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Düsseldorfer Modehaus Eickhoff : „Wir hören auf dem Höhepunkt auf“

  • Aktualisiert am

Tschö, Kö: Der Düsseldorfer Modepapst Albert Eickhoff, hier in seinem Büro, entflieht der Welle aus Billigmode, Department-Stores, Internet-Handel und Monomarken-Läden – und schließt in einem halben Jahr sein Geschäft. Bild: Edgar Schoepal

Ein Düsseldorfer Traditionshaus schließt. Modehändler Albert Eickhoff spricht im F.A.Z.-Interview über das Ende seines Geschäfts und die Krise des familiengeführten Fachhandels.

          Herr Eickhoff, Ihre Familie will wirklich Ihr großes Düsseldorfer Mode-Geschäft aufgeben?

          Ja, es ist eine frühe, aber eine richtige Entscheidung. Heute morgen mussten wir den Mitarbeitern die Kündigungen aussprechen.

          Aber Sie standen doch mit Ihrem Laden an der Königsallee nicht schlecht da in den letzten Jahren.

          Das Bedauern ist sehr groß. Aber wir mussten diesen Schritt auf dem Höhepunkt machen. Wir hatten im vergangenen Jahr 27 Millionen Umsatz, in diesem Jahr wird es eine vergleichbare Größenordnung sein, und wir machen keine Minuszahlen. Aber die enormen Veränderungen in der Modebranche zwingen uns zum Handeln.

          Am Ende der Königsallee gibt es nun im Kö-Bogen ein Breuninger-Kaufhaus, das Ihnen angeblich Mitarbeiter und Marken wie Gucci weggenommen hat. Können Sie sich gegen die ganz Großen nicht mehr behaupten?

          Das hat mit Breuninger nicht viel zu tun. Unsere Kunden lieben es, zu uns zu kommen. Allein am Samstag haben wir 150.000 Euro umgesetzt. Die Endverbraucher bedauern unseren Schritt sehr.

          Inhabergeführte Fachgeschäfte in den Innenstädten haben es schwer. Wo in München einst Maendler war, ist heute Mango.

          Ja, wir mussten kämpfen und uns immer wieder Neues einfallen lassen. Zara ist hier in Düsseldorf gleich zwei Mal vertreten, auch H&M ist sehr beliebt. Das sind gute Unternehmen, denen man einfach nicht widersprechen kann.

          Außerdem wächst der Internet-Modehandel weiter. Und nicht zuletzt wollen alle großen Marken eigene Geschäfte eröffnen.

          Ja, die Monobrand-Stores sind das größte Problem. Dass es jetzt Jimmy Choo in Düsseldorf gibt, hat uns sehr getroffen, auch wenn es pro Saison nur 40000 oder 50000 Euro waren. Die großen Marken wollen sich die Handelsspanne ersparen und mit den eigenen Verkaufsflächen schneller wachsen.

          Daher ist es nur symbolisch, wenn Sie Ihr Haus nun zunächst für zehn Jahre an Dior vermieten werden.

          Ja, es ist ein großer, respektabler Name. Der neue Designer Raf Simons spricht dafür, dass das Geschäft sehr gut laufen wird. Seit bestimmt 15 Jahren führen wir Dior, wir kannten uns also, und Dior-Präsident Sidney Toledano war hier zu den Verhandlungen.

          Man hört, dass das Pariser Modehaus das Geschäft für zehn Millionen Euro umbauen wird.

          Das wird gesagt, aber das kann ich natürlich nicht bestätigen.

          Ende Mai hören Sie auf. Werden viele Ihrer 50 Mitarbeiter übernommen?

          Dior wird am Donnerstag und Freitag hier Vorstellungsgespräche führen. Ich hoffe, dass viele der Fachverkäufer übernommen werden. Wir haben aber auch 19 Personen, die 60 Jahre und älter sind.

          Meinen Sie, dass noch viele familiengeführte Modeläden in Deutschland aufgeben müssen?

          Ich kann es mir sehr gut vorstellen. Wir haben jedenfalls lange gezögert, auch wegen der Mitarbeiter.

          Am 15. März 1961 haben Sie mit Ihrer Frau den Modesalon Eickhoff in Lippstadt gegründet. Die erste Schau Gianni Versaces im Ausland fand auf Ihre Initiative 1978 im Stadttheater von Lippstadt statt. Auch Designer wie Roberto Cavalli wurden durch Sie erst bekannt. 1981 sind Sie nach Düsseldorf gegangen, seit einigen Jahren führen Ihre Tochter und Ihr Schwiegersohn den Laden. Können Sie nach 53 Jahren überhaupt loslassen?

          Ich werde in zwei Wochen 78 Jahre alt. In dem Alter habe ich keine Berechtigung mehr in der Branche. Ich war immer ein Macher. Das steht mir in meinem Alter nicht mehr zu.

          Was konnten Sie eigentlich besser als die großen Kaufhäuser?

          Da vertraue ich auf die Meinung unserer treuen Kundinnen. Sie fühlten sich bei Breuninger schon deswegen nicht so wohl, weil es dort nicht so persönlich zugeht.

          Und was machen Sie jetzt?

          Es gibt ja auch noch ein Privatleben. Mit meiner Frau werde ich mich noch stärker der Kunst und Kultur widmen.

          Und wenn der Mietvertrag mit Dior in zehn Jahren ausläuft, können es sich Ihre Enkel noch einmal neu überlegen.

          So ist es.

          Die Fragen stellte Alfons Kaiser.

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