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Dorothee Schumacher : Sie war noch niemals in Paris

  • -Aktualisiert am

Deutsche Damenmodeschöpferin: Dorothee Schumacher Bild: Pilar, Daniel

Viele große Marken kehren der Berliner Modewoche den Rücken. Nicht so Dorothee Schumacher: Ohne ihre Mode je in Paris, Mailand oder New York präsentiert zu haben, ist sie international erfolgreich. Nun steht sie dazu auch mit ihrem vollen Namen.

          Hugo Boss? Zeigt jetzt in New York. Rena Lange? Schon lange weg. Escada? Kommt auch nicht mehr. Die Berliner Modehoffnung Achtland? Nach London abgewandert. Schreckensmeldungen gab es viele in den vergangenen Saisons, jetzt kommt noch eine hinzu: Am Dienstagabend wurde bekannt, dass die Streetstyle-Messe Bread&Butter künftig nur noch im Sommer nach Berlin kommen wird, zum Messetermin im Winter schlägt sie ihre Zelte in Barcelona auf. Ist das der schleichende Tod der Berliner Fashion Week?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kritiker gibt es viele, Skeptiker auch, Schwarzseher ohnehin, die in dieser Woche die Fashion Week besuchen. Dorothee Schumacher aber lächelt. Die Mannheimer Designerin ist Optimistin – und Realistin zugleich. Und sie ist erfolgreich, obwohl sie weiterhin zur Berliner Fashion Week kommen will, wo sie an diesem Donnerstag ihre neue Kollektion für den nächsten Sommer präsentiert. Deutsche Marken, sagt sie, müssten an ihren „Homemarket“ denken: „Wer es zuhause nicht schafft, schafft es auch international nicht.“ Und: Es brauche seine Zeit zu wachsen. „Das ist wie bei Kindern, die sich entwickeln und denen man am Ende Mut, Kraft und Stolz vermittelt.“

          Ausgerechnet ein Unternehmen aus der Provinz zeigt in Berlin, wie es geht, als deutsche Marke international erfolgreich zu sein – ohne sich jemals in Paris, Mailand oder New York präsentiert zu haben, sondern immer nur in Berlin. Schumacher, vor knapp 25 Jahren in Mannheim gegründet, verzeichnet einen jährlichen Umsatz von 39 Millionen Euro, führt zehn eigene Läden, dazu kommen 15 Shop-in-Shops und die Präsenz in Luxusboutiquen auf der gesamten Welt, wo die Kleider von Schumacher neben Marken wie Gucci, Marni und Celine hängen.

          Das Erfolgsgeheimnis ist Entwicklung

          Ein Erfolgsgeheimnis des Unternehmens dürfte sein, dass die Marke sich entwickelt hat. Schritt für Schritt. Den neuesten kündigt die Designerin zur Fashion Week an. Ihr Auftritt an diesem Donnerstag ist der erste unter neuem Namen: Vor Schumacher steht jetzt noch Dorothee.

          Als die gebürtige Rheinländerin die Marke mit ihrem damaligen Ehemann vor knapp 25 Jahren in Mannheim gründete, hieß sie noch Singhoff und hatte eine Handvoll Mitarbeiter. Schumacher war ihr Mädchenname und hörte sich an wie viele deutsche Marken, die seit den sechziger Jahren unter Phantasienamen wie Windsor oder St.Emile gegründet wurden. Namen, die gut klingen, aber auch ein bisschen nichtssagend sind. Angefangen hatte es bei Schumacher mit Tanktops, die zum Hosenanzug kombiniert werden sollten und die sie in einem Düsseldorfer Hotel während der Modemesse „CPD“ präsentierte. Das war 1989 – die Zeit, als Frauen Hosenanzüge mit hellblauen Blusen trugen.

          Damals hatte sie noch nicht das Gefühl, die Marke müsse so heißen wie sie selbst. Obwohl die Entwürfe auch damals schon viel von dem hatten, was sie selbst verkörpert. Es gibt nur wenige Designer in Deutschland – und auch international – die besser verstehen, was eine Frau von der Mode erwartet. Schumachers Entwürfe sind feminin und doch sportiv, ausgefallen und doch bequem, man kann sie im Büro tragen und doch taugen sie auch für abends, wenn man die Seidenbluse mit einem hübschen Accessoire aufpeppt. Sie sind voller wirkungsvoller Details, aber unendlich kombinierbar. Auch die neue Kollektion, die sie zur Fashion Week in der Elisabethkirche in Berlin-Mitte präsentiert, zeigt das Spiel mit subtilen Reizen und unschuldiger Leichtigkeit. Sie spielt mit Bondage-Elementen – dennoch behalten Frauen bei ihr stets die Kontrolle. „Sie sind anziehend, weil sie für sich selbst sexy sind“, kommentiert sie die Entwürfe.

          Der „Dorothee-Faktor“

          Es ist erst sieben Jahre her, dass Schumacher sich aus der Anonymität herauswagte. Sie gab plötzlich Interviews und nahm nach der Scheidung wieder ihren Mädchennamen Schumacher an. Den Gedanken, nun auch ihren Vornamen als Marke zu präsentieren, trage sie seit drei Jahren mit sich herum. Sie nennt es den „Dorothee-Faktor“, der jetzt, fast 25 Jahre nach der Unternehmensgründung, hinzu komme. Und wenn sie das sagt, klingt das selbstbewusst, aber ihrem Lachen merkt man an, dass sie auch ein bisschen nervös ist.

          Denn auch hier bleibt sie ganz Frau: Wie bei ihrer Mode geht es ihr nie nur um rationale Überlegungen. Sie spricht lieber von Leidenschaft als von Zahlen. Der neue Name fühle sich richtig an, sei „so konsequent weiblich“ und ein „natürlicher Schritt“, den sie jetzt gewagt habe. Auffallend ist, dass das neue Logo mit einem schwarzen Schriftzug auf weißem Untergrund weniger verspielt daher kommt. Dafür stehe nun ihr Vorname für Femininität.

          Bevor aber aus „Schumacher“ die Marke „Dorothee Schumacher“ wurde, zog die Designerin ihr Team zurate, schließlich seien sie und ihre mittlerweile 140 Mitarbeiter aus 16 Nationen wie eine Familie, in der man alles besprechen müsse und nichts über den Kopf des anderen entschieden werden kann. Auch hier ist Schumacher nicht nur Unternehmerin und Designerin, sondern auch eine Mutter von vier Kindern: „Wenn Sie einfach entscheiden, wir gehen heute zum Italiener, und die Kinder sitzen dann nörgelnd am Tisch, funktioniert das schließlich auch nicht.“

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