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Nach Tod von Lagerfeld : Die Schauenwoche in Mailand beginnt mit Gedenken

Chefdesigner Alessandro Michele hat viele Referenzen gemischt und mit Masken und Stacheln zugespitzt. Bild: EPA

In Mailand geht es am Tag nach dem Tod von Karl Lagerfeld nur um dieses Thema. Auch Gucci-Chefdesigner Alessandro Michele erinnert an den Modeschöpfer: „Mit ihm zu arbeiten war, wie mit einem 14 Jahre alten Jungen zu tun zu haben.“

          Die Modenschau von Gucci am Mittwochnachmittag ist ein Gesamterlebnis aus blendendem Licht, Kirchentechno-Musik und überkandidelter Mode. Chefdesigner Alessandro Michele hat wieder viele Referenzen gemischt und dieses Mal noch mit Masken und Stacheln zugespitzt. Die Masken, sagt er nach der Schau, offenbarten und versteckten etwas, seien also eine Metapher für die Kleider. Und die Stacheln symbolisierten eine Art Selbstschutz.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Trotz solcher Inszenierungen – in Mailand geht es am Tag nach dem Tod von Karl Lagerfeld nur um dieses eine Thema. Auch Alessandro Michele erinnert nach der Präsentation an den Modeschöpfer, mit dem er früher einmal zusammengearbeitet hat. Michele, der die Marke Gucci in den vergangenen vier Jahren revolutioniert hat und die Mode in dieser Zeit so nachhaltig verändert hat wie kein anderer, ist dort zwar schon seit 2002 tätig. Aber zuvor hat er als Accessoire-Designer für die römische Marke Fendi gearbeitet, wo Lagerfeld seit 1965 die Mode verantwortet hatte. „Er nannte mich DJ“, sagt Michele. „Ich hatte damals kurze, blondierte Haare, trug Ketten, und bei mir gab es immer Musik. Er war auch besessen von Musik. Mit ihm zu arbeiten war, wie mit einem 14 Jahre alten Jungen zu tun zu haben.“

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          Lagerfeld sei ihm ein großes Vorbild gewesen, „was sein Leben und was seine Mode angeht“. Es sei sich noch gar nicht richtig bewusst, „dass er nicht mehr unter uns ist“. Und zu der Frage der Tragbarkeit, die Lagerfeld mit jeder Schau beantwortete, Michele aber auch an diesem Mittwoch nicht, sagt er: „Nicht alles muss sich verkaufen.“ Der Umsatz von mehr als acht Milliarden Euro im Jahr 2018 gibt ihm recht. „Meine Schauen sind wie ein Theater“, sagt er. Das wäre dann noch eine Gemeinsamkeit mit dem großen Vorbild.


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