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Digitale Möbel : Und täglich grüßt der Spiegel

  • -Aktualisiert am

Realität und Virtuelles digital miteinander verbinden. Bild: dpa

Deko-Elemente, die mit einer Wischbewegung verschwinden, und ein Tisch, der zum Bildschirm wird: Das Internet der Dinge macht auch vor unserer Einrichtung nicht halt.

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          Es gibt Menschen, die begeistert die Vorstellung, morgens im Bad ein fröhliches „Guten Morgen!“ zu lesen und eine Sonne zu sehen, weil ihnen der Badezimmerspiegel das Piktogramm anzeigt und dazu meldet, dass es heute 25 Grad werden. Daneben wird dann eingeblendet, dass der beste Freund Geburtstag hat und auf der Strecke ins Büro ein Stau zu erwarten ist. Auch die ersten Nachrichten tickern auf dem Spiegel ein, wenn man das will.

          Für manche sieht so das Badezimmer der Zukunft aus. In Wirklichkeit ist all das schon Gegenwart. Denn den smarten Badspiegel gibt es längst, und Technikfachleute sagen: „Der ist doch langweilig. Wir versuchen zurzeit, Computerdaten auf Esstischen und an Küchenschränken nutzbar zu machen.“ Sie arbeiten an Küchen, in denen es keine herkömmlichen Kochfelder mehr gibt, und an Lampen, die zukünftig unsere Urlaubsbilder in den Raum projizieren. Es gibt viele solcher Wohnvisionen, und einige werden bald bei uns Einzug halten.

          Bunte Deko-Elemente zur Tischverschönerung

          Warum der spacige Badezimmerspiegel gar nicht so aufregend ist? Weil ein Spiegel von Natur aus eine ideale Projektionsfläche bietet. Man muss ihn nur mit einem Monitor versehen, der hinter der verspiegelten Oberfläche sitzt, so dass die Bildschirmdaten auf der Spiegelfront durchscheinen. Gekoppelt wird der Daten-Spiegel dann mit dem hauseigenen W-Lan-Funknetzwerk, und schon zeigt er wie der Startbildschirm eines Smartphones die wichtigsten Wetter- oder Verkehrsdaten an. Alles keine Hexerei.

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          Aufregender sind da schon andere Gedanken, die sich Innovationsmanager machen: „Warum nicht die Daten stattdessen ins Duschwasser projizieren oder ins Handwaschbecken? Oder auf die Badezimmerkacheln? Das wäre doch mal was“, überlegt Thomas Möller laut, der beim Elektronikunternehmen Steinel für strategisches Marketing und Design zuständig ist. „Auf dem Esstisch geht es längst. Da kann man Urlaubsfotos ansehen, während man Pestonudeln isst.“

          Wie das funktioniert, haben Steinel und der Schweizer Lampenhersteller Senses gerade vorgestellt: Ihre gemeinsam entwickelte Hängeleuchte kann Internetinhalte und Computerdaten auf darunter liegende Flächen blenden. Egal ob Urlaubsfotos, Websites aus dem Internet oder bunte Deko-Elemente zur Tischverschönerung, alles lässt sich projizieren und dann auch verschieben oder bedienen. Auch digitale Brettspiele kann man so spielen. Jeder Spielzug erscheint auf dem Küchen- oder Esstisch, jedes Bild lässt sich per Handbewegung aufrufen und vergrößern. Gestensteuerung, so nennen die Techniker es, wenn mit einem Wisch alles da ist – oder wieder weg.

          Kochtische mit mitfühlenden Glasplatten

          Man kann all das als bloße Spielerei abtun, doch es ist viel mehr als das. Es ist der Beginn einer Technikbewegung, die bald Bildschirme und Computergehäuse verschwinden lässt, zumindest aus unserer Wohnumgebung. Erstens sind die Apparaturen selten Designschönheiten, zweitens assoziieren wir sie viel zu sehr mit Arbeit. Dennoch wollen wir auf die Daten, die darin stecken, in vielen Situationen nicht verzichten: „Das Leben findet inzwischen auf dem Smartphone und dem Tabletcomputer statt“, formuliert es Möller, „daher überlegen wir, wie man deren Content nun in den Wohnbereich holen kann, ohne dass man dafür noch Bildschirme braucht.“

          Es geht dabei aber nicht nur um das pure Einblenden oder Abspielen von Daten. Im Grunde wird jetzt wahr, was in Filmen wie Raumschiff Enterprise noch als Utopie galt. Die neuen Geräte denken mit: Denn Innovationsfachleute arbeiten ebenso an Dunstabzugshauben, die den Kühlschrankinhalt analysieren und dazu die passenden Rezepte zum Nachkochen einblenden. Oder an Küchensystemen, die den laufenden Kochvorgang untersuchen und warnen, wenn das Fleisch schon zu lange in der Pfanne brät, oder die den Herd automatisch abschalten, bevor die Milch überkocht. Oder an Kochtischen mit mitfühlenden Glasplatten, die nur dort heiß werden, wo wirklich ein Topf steht, damit sich niemand mehr die Finger verbrennt und man den Rest des Tisches währenddessen als Arbeits- oder Abstellfläche nutzen kann.

          „Solche Systeme passen beim Kochen auf mich als Nutzer auf, wie ein Spurhalteassistent am Herd sozusagen“, erklärt Andreas Enslin, Designchef beim Küchenhersteller Miele, „das ist alles nur eine Frage der Sensorik, ich muss dem Herd nur sagen: Ich koche jetzt Milch. Oder muss einen speziellen Milchtopf verwenden. Den Rest ermittelt er dann aus den verfügbaren Daten wie Temperatur und Kochzeit selbst.“

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