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Abschied in Beige : Die letzte Fendi-Kollektion von Karl Lagerfeld

Am Ende der Schau sieht man Karl Lagerfeld bei zwei seiner Lieblingsbeschäftigungen, beim Zeichnen und Erzählen. Bild: AP

Zwei Tage nach dem Tod des Jahrhundert-Designers wird in Mailand die letzte Fendi-Kollektion von Karl Lagerfeld präsentiert. „Love Karl“ leuchtet wie ein letzter Gruß über dem Laufsteg.

          Auf jedem Platz liegt am Donnerstag eine Karte. Ein F, darin ein Herz, auf der Rückseite ein Datum, 19. 2. 2019. In der Mode wird das Datum für immer wichtig bleiben, denn an diesem Tag hat diese Branche ihre wichtigste Figur verloren. Karl Lagerfeld hat die Mode erst zu dem gemacht, was sie heute ist, ein Spektakel mit immer neuer Luxusware. Niemand hat das früher perfektioniert als er, für Chanel, aber auch für Fendi.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Donnerstag, zwei Tage nach dem Tod des Jahrhundert-Designers, der seit 1965 die Damenlinie verantwortete (um die Accessoires kümmert sich Silvia Venturini Fendi), zeigt das römische Modehaus seine letzte Kollektion. Die Familie Fendi ist da, Fendi-Chef Serge Brunschwig, der LVMH-Modechef Sidney Toledano, Chefredakteure, Influencer, Kunden. Nur einer fehlt. Davon erzählen die Kärtchen auf den Plätzen und über dem Laufsteg ein Schild: Love Karl.

          Nicht alle seine großen Schauen für Fendi waren hier zu sehen. Lagerfeld, der als erster verstand, dass eine Modenschau mehr sein kann als ein Laufsteg mit Bänken rechts und links, schickte seine Models mal über die Chinesische Mauer, das war 2007. Und vor zwei Jahren, anlässlich des 90. Geburtstags der Marke, ließ er sie über das Wasser im Trevi-Brunnen laufen, Plexiglasböden machten es möglich.

          Abschied in Beige: Auch Bella Hadid ist dabei.

          Als Fendi gerade die neue Mailänder Zentrale an der Via Solari bezogen hatte, mit Schauentheater und besonders langem Laufsteg, traten zum Finale 2014 nicht nur die zwei Designer auf, also Karl Lagerfeld und Silvia Venturini Fendi, sondern auch das Model Cara Delevingne. In der Hand hielt sie mit spitzen Fingern die Nachbildung seines Kopfes aus Pelz: einen Karlito. Später, beim Mittagessen des damaligen Fendi-Chefs Pietro Beccari mit Karl Lagerfeld, sei Anna Wintour an ihren Tisch gekommen, so erzählte es Beccari einmal – und der Karlito gehörte wenige Momente später der Vogue-Chefredakteurin.

          Nun also die letzten Entwürfe von Karl Lagerfeld für Fendi. Als hätte er den Modeleuten seinen Abschied nicht zu schwer machen wollen und weil er ohnehin möglichst wenig Aufhebens um seinen Tod gewünscht hatte, ist die Kollektion dann besonders leicht. Die Blazer könnten auch Blusen sein, die Röcke, die Hemden, die Mäntel sind mal aus Netzstoff, mal aus halbtransparenter Seide. Es ist ein Abschied in Beige, dazwischen Rostrot und Minze. Über die Kleider hinweg scheint ein Logo zu tanzen. Auch der Teppich auf dem Laufsteg ist mit dem geschwungenen FF geprägt, das Karl Lagerfeld entworfen hatte.

          Es ist – in Modejahren – mehr als eine Ewigkeit, die Karl Lagerfeld hier verbracht hat. Silvia Venturini Fendi spricht von „der längsten Liebesgeschichte der Mode“. Tage vor seinem Tod hätten sie noch am Telefon über die Kollektion gesprochen. Natürlich sind auch seine Models dabei: Anna Ewers, Kaia Gerber, Gigi Hadid.

          Nach dem Finale der Kollektion an diesem Donnerstagmittag geht das Licht nicht an. Denn zum letzten Finale erscheint auf einem Bildschirm am Ende des Laufstegs plötzlich er. Man sieht Karl Lagerfeld bei seinen Lieblingsbeschäftigungen, beim Zeichnen und Erzählen. Es sind nicht mehr als zwei Minuten, aber als es wieder hell wird, weinen Modeleute, Influencer, Chefredakteure, Fendi-Angehörige. Über dem Laufsteg leuchten die Buchstaben „Love Karl“ – ein letzter Gruß.

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