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Die Nachfolger von Valentino : An der Spitze

Maria Gracia Chiuri und Pierpaolo Piccioli: sie teilen ihre Ideen, ihre Karriere und sogar einen Telefonhörer. Bild: David Sims

Von Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli haben Sie noch nie etwas gehört? Das muss sich ändern. Die beiden Designer sind die Nachfolger von Valentino. Für die Traditionsmarke haben sie eine Gegenwart gefunden.

          8 Min.

          Draußen vor der Tür ist die Vergangenheit ziemlich erfolgreich darin, die Gegenwart möglichst banal aussehen zu lassen. Gegen den alten weißen Marmor und gegen jede einzelne Stufe der riesigen Spanischen Treppe wirken die Touristen in ihrer Funktionskleidung aus High-Tech-Stoffen wie ein schlechter Witz. Die kunterbunt dekorierten Schaufenster sind so vergänglich, dass sie in Bedeutungslosigkeit versinken. An den Ständen sind die gefälligen Souvenirs bestenfalls egal. Hier hat die Gegenwart also wirklich keine Chance, ernstgenommen zu werden. Dagegen die Vergangenheit: Sie ist im Stadtzentrum von Rom buchstäblich in Stein gemeißelt.

          Das rote Kleid war seine Waffe

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Oder sie fließt, zum Beispiel wenn sie ein Kleidungsstück ist, ein langes rotes Kleid, das jahrzehntelang nur ein paar Meter entfernt entworfen wurde, in einem römischen Palazzo gleich neben der Spanischen Treppe. In allen möglichen Varianten wurde es in den vielen Jahren gestaltet, mit Rüschen an den Schultern, mit Saumvolants, mit Schößchen oder mit langer Schleppe. Es sollte das perfekte Abendkleid sein, um darin Blitzlichtgewitter zu überleben. Blonde oder Brünette sahen fabelhaft in ihm aus, selbst Nicole Kidman schien es mit roten Haaren tragen zu können. Das rote Kleid schmeichelte sogar dem roten Teppich. Neben diesem roten Abendkleid ließ sich recht häufig auch sein Modeschöpfer blicken, stets tief gebräunt und gut toupiert. Valentino Garavani hatte sein Haus im Jahr 1960 gegründet. Von Elizabeth Taylor über Audrey Hepburn bis Jackie Kennedy stattete er die schönsten Frauen seiner Zeit aus. Sie waren für Valentino ein Glücksfall, denn so galt er ein halbes Jahrhundert lang als Abendmode-Designer schlechthin. Erst 2008 verließ er sein Haus, weil ein Privatinvestor übernommen hatte und weil nicht einmal er jünger wurde. Auf Fotos aus der Zeit sieht man manchmal, dass er selbst kürzer ist als das Kleid, das den Boden streift. Aber das sollte nichts bedeuten. Denn das rote Kleid war sein Werkzeug, seine Waffe. Mit dem roten Kleid wurde er zur lebenden Legende.

          Wo soll man da als Nachfolger anknüpfen, wenn sich die Legende in den Ruhestand verabschiedet hat? Würde nicht alles Neue, verglichen mit dem großen Show piece der Vergangenheit, auf ähnliche Weise in der Banalität verschwinden wie die Gegenwart draußen vor der Tür? Alessandra Facchinetti musste es bitter erfahren. Sie wurde, kaum dass sie als Nachfolgerin aufgebaut war, wieder hinauskomplimentiert. Dann begann hinter der schweren Palazzo-Tür, im Atelier von Valentino, gleich neben der Spanischen Treppe, doch noch die Zukunft. Unter dem Namen des Gründers verändern Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli als Chefdesigner des Hauses seit fünf Jahren die Mode - genauer gesagt: die Abendmode.

          Mit ihnen begann die Zukunft: Pierpaolo Piccioli und Maria Grazia Chiuri

          „Frauen sind heute anders“, sagt Maria Grazia Chiuri. Sie selbst ist eine dieser Frauen, die auch ohne Make-Up wunderbar aussehen. Sie trägt keinen Mascara, dafür große, schwere Ringe an den Fingern, um die Handgelenke schlackernde offene weiße Hemdsärmel, an den Beinen schwarze knielange Shorts zu kniehohen schwarzen Stiefeln, ohne Strumpfhose. „Sie wollen schön sein“, meint sie, „aber es geht dabei um eine subtilere Schönheit, die unangestrengter wirkt.“

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