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Dokumentarfilm über McQueen : „Ich brachte das Grauen meiner Seele auf den Laufsteg“

Außerirdisch: Alexander McQueens letzte Schau „Plato’s Atlantis“ treibt im Oktober 2009 seinen Inszenierungswillen auf die Spitze. Bild: Helmut Fricke

Alexander McQueen war Rebell und Ausnahmedesigner, dessen Modenschauen das Publikum schockierten und faszinierten. Nun haben zwei britische Regisseure sich durch seine Vergangenheit gewühlt.

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          Wenn man einen Dokumentarfilm über Alexander McQueen dreht, dann darf der auf keinen Fall konventionell sein. Das war auch den britischen Regisseuren Ian Bonhôte und Peter Ettedgui klar. „So wie McQueen seine einzigartigen Modekreationen entwarf, wollten wir die Werkzeuge, die uns als Filmemacher zur Verfügung stehen, nutzen“, sagen die beiden Briten und hielten sich an diesen Vorsatz: So wie McQueen alle denkbaren Materialien – von menschlichen Haaren bis Frischhaltefolie – zu Kleidern verarbeitete, so bedienen sich die Regisseure im Fundus der Mittel filmischen Geschichtenerzählens.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Sie greifen dabei auf ein umfassendes Archiv von alten Videoaufnahmen zurück, die den Designer im Kreis seiner Freunde, bei der Familie, mit Nadel und Faden auf dem Boden hockend vor und bei letzten Handgriffen während einer Schau zeigen. Es sind private Aufnahmen, die sie von Wegbegleitern McQueens erhalten haben. Hinzukommen Fotos aus dem Besitz der Freunde und Familie, die sie aufwendig animieren, sowie zahlreiche Interviews mit engsten Vertrauten, die sie in England, Italien, Paris geführt haben, darunter eines mit Detmar Blow, dem Ehemann der Stilikone Isabella Blow, die McQueens Muse und Mäzenin war. Allein die Recherchearbeit reicht an die Besessenheit heran, mit der der Designer an seinen Entwürfen arbeitete.

          Alexander McQueen: „Ich lotete die dunkle Seite meiner Seele aus und brachte das Grauen auf den Laufsteg“

          Und weil der Film unkonventionell werden sollte, erzählen Bonhôte und Ettedgui die Geschichte McQueens zwar chronologisch, unterteilen sie aber in sechs Kapitel mit Namen wie „Jack the Ripper stalks his victims“, „Highland Rape“ oder „Plato's Atlantis“. Wer McQueen kannte, erinnert sich sofort an diese Namen. Es waren die Titel seiner Modenschauen, die sich immer am Unterbewusstsein abarbeiteten, die Untiefen dieser unruhigen englischen Seele ausloteten und sich mit dem Grauen darin auseinander setzten. „Ich lotete die dunkle Seite meiner Seele aus und brachte das Grauen auf den Laufsteg“, sagte McQueen über sich selbst.

          Anhand der sechs wichtigsten Schauen des Designers zeichnet der Film also das Lebens des rebellischen Jungen aus dem Londoner East End nach. Beginnend mit der Zeit am St.Martins College in London, als er die Stoffe für seine Abschlusskollektion von Arbeitslosengeld bezahlte und nicht wusste, wie er nach der Schau etwas zu essen auftreiben sollte, über die Anstellung als Chefdesigner bei Givenchy bis hin zum tragischen Suizid 2010. Es gelingt den Regisseuren in ästhetischen Bildern ein intimes Porträt dieses Ausnahmedesigners zu zeichnen, der immer mehr Künstler als Modemacher war.

          „Alexander McQueen – Der Film“ startet am 29. November in den deutschen Kinos.

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