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50 Jahre Nickelbrille : Gestelle für die Gegenkultur

Zeitlose Gestelle: Nickelbrillen von den Marken Lafont, Lindberg, Oliver Peoples, Lunor, Viu, Gucci, Ralph Lauren und Ace & Tate. Bild: Helmut Fricke

Brillen gibt es in allen Größen, Farben, Formen und Preisklassen. Vor allem die Nickelbrille, die uns seit den 60er Jahren bis in die Gegenwart begleitet, hat ihren Charme noch lange nicht verloren.

          Was wäre Simon James ohne seine Brille gewesen? Der Held aus „Blutige Erdbeeren“, dem Kultfilm der Achtundsechziger, der im Jahr 1970 in die Kinos kam und von den Studentenprotesten zwei Jahre zuvor an der Columbia University erzählt. Simon James kommt nicht aus New York, sondern aus Kansas. Er ist, nett gesagt, Außenseiter, und die Brille im Film gehört wie selbstverständlich zu den Requisiten eines Außenseiters.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Daran hat sich bis heute nicht viel geändert – obwohl sie seit den Nerdmodellen, also seit ein paar Jahren, ein schickes Accessoire ist. Für Simon James kommt jedenfalls die Liebe und mit ihr nicht nur der Sex, sondern auch das Engagement für die Studentenproteste. Die Brille bleibt trotzdem auf seiner Nase. Sie ist aus Metall und wirkt recht kastig. Das Modell von Lafont über Lunettes sieht ihr ähnlich.

          Die Gestelle, die auf dem Foto oben zu sehen sind, erinnern auch im Kleinen daran, was von 1968 geblieben ist. Also zum Beispiel die Nickelbrille, die jetzt als Trend die Nerdbrille ablöst. Es zeigt sich auch an den Brillen von Lindberg, Oliver Peoples, Lunor, Viu oder Ralph Lauren. Oder an dem Modell mit Steg von Ace & Tate.

          Sie deuten entschieden in die Vergangenheit, eben auch in die späten Sechziger, als es sich dabei um das Gestell für die Gegenkultur handelte. Mama mag damals eine CatEye-Brille getragen haben, Papa die Panto-Brille mit markantem Rahmen, die Jugend aber nahm die Sehschwäche nüchterner hin, mit einem Modell in Silber, Gold, Bronze.

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          Es dauerte nicht lange, da taugte es auch als Sonnenbrille, Janis Joplin lässt grüßen. Die Gläser wurden größer, wie bei dem Modell von Gucci. Und sie wurden bunter. Janis Joplin kam übrigens, so wie Simon James, aus einem eher beschaulichen Nest, aus Texas. Sie zog es nach Kalifornien. Auch sie war Außenseiterin. Zu ihrer Brille kam sie erst dort, als sie schon Musik machte und auf dem besten Weg war, berühmt zu werden. Brillenträger können eben auch anders.

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