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Ehemalige „Vogue“ Mode-Chefin : „Die Stars müssen dir vertrauen“

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Was ist denn die Essenz von gutem Geschmack?

Das ist eine schwere Frage. Ich glaube, der Kern guten Geschmacks ist die Wertschätzung anderer. Es hört sich abstrakt an, aber das ist es eigentlich nicht. Denn es geht erst mal um Manieren, also den anderen zu respektieren. Und dann ist guter Geschmack auch in allem, was uns glücklich macht.

Zum Beispiel?

Kochen. Ich liebe es, Lebensmittel zu betrachten, wenn ich sie schneide. Tomaten etwa. Da ist dann ein ganz visuelles, pures Gefühl. Du erwartest es nicht unbedingt, und dann überkommt dich diese Freude.

Wie beginnen Sie Ihre Arbeit mit einem Prominenten?

Die Aufnahmen sind häufig Teil der Promotion eines neuen Projekts, einer neuen Platte, eines Films. Diese Information braucht man, um das Shooting auszuarbeiten. Und die meisten Stars passen nicht in die Sample-Size der Designer, die Konfektionsgröße 00. Das muss man einplanen. Und dann beginnt man damit, dass sich der Star wohl fühlt. Sie müssen dir vertrauen. Ich sage: „Wir machen das zusammen. Wir puschen dich nicht, wenn du es nicht willst.“

Letztendlich entscheiden Sie aber, was die Person trägt und wie sie aussieht. Ich könnte mir vorstellen, dass es da zum Kräftemessen kommt.

Manchmal. Aber meistens ist es eine Zusammenarbeit: Man spürt auch, wie weit man gehen kann. Und es ist für die Person toll, ein Team um sich zu haben, das sagt: „Du wirst gleich toll aussehen!“ Das macht Spaß.

Wo hatten Sie den meisten Spaß?

Das Shooting mit Lady Gaga vor einigen Jahren war sehr witzig. Sie war so kooperativ und offen für alles. Wir hatten für sie ein wunderbares besticktes Tüllkleid und eines aus Federn von Alexander McQueen. Ein Blumenkünstler hat unser Set dekoriert. Das war ein riesiger Spaß. Auch die Aufnahmen mit der Schauspielerin Emma Stone werde ich nicht vergessen, die viele Perücken probierte. Oder Kim Kardashian, die sehr authentisch und entspannt war.

Sind Sie noch nervös vor einem Shooting? Als Sie Michelle Obama im Weißen Haus mit der Fotografin Annie Leibovitz fotografierten zum Beispiel?

Das Beste reicht noch nicht aus, um zu beschreiben, wie wundervoll es war, mit Michelle Obama zusammen zu sein. Sie ist eine außergewöhnliche Person und hat eine unglaubliche Aura. Als Präsident Obama dazukam und mir die Hand gab, wäre ich fast ohnmächtig geworden. Er ist der Beste.

Gab es ein Shooting, das es nie ins Magazin geschafft hat, weil zu viel schiefgelaufen ist?

Viele, aber kein Shooting mit einem Prominenten. Die sind zu geplant.

Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der erste schwarze Fotograf ein Cover für die „Vogue“ geschossen hat: Tyler Mitchell hat die Sängerin Beyoncé im vergangenen Jahr abgelichtet.

Tyler Mitchell ist unglaublich. Beyoncé ist genauso unglaublich. Ich hab sie mittlerweile dreimal fotografiert. Ich glaube, dass der Fokus auf Vielfalt Teil unserer Sprache geworden ist. Ich wünsche mir aber, dass Vielfalt so natürlich wird, dass man sie nicht mehr thematisieren muss.

Denken Sie, die „Vogue“ tut da schon genug?

Wir sind darauf sehr konzentriert. In diesem Moment auf dieser Welt kann man aber gar nicht genug tun, finde ich. Es ist lächerlich, dass die Welt nicht diverser ist. Aber dieses Land hilft da gerade nicht.

Ihr Präsident zumindest nicht.

Nachdem Trump gewählt wurde, sind meine Schwester und ich eine Woche nur in Theater, Philharmonie und Museen gegangen. Wir haben uns nach Schönheit und etwas Positivem gesehnt. Kunst hat die Macht, uns von dem Bösen zu befreien. Das ist ein dramatisches Statement, aber das glaube ich.

Das klingt auch etwas eskapistisch.

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