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Models und Alter : Wie die Mama, so die Tochter

Heute kommt es auf Vielfalt an

Und noch ein Punkt spielt älteren Models in die Karten: das Thema Diversität. „Große Kunden, wie zum Beispiel Zara, legen heute viel Wert auf Diversity, und deswegen buchen sie für eine Kampagne immer auch etwa zehn Prozent kurvige Models und zehn Prozent Models über 40“, sagt Claudia Midolo, Geschäftsführerin der Hamburger Agentur Modelwerk, die zum Beispiel Toni Garrn entdeckt hat. Für Midolo ist darum ganz klar: „Wir wollen auch das Alter bedienen.“

Nun beträgt der Altersabstand zwischen Liebing und Schüller 23 Jahre. Das ist genug, damit die eine erkennbar älter und die andere erkennbar jünger ist, aber es ist schon knapp, wenn die beiden in ihren Rollen für ein typisches Lebensmodell stehen sollen. Im Filmgeschäft ist dieser Vorwurf schon länger ein Thema: Besonders Frauen werden von einem gewissen Alter an nicht mehr gecastet. An ihrer statt schlüpfen häufig jüngere Schauspielerinnen in die Rollen der Mütter. Auch die Klientel, die sich heute die Mode leisten kann, für die Liebing und Schüller vor der Kamera stehen, wird im Alter von 23 Jahren vermutlich eher Studentin oder auf dem Weg in den ersten Job gewesen sein als schon im Mutterschutz. Das Beispiel von Liebing und Schüller zeigt auch: Frauen mögen heute – mit jüngerer Unterstützung – länger als Models arbeiten dürfen. Aber zu alt können sie trotzdem irgendwann sein.

Andererseits: Christina Liebing und Pauline Schüller arbeiten gerne zusammen. Auch Müller hat mit ihnen schon mehrmals in der Kombination Mutter und Tochter gearbeitet.

„Model-Tochter“ und „Model-Mama“

So kommt es, dass beide Models immer selbstbewusster mit ihrer „Mutter-Tochter-Beziehung“ umgehen. Liebing erzählt, dass sie eine Model-Tochter hat. Und Schüller berichtet von ihrer Model-Mama. „Wenn zehn Tage für ein Shooting angesetzt sind, brauchen wir vielleicht nur neun, weil die Chemie stimmt“, erläutert Liebing die Vorteile, die ihre enge Beziehung mit sich bringt.

Müller sagt, die beiden seien die einzige Mutter-Tochter-Kombination, bei der er „dieses befreite Miteinander“ hinkriege. Warum das so ist, weiß er auch: „Die Ältere muss akzeptieren, dass die Jüngere auf den Bildern oft als die Attraktivere wahrgenommen wird. Das kann nicht jede.“ Bei Liebing liege es daran, dass sie auch noch andere Dinge mache als Modeln. Sie ist Geschäftsführerin eines Beachwear-Labels. Und Schüller studiert im fünften Semester. Sie sieht das Modeln als gute Ergänzung zu ihrer BWL-Bubble – sie ist bei der bekannten Agentur Louisa Models unter Vertrag und darauf sehr stolz. Für Müller ist klar, dass diese Nebentätigkeiten der beiden der Grund dafür sind, dass sie nicht versuchen, einander zu übertrumpfen. „Die ruhen einfach in sich.“

Liebing und Schüller hingegen führen ihren beruflichen Erfolg darauf zurück, dass sie befreundet sind. Den Tag vor dem Shooting, einen Sonntag, haben sie zum Beispiel zusammen im Park verbracht. Christina Liebings echte Töchter, elf und fünfzehn, die völlig vernarrt in Pauline Schüller sind, waren auch dabei. „Natürlich habe ich dann eher die Tochterrolle, aber ich bin auch eine Freundin“, sagt Schüller und fügt hinzu, dass sie ja auch noch „echte Eltern“ habe. Die seien auch ganz toll, könnten sich aber in die Modewelt nicht so einfinden. „Wohl auch darum habe ich so eine Bindung aufgebaut zu Christina“, sagt sie.

„Wenn ich merke, Pauli hat die Haare komisch, dann richte ich sie ihr“

Zwar arbeitet sie auch mit anderen älteren Frauen, und Liebing arbeitet auch mit anderen jungen Frauen. Aber mit denen fühlen sie sich nicht als Mutter und Tochter, selbst wenn der Altersunterschied ähnlich ist. Das ist nur so, wenn Liebing mit Schüller und Schüller mit Liebing zusammenarbeitet. Sie fühlen sich dann als Team, mit allem, was dazugehört. „Wenn ich weiß, Christina fühlt sich unwohl, wenn man die Beine sieht, dann bin ich vorne auf diesen Fotos“, sagt Pauline Schüller. Und Christina Liebing sagt: „Wenn ich merke, Pauli hat die Haare komisch, dann richte ich sie ihr.“

Für das nächste gemeinsame Shooting sind sie schon gebucht. Den Job für ein Kaschmirlabel hat die „Mama“, die schon länger für die Marke arbeitet, der „Tochter“ verschafft. Nicht nur die Ältere profitiert also von der Jüngeren. Sondern das klappt auch andersrum. Wie im wirklichen Leben eben.

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