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Ehemaliger Modedesigner : „Jeder Tag war eine Tortur“

„Die Modeindustrie vermisse ich ganz bestimmt nicht“, sagt Francisco Costa über seine letzten Jahre bei Calvin Klein. Bild: Kai Nedden

Francisco Costa war lange Designer bei Calvin Klein. Dann wurde ihm die Modebranche zu turbulent – er brauchte eine Auszeit. Jetzt sucht er in der Blütezeit der Wellnessbewegung eine neue Heimat.

          9 Min.

          Dieser Vormittag wird für Francisco Costa kein Wellnessprogramm gewesen sein. Um sechs Uhr in der Früh ist er aus Brasilien zurückgekommen, „vier Bundesstaaten in zehn Tagen“. Um 7.30 Uhr war er in der Innenstadt, dann funktionierte sein Handy nicht mehr. Am Mittag erst hatte er die Situation unter Kontrolle, „Millionen von Mails, 43 Whatsapps“. Da wird es nicht geholfen haben, dass über New York an diesem Montag ein Unwetter hinwegzieht.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es stresst jedenfalls denjenigen, der an so einem Tag einen Termin bei ihm zu Hause hat. Die Frisur sitzt – nicht. Die tropfnasse Regenjacke lässt man besser unten beim Pförtner, in der Eingangshalle mit den holzvertäfelten Wänden an der Park Avenue. „Über 100 Jahre alt“, sagt der Portier mit jenem Stolz, den nur jemand in Amerika für ein Haus aus dem Jahr 1917 aufbringen kann. Es stammt von dem ungarischen Architekten Emery Roth, der seine Spuren an vielen Stellen in New York hinterlassen hat. Ein Aufzug, ebenfalls holzvertäfelt, führt direkt in Francisco Costas Apartment, und wenn sich die Türen öffnen, erlebt man einen kleinen Schock.

          Nichts ist mehr alt, das Licht nicht schummerig wie im Lift. Alles blendet plötzlich. Weiße Wände, weiße Möbel, selbst die Luft in diesem weitläufigen Empfangsraum wirkt weiß. Dazwischen ein paar wenige dunkle Arte-Povera-Skulpturen. Der Mann, der 14 Jahre lang Calvin Klein so stark prägte wie nach dem Gründer des Hauses kein Zweiter, der den Minimalismus ins neue Jahrtausend herüberholte und die Marke am Luxusende ihres Spektrums trotzdem dynamischer hielt, als das beim vergleichbaren europäischen Konkurrenten Jil Sander in der Zeit gelang, lebt hier genauso wie er arbeitet.

          So luxuriös wie reduziert aufs Wesentliche. Er kleidet sich auch so. Gerade beendet er ein Telefonat im Nebenzimmer, dann steht er in seiner weißen Empfangshalle mit den hellen Sofas und dem bisschen Kunst als Kontrast, weiße Hose, weißes Hemd, schwarze Sandalen. Mit einer Handvoll Mitarbeiter arbeitet der Fünfundfünfzigjährige weiter Downtown, in Chelsea. Aber es passt, dass er sein neues Vorhaben nun auch aus seinem eigenen Apartment heraus steuert. Costa, der vor drei Jahren nach dem Weggang von Calvin Klein von der Bildfläche verschwand, ist nicht einfach so wieder da, er sucht eine neue Heimat – und scheint sie in der Blütezeit der Wellnessbewegung zu finden.

          Natürliche Öle aus der Heimat

          Die Branche konnte auf der Welt 12,8 Prozent Wachstum zwischen 2015 und 2017 verzeichnen und einen Umsatz von 4,2 Billionen Dollar. Den größten Anteil daran hat, vor Wellness-Tourismus, Achtsamkeits- und Abnehm-Produkten, mit Abstand alles, was Hautpflege und Beauty betrifft. Gut ein Viertel des Gesamtmarkts entfällt darauf. Es gibt genug Erfolgsbeispiele von Start-ups. Prominente, die plötzlich betonen, wie ernst sie es meinen mit Clean Beauty und Bio-Pflege, scheinen einen besonderen Bonus zu haben. Die Unternehmungen des Kardashian-Jenner-Clans zeigen es. Auch die Schauspielerin Jessica Alba spricht im Fragebogen auf FAZ.NET darüber.

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