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Adidas-Designer geht zu MCM : Logo! Oder nicht?

Schönberger konnte schon Stan-Smith-Sneaker zu neuem Ruhm verhelfen – ob das auch bei MCM klappt? Bild: MCM

Dirk Schönberger verlässt Adidas und wird Chefdesigner von MCM. Das ist eine überraschende Lösung für eine Marke, die bisher vor allem für ihren schlechten Geschmack bekannt war.

          Da schließt sich ein Kreis, von dem man nie gedacht hätte, dass es ihn überhaupt gibt. Dirk Schönberger wird „Global Creative Officer“ der Luxusmarke MCM. Die Mitteilung vom Mittwoch wird die meisten Menschen kaltlassen. Aber die deutsche Modeszene ist elektrisiert. Denn jetzt kommt ein Vordenker-Designer zu einer Marke, die man bislang stilistisch für ziemlich rückschrittlich halten musste.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Bisher schienen diese Welten kaum vereinbar. Dirk Schönberger, der 1966 in Köln geboren wurde und an der Esmod in München studierte, arbeitete für seine eigene Marke in Antwerpen, dann für Joop! und zuletzt acht Jahre für Adidas. Der Sportartikelkonzern erbrachte ihm einen ungeahnten globalen Resonanzraum: Seine Wiederbelebung der Stan-Smith-Sneaker ist ein Meisterwerk des Retro-Designs – und noch nach Jahren prägend für die Alltagsmode.

          Soll dieser Designer, der in einem Vierteljahrhundert von der belgischen Avantgarde über klassische Herren- und Damenkonfektion bis zum fortschrittlichen Sport-Style in einem Großkonzern jedes relevante Modedesign-Feld durchmessen hat, nun stehenbleiben? Soll dieser Modemacher, der für Adidas unter anderem mit Yohji Yamamoto, Raf Simons, Rick Owens, Rita Ora und Pharrell Williams zusammenarbeitete, jetzt plötzlich hässlich bedruckte Handtaschen für ein neureiches Publikum im Fernen Osten entwerfen? Für eine Marke, die in den Siebzigern in München gegründet wurde, dann zu Recht in der Versenkung verschwand und sich dank der Führung der unglaublich geschäftstüchtigen Koreanerin Sung-Joo Kim zu globaler Größe aufschwingt?

          Einfallsreichtum trifft auf Ausfbaufähigkeit

          Den neuen Chefdesigner scheint die Geschichte nicht zu schrecken. „Bei MCM treffen Luxury-Tailoring, Sportswear und die Haltung einer aktuellen Marke mit starker Geschichte zusammen“, sagt Dirk Schönberger. „Die Marke hat einen guten Blick für Innovationen und die Bedürfnisse und Erwartungen des modernen Millennial- und Gen-Z Konsumenten.“ Wie er die Herausforderungen, die ihn dort erwarten, beschreibt? „Es gibt keine Herausforderungen“, sagt er, „nur Chancen.“ MCM besteche durch „Stil, Qualität, Handwerkskunst und Modernität“.

          Vielleicht trifft das mit den Chancen nun auf jeder Ebene zu. Denn für den „Global Creative Officer“ wird in Berlin, wo er seit zwölf Jahren lebt, ein Designstudio eingerichtet. Das lästige Pendeln zum Adidas-Stammsitz in Herzogenaurach entfällt, dafür wird er nun oft nach Seoul fliegen müssen. „MCM ist eine Marke mit deutschen Wurzeln“, sagt Schönberger. „Und Berlin ist immer noch die Stadt, die die meisten innovativen Kreativen anzieht. In diesem Umfeld lässt sich am besten die Tradition dieser Marke fortführen.“

          MCM wiederum hofft darauf, sich mit dem neuen Chefdesigner weiterzuentwickeln. Die Vorstandsvorsitzende Sung-Joo Kim teilte am Mittwoch mit: „Als unglaublich einfallsreicher deutscher Designer ist er ideal, unser Erbe neu zu interpretieren – mit Elementen des modernen ,melting pot' Berlin.“ Seine neue Aufgabe umfasst nicht nur die Produktentwicklung der stark mit Taschen assoziierten und also ausbaufähigen Marke, sondern auch das globale Image und kreative Gesamtstrategien.

          Dirk Schönberger beginnt sofort mit seiner Arbeit, und schon im nächsten Jahr wird es die ersten Produkte aus seiner Hand geben. Es wäre an der Zeit. Denn „Modern Creation München”, wie der Gründer Michael Cromer seine 1976 gegründete Taschenmarke nannte, war mit dem logobeladenen und somit überkandidelten Stil immer wenig „Modern“ und viel „München“. Mit der Bauhaus-Schule, die nun als Traditionslinie bemüht wird, hatten die Schicki-Micki-Taschen für die Bussi-Bussi-Gesellschaft nie viel zu tun.

          Mit einer echten Modernisierung könnte Schönberger die Taschen auf eine neue Linie trimmen, die kitschversessene junge Konsumenten und zugleich statusbewusste ältere Trägerinnen anspricht. Louis Vuitton hat es schließlich auch geschafft. Mit einer Verbreitung in mehr als 500 Läden in 40 Ländern und einem seit Jahren stark wachsenden Umsatz ist MCM der Top-Marke aus Paris schon hinterher. Jetzt fehlt es nur noch am Design, das auch den Karrierekreis eines solchen Designer schließt.

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