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Möbeldesign : Quadratur des Kreises

Wenn das Runde das Eckige trifft: Peter Maly setzt auf klare Geometrie, wofür auch das Sofa „Zyklus“ (COR) ein Beispiel ist. Bild: Henning Bode

Peter Maly zählt zu den erfolgreichsten deutschen Möbeldesignern. Zu Besuch bei einem, der mit achtzig auf der Höhe der Zeit ist.

          Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann!“ Auf die Frage nach seinem Lieblingsspruch muss Peter Maly nicht lange suchen. Zielsicher greift er ihn aus der von seinem Designerkollegen Ingo Maurer als Zettelwirtschaft entworfenen Leuchte heraus. Die imposante Lampe, die ihre Besitzer einlädt, sich ihren ganz persönlichen Lampenschirm aus Botschaften, Notizen und Grüßen von Freunden anzulegen, hängt im Studio des Mannes, den manche für den gegenwärtig wohl erfolgreichsten deutschen Gestalter halten.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Hier“, sagt Maly und schaut für einen Moment versonnen auf das Bonmot, das der französische Schriftsteller, Grafiker und Maler Francis Picabia geprägt und das Maly mit einem schwarzem Stift in seiner prägnant-schönen Schrift notiert hat. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!“ Peter Maly, im August vor 80 Jahren im heutigen Trutnov (Trautenau) im Sudetenland geboren, hat im Laufe seines bisherigen Lebens immer mal wieder in eine andere Richtung gedacht.

          Vorbereitungen für die Werkschau

          Es ist Mitte November, und der Designer steckt noch mitten in den Vorbereitungen für die Werkschau „Peter Maly - Arbeiten aus vier Jahrzehnten“, die nun in der Ausstellungshalle Designexport in der Hamburger Hafencity zu sehen ist. Auf den Tischen in seinem Studio liegen druckfrische Plakate, die seine Entwürfe zeigen. Maly hat die Originale alle von Hand gezeichnet und koloriert.

          Die Drehsessel „Circo“ (Cor) ergänzen die Einrichtung.

          Da ist zum Beispiel jener Samurai zu sehen, der dem Zeichner nicht zufällig ähnelt, und dessen weite Hose mit ihrem charakteristischen Faltenwurf Maly die Idee für seinem „Hakama“-Tisch lieferte, den er für den japanischen Holzmöbelhersteller Conde House entworfen hat. Oder die Skizzen zum Sessel „Mon Repos“, seit diesem Jahr im Programm von den Lignet Roset. Maly hat das bequeme Möbel mit der breiten Sitzfläche von allen Seiten gezeichnet und mit dunkelbrauner Farbe das Nussbaumholz der Füße wie des Beistelltischs herausgearbeitet. Dazu zeigt das Plakat eine Studie, für die er seine Frau Modell sitzen ließ. Zeichnen sei seine Leidenschaft, sagt Maly, und dass er sich gerne auch an anderen Motiven als Möbeln versuchen würde.

          Bezugspunkt Bauhaus

          Auf seinem Schreibtisch steht kein Computer, sondern griffbereit ein ganzes Set bester Faserstifte zum Kolorieren. Seit zehn Jahren lebt und arbeitet er in Aumühle vor den Toren Hamburgs. Die kleine Gemeinde ist einer jener Wohnorte, die nur aus großen Villen zu bestehen scheinen. Auch das Ehepaar Maly wohnt in einem Anwesen, für das das Etikett „Traumhaus“ gewiss mehrheitsfähig wäre.

          Ein wenig verblüfft der elegante Bau mit Fachwerk, Satteldach und Gauben als Zuhause eines Gestalters, der Quadrat und Kreis seine Lieblingsformen nennt, klare geometrische Formen schätzt und selbst entsprechend entwirft. Die Ideen des Bauhauses, sagt Peter Maly, seien für ihn seit seinem Studium der Innenarchitektur immer Bezugspunkt und Anregung gewesen. Hätte man vor dem Besuch in Aumühle tippen müssen, man hätte daher auf eine mondäne weiße Kiste als Wohnhaus gewettet.

          Karrierestart bei „Schöner Wohnen“

          Aber erstens liebt Peter Maly alte Häuser (zuvor hat er eine Jugendstilvilla bewohnt). Zweitens hat er über die Jahrzehnte nicht nur seine eigene gestalterische Handschrift entwickelt, sondern ist zugleich aufgeschlossen für andere Stilrichtungen geblieben. Drittens hält er weder sich für einen Künstler noch seine Arbeit - ungeachtet allen Erfolgs - für das Maß aller Dinge. Was in dieser Branche und in seinem Alter nicht unbedingt selbstverständlich ist. Und so sind weder sein Büro noch die sich daran anschließenden Wohnräume ein Museum seiner Arbeit.

          Vielleicht hat zu dieser Aufgeschlossenheit (und zur ausgesprochenen Wohnlichkeit des Hauses) seine erste Stelle beigetragen - als Redakteur bei „Schöner Wohnen“. Dort habe man ihn nicht zuletzt wegen seiner Begabung fürs Zeichnen angestellt, erzählt Maly. Das war 1960. Gleich nach dem Studium, das sich an seine Lehre als Tischler angeschlossen hatte, stieg der damals Vierundzwanzigjährige beim Wohnmagazin ein.

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