louis Vuitton-Anwesen in Paris : Mann im Haus

Koffer, wie gemacht für die große Schiffsreise

Darauf spezialisierte sich Louis Vuitton. Die großen Hüte und Perücken, der Schmuck, die riesigen Roben und Korsetts waren die Grundlage für sein eigenes Unternehmen. Seine berühmteste Klientin hieß Eugénie de Montijo, die letzte Kaiserin der Franzosen, die schon als Monarchin entsprechend unbeliebt war, aber immerhin als Stilikone ihrer Zeit galt.

Louis Vuitton profitierte von diesem Eugénie-Effekt – wie Marken heute den Kate-Effekt oder den Meghan-Effekt nutzen. Und während er für die Wohlhabenden packte, wurde ihm bewusst, dass die herkömmlichen Schrankkoffer Defizite hatten. Sie waren aus schwerem Holz, an den Seiten abgerundet, damit der Regen, der manchmal auf sie einprasselte, ablaufen und nicht durch das Holz an die Habseligkeiten gelangen konnte.

Louis Vuitton bastelte an einer neuen Konstruktion aus leichterem Pappelholz, das er mit Baumwolle beschichtete und dann wasserfest versiegelte. So konnten die Truhen auch Ecken haben – und ließen sich umso einfacher stapeln. Sie waren wie gemacht für die große Zeit der Schiffsreisen über den Atlantik, und als die Menschen bald auch den Zug nahmen, war Vuitton mit seinen Modellen schon da.

Louis Vuitton blieb trotzdem ein Arbeiter, ein Packer. Für sein Unternehmen aber wurde Paris irgendwann zu klein, und er zog 1859 mit der Familie hinaus nach Asnières, mit mehr Platz für das Atelier. Seine Frau Clémence, den im Jahr zuvor geborenen Sohn Georges und sich selbst quartierte er über dem Betrieb ein. Als das Unternehmen gut lief, baute er auf dem Grundstück ein Haus, mit Küche, Wohnzimmer und Esszimmer unten und den Schlafzimmern im Obergeschoss, mit direktem Zugang zur Werkstatt. Es war kompakt im Vergleich zu dem Anwesen, in dem man heute sitzt.

Küchenkacheln als Vorbild für das Logo?

Louis Vuitton soll ein bescheidener Mann geblieben sein – und ein betriebsamer. 1885 hatte er sein erstes Geschäft außerhalb Frankreichs eröffnet, an der Oxford Street in London. Aber erst der heranwachsende Sohn Georges, der in Großbritannien ausgebildet worden war und einen mondäneren Lebensstil pflegte, kümmerte sich dann um den Ausbau des Hauses, in jeder Hinsicht.

Das bedeutete zunächst einen Anbau. Zur Jahrhundertwende erweiterte er den Familiensitz um einen weiteren Raum, der zum neuen Wohnzimmer wurde. Es sollte auf der Höhe der Zeit sein, des Jugendstils. Die Japan-Begeisterung griff in Frankreich um sich, und davon ließ sich auch Georges Vuitton mitreißen, mit einem gläsernen Bau ohne Ecken, mit aufwendiger Wandmalerei und blütenartigem Stuck an der Zimmerdecke. Das Ganze in Lindgrün und Aprikose. Dazu ein Kamin aus Keramik. Die bunten Gläser in den Fenstern ließ er von Hand bemalen. Die Botschaft: Schaut her, wir haben es geschafft!

Der Ausbau des Hauses erfasste auch die Marke. Georges dachte langfristig, gab seinem ersten Sohn Gaston den Zweitnamen Louis, den daraufhin alle männlichen Nachkommen tragen sollten. Louis Vuitton starb im Jahr 1892 auf dem Familiensitz. Vier Jahre später entwarf Georges das Monogramm. Der Legende nach sollen ihn die Kacheln in der Küche inspiriert haben. Sie sind weiß mit braunem Muster, mit Blüten, wie sie im Luxusgeschäft längst berühmt geworden sind.

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