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Festival für junge Designer : Ein kleines Haus im Süden

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Über den Dächern der Stadt: Gäste in Hyères Bild: Anne Combaz

Der verschlafene französische Luftkurort Hyères ist für Modedesigner das Sprungbrett von der Amateur- in die Profiliga. Diesmal kam oberster Rat direkt von Karl Lagerfeld – der das Wort „Nachwuchsdesigner“ gar nicht mag.

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          Es mag der frühmorgendlichen Verblendung geschuldet sein, dass der Hochspannungsmast auf dem Gipfel am Horizont wie eine Christus-Statue aussieht. Die Côte d’Azur jedenfalls grüßt mit offenen Armen, und über den Bergen geht die Sonne auf. Die Kuriositäten auf dem Weg von Marseille in die Küstenstadt Hyères reißen nicht ab; im Bahnhof von Toulon sitzt ein Pendler am Klavier und spielt Rachmaninow, und angekommen in Hyères, dem verschlafenen Ort an der französischen Mittelmeerküste eine Stunde westlich von St. Tropez, flitzen schwarze Limousinen wie Ameisen durch die Stadt.

          Nach Hyères kommt man nicht mal eben so, man muss es schon wollen. So treffen sich Jahr um Jahr, so wie jetzt Ende April, mehr als tausend Modeleute weit oben auf einem Felsen in der ehemaligen Residenz des Pariser Intellektuellenpaars Noailles. „Das hier ist wie die Pariser Modewoche“, sagt eine Besucherin, „nur nicht so nervig.“ Große und kleine Namen begegnen sich auf Augenhöhe, fast fühlt es sich wie ein Feriencamp an. Das schätzt auch die deutsche Schmuckdesignerin Saskia Diez, die als eine der wenigen Deutschen jedes Jahr herkommt.

          Branche hat lange Zeit den Nachwuchs vernachlässigt

          Die Villa Noailles, ein bis zur Unkenntlichkeit verwinkeltes Bauwerk im Internationalen Stil der zwanziger Jahre, liegt entrückt über den Dächern der Stadt. Alles ist aus Beton: die Wände, die Böden, die Decken. Das von Pinien umgebene Grundstück mit angeschlossenem Garten war ein Hochzeitsgeschenk an die Pariser Mäzene Charles und Marie-Laure de Noailles, die sich ein „kleines Haus im Süden“ wünschten. Während des Baus, den nach Absagen von Mies van der Rohe und Le Corbusier der Franzose Robert Mallee-Stevens übernahm, kamen eine Schwimmhalle, ein Gymnastikraum, ein Squash-Raum und weitere Anbauten hinzu. So entstand ein kubistisches Labyrinth voller Uhren, in dem alles in Bewegung ist. Wer hier zu Gast war, suchte die Ertüchtigung, nicht das Vergnügen, oder allenfalls: Vergnügen durch Ertüchtigung.

          Heute kommen viele Leute nur noch des Vergnügens wegen, und tüchtig ist vor allem einer: Jean-Pierre Blanc, ein Mann mit weißem Bart und einem Faible fürs Foulard. Er hat das „Festival international de mode et de photographie“ vor 30 Jahren ins Leben gerufen, um junge Talente zu fördern. Damals war er selbst gerade einmal 20 Jahre alt. Noch heute ist er die gute Seele des Festivals und die treibende Kraft dahinter.

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          „Wie Paris nur weniger nervig“: die Schau der Deutschen Annelie Schubert :

          Lange vernachlässigte die Branche ihren Nachwuchs, der sich heute im Sinne philanthropischen Engagements gut vermarkten lässt. Viele Preise kamen und gingen, nicht nur von Modefirmen, sondern auch von Unternehmen, die sich im schönen Schein der Mode ihr Markenbild polieren wollten. Hyères blieb bis heute. Zwar gibt es mittlerweile etwa den mit 300.000 Euro dotierten Preis des Luxusgüterkonglomerats LVMH und den mit 250.000 Euro dotierten Andam-Preis, der von den Konkurrenten Kering und Chanel ausgerichtet wird. Das Festival in Hyères aber gilt weiterhin als eines der wichtigsten Sprungbretter von der Amateur- in die Profiliga. Die Kontakte sind ohnehin wichtiger als das Preisgeld von 15.000 Euro. Das Festival wird mittlerweile von Chanel, Chloé, den Galeries Lafayette und der wichtigen Stoffmesse Première Vision gefördert.

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