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Ehemalige „Vogue“ Mode-Chefin : „Die Stars müssen dir vertrauen“

  • -Aktualisiert am

Für mich hat die Sehnsucht nach Schönheit nichts mit einer Flucht zu tun, sondern mit dem Gegenteil: etwas zu sich heranzuholen, das mir hilft, mit dem klarzukommen, was in der Welt passiert.

Wie lange wird es denn dauern, bis ein schwarzes Transgender-Model auf dem Cover der „Vogue“ landet?

Das weiß ich nicht, aber es ist nicht unmöglich. Ich hoffe, dass Magazine bald jeden repräsentieren: alle Geschlechter, alle Intergeschlechter. Ohne dass man viel Aufhebens darum macht.

Ashley Graham war vor zwei Jahren als erstes Plus-Size-Model auf dem Cover zu sehen. Man könnte denken, dass nicht viel nach ihr passiert ist.

Das ist der erste Schritt. Ohne den funktioniert es ja nicht, Inklusion ist in dieser Gesellschaft ein Prozess, leider.

Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Ja, total.

Was bedeutet das für Sie?

Ich bin in den Sechzigern groß geworden, ich bin also schon lange Feministin. Das bedeutet für mich Gleichberechtigung auf allen Ebenen.

Wie haben Sie auf #MeToo reagiert? Einige Ihrer engen Freunde wie der Fotograf Mario Testino sind mit Anschuldigungen konfrontiert worden, Models sexuell belästigt zu haben.

Das ist schwierig. Wir leben in einem Land, in dem zuerst die Unschuldsvermutung gilt. Ich möchte die Anschuldigungen aber auf keinen Fall ausschalten oder bewerten. Aber meine persönliche Beziehung mit Mario ist so tief, dass nichts sie vernichten kann.

Das beschreiben Sie in Ihrem Buch: Obwohl Sie sich damals nicht persönlich kannten, hat er Sie während der Fashion Week in Paris ins Krankenhaus gefahren, als Sie dachten, eine Fehlgeburt zu erleiden. Ihrem Kind ging es aber gut, Testino ist später Patenonkel geworden.

Er hat mir damals sehr geholfen. Ich weiß, wer er ist. Ich bin mit ihm um die Welt gereist. Und mir ist nie etwas aufgefallen.

Der #MeToo-Moment in Hollywood war größer als der in der Mode. Dort hat es bloß Fotograf Terry Richardson den Kopf gekostet, obwohl so viele über Jahre gewusst haben müssen, wie er sich verhält. Hat die Mode sexuelle Belästigung und extreme Verhaltensweisen zu lange toleriert?

Nein. Es war nicht so, dass ein solches Verhalten für jeden sichtbar war und von jedem akzeptiert wurde. Ich verneine nicht, dass es unter gewissen Umständen präsent gewesen sein könnte, aber in der kompletten Industrie wäre es eine Übertreibung.

Die „Vogue“ hat dennoch neue Foto-Regeln verabschiedet: Kein Alkohol am Set, Nacktaufnahmen oder Bademode-Fotos müssen vorher abgesprochen werden.

Das ist eine neue Sprache, die aus Respekt gegenüber den Models beschlossen wurde, auch aus den Erkenntnissen aus #MeToo.

Hat sich seither etwas geändert?

Nicht für mich. Alle, mit denen ich arbeite, kennen mich. Und die, mit denen ich noch nicht gearbeitet habe, kennen meinen Ruf: Ich bin eine Mutter, ich bin sehr fürsorglich am Set. Ich hatte noch nie eine Situation, in der sich jemand nicht wohl gefühlt hat. Und wenn, dann konnte man mit mir reden.

Instagram, Mode-Blogs, Pinterest: Inspiration ist heute überall und kostenfrei. Brauchen wir die „Vogue“ noch?

Sie meinen damit ein Magazin, das wir in den Händen halten. Aber „Vogue“ ist mehr. „Vogue“ ist eine Marke, die es immer geben wird. Ich persönlich denke nicht mal, dass es das Magazin mal nicht mehr geben wird. Denn da ist eine Sehnsucht nach einem Produkt, das man anfassen kann, das nicht swipeable ist. Aber man kann nicht leugnen, dass sich die Welt verändert. Das Magazin wird mit der Zeit gehen. Das ist gut. Du musst nur deine Identität und deine Integrität dabei wahren.

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