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Dirndl-Trends : „Mit französischer Note im bayerischen Stil“

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Olympia Le-Tan (rechts) präsentiert ihre Dirndlentwürfe mit Leila Yavari, der Mode-Chefin von Stylebop Bild: munichpress.de

Dirndl aus Nappaleder, mit Schotten-Karos oder Puffärmeln - und das soll nicht nur auf der Wiesn gesellschaftsfähig sein. Designerin Olympia Le-Tan spricht über ihre Dirndl-Kollektion.

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          Frau Le-Tan, das Oktoberfest in München geht an diesem Sonntag zu Ende, doch der Griff zum Dirndl ist schon lange nicht mehr an die Wiesn gebunden. Auch Sie haben sich als Pariserin, die in London geboren wurdet, in Ihrer aktuellen Kollektion „Schnitzel with Noodles“ von traditionellen bayerischen und österreichischen Trachten inspirieren lassen – die Kollektion wird in Deutschland von der Internet-Seite Stylebop vertrieben. Was macht das klassische Dirndl heute so gesellschaftsfähig?

          Ein Dirndl lässt einen Frauenkörper einfach gut aussehen! Ganz gleich wie jung oder alt, dünn oder dick, klein oder groß eine Frau ist.

          Auf dem Oktoberfest sieht man viele Dirndl, die mit dem Vorbild nur noch die Schürze gemeinsam haben. Man kann sie schon in der Halle des Hauptbahnhof kaufen. Meist enden sie in der Mitte des Oberschenkels. Kann ein Dirndl zu sexy sein?

          Nun, die Touristen-Dirndl kann man nicht mehr als Dirndl bezeichnen. Auch die Röcke meiner Kleider sind oft kurz, aber die Anmutung einer Tracht hat viel mehr mit Verarbeitung, Stoffauswahl und Zitaten zu tun. Ich bin für meine Kollektion viel durch Bayern und Österreich gereist, war in den Bergen und in kleinen Dörfern an den Seen. Ich war in Salzburg und in Trachten-Museen, Österreich ist wunderschön. Für meine Kleider verwende ich karierte Tiroler Loden, Samt, Kaschmir, Lamm-Nappa. Handbestickte Knöpfe, Puffärmel, Bubikragen – und schöne Dekolletés!

          Ist das der „french twist“ ihren Kleider, Blusen und Strickjacken, die „Gottfried“, „Greta“ oder „Grundlsee“ heißen?

          Ja, genau. Die französische Note an dem „bavarian style“ ist alles, was eine Frau glamourös und sexy aussehen lässt. Schöne Ausschnitte, kurze, wippende Röcke mit Latz, kurze Hosen mit Latz, kleine herzförmige Taschen. Oder ein Dirndl in schwarzem, glänzenden Nappaleder. Es soll halt verspielt sein und Spaß machen.

          Sie legen Wert auf Stil-Mischungen. Bayerisch-französisch oder, in Ihrer ersten Kollektion, britisch-französisch. Soll das Ihre Herkunft widerspiegeln?

          Ja, in der Kollektion vom vergangenen Jahr habe ich zum Beispiel viel Samt, Schotten-Karos, College-Streifen und Liberty-Drucke verwendet.

          Pin-up-Girl-Motive mit maritimen Themen: Die Frühjahrskolletion von Olympia Le-Tan. Mit dabei auch wieder die Buch-Clutch

          Der Name Ihrer aktuellen Kollektion, „Schnitzel with Noodles“, stammt von einem Lied aus dem Musical „The Sound of Music“, das das Leben der Trapp-Familie nachzeichnet. Fühlen Sie sich als Designerin, die schon bei Chanel und Balmain gearbeitet hat, in den vierziger und fünfziger Jahren modisch zu Hause?

          Ja, denn der Glamour von damals kleidet Frauen einfach gut.

          Also figurbetonte Schnitte, verführerische Accessoires? In Ihrer Kollektion fürs nächste Frühjahr, die Sie gerade in Paris gezeigt haben, interpretieren Sie das Pin-up-Girl-Motiv von Matrosen.

          Ja, auch da gibt es wieder viele Zitate: Netzstrümpfe, maritime Streifen, kurze Hosen mit hohem Bund, Ohrringe in Ankerform.

          Und auch wieder bestickte Clutches in Buch-Form?

          Klar. Mit maritimen Themen.

          Diese kleinen Handtaschen, die mit den Titelmotiven von Erstausgaben bestickt sind, haben Sie international berühmt gemacht. In Ihrer aktuellen Kollektion gibt es „Heidi“ von Johanna Spyri, „Grimms Märchen“ oder auch die Tasche „Brunhild“ in Form eines Wetterhäuschens...

          ...außerdem „Letters of Wartime“ von Rainer Maria Rilke und „Spiegel, das Kätzchen“ von Gottfried Keller.

          Was war Ihre erste Buch-Clutch?

          „Der Fänger im Roggen“ von Jerome David Salinger. Ja, ich weiß, wieder aus den Fünfzigern. Eines meiner vielen Lieblingsbücher.

          Wie kamen Sie überhaupt darauf, die Bücher zu besticken?

          Es gibt doch diese Bücher im Regal, die innen hohl sind, in denen man geheime Dinge verstecken kann. Das fand ich immer schon spannend. Ich habe mich einfach an meinen Lieblingsbüchern orientiert und Taschen daraus gemacht. Sticken habe ich von meiner Großmutter gelernt. Ich liebe den Kettenstich, bei dem viele kleine Schlingen entstehen.

          Inzwischen tragen Stars wie Natalie Portmann, Michelle Williams oder Tilda Swinton Ihre Clutches. Kann man sein Lieblingsbuch bei Ihnen bestellen?

          Tilda Swinton hat bei mir zwei Titel bestellt: „Auntie Mame“ von Patrick Dennis und den Kinderbuch-Klassiker „Ant and Bee“von Angela Banner. Also man kann es versuchen, mich zu kontaktieren. Dann werden wir sehen!

          Die Fragen stellte Karin Truscheit.

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