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Die Lederhose zum Oktoberfest : „Der Style soll nicht jodeln“

  • Aktualisiert am

Kennt sich mit Lederhosen aus: Markus Meindl Bild: Maria Irl

Mit dem Anstich des ersten Bierfasses hat in München das Oktoberfest begonnen. Markus Meindl weiß, warum dort jetzt so viele Männer Lederhosen tragen. Und wie viel Arbeit in einer guten Hose steckt.

          8 Min.

          Herr Meindl, wo würden Sie auf einer Landkarte die Grenzen des Lederhosen-Landes ziehen?

          Ober- und Niederösterreich und die Steiermark sind selbstverständlich dabei. Südtirol im Süden. Im Westen St. Moritz in der Schweiz, wobei es dort allerdings weniger um die Hose geht als vielmehr um die richtige Jacke. Im Norden gehören dazu Oberbayern und Niederbayern.

          Sogar der „Economist“ brachte vor kurzem einen Artikel über die Lederhose. Haben Sie eine Erklärung für den Trend?

          Die Lederhose drückt zunächst eine Zugehörigkeit zum alpinen Kulturraum aus. Damit ist heute aber auch ein Freizeitwunschgedanke verbunden: die Berge, der Wald und ein Bier am See. Das ist auch für Leute außerhalb des Lederhosen-Landes attraktiv.

          Wenn Tracht zur Mode wird, hat das etwas Paradoxes. Tracht verspricht Stetigkeit, aber in der Mode ist nur die Veränderung stetig.

          Ich kann weder mit dem Begriff Mode noch mit dem Begriff Tracht in diesem Zusammenhang viel anfangen. Das sind Schablonen. Eine Lederhose ist eine Lederhose.

          Wie meinen Sie das?

          Tracht ist für mich, wenn der Miesbacher in der traditionellen Kluft seiner Heimat ausgeht. Warum sollte man die Lederhose nur in die Trachtenecke einsperren? Eine Lederhose ist ein cooles und nachhaltiges Kleidungsstück, das man nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt anziehen kann.

          Sie meinen die bärtigen Männer in New York, die als Accessoire eine Axt mit sich herumschleppen?

          Das zeigt doch, dass das Erdige, das Kernige mittlerweile in der Stadt angekommen ist. Solche Themen werden auch von Modemachern viel stärker aufgenommen als früher. Aber in der Stadt, und daher mein Widerspruch gegen die reine Trachtenecke, sollte der Style nicht jodeln. Man muss also schauen, wie man es kombiniert. Zu einer Lederhose können auch Sneakers gut aussehen oder ein T-Shirt. Die Lederhose sieht natürlich immer gut aus in Kombination mit einem Haferlschuh und einem Karo-Hemd - aber sie ist eben nicht nur darauf beschränkt.

          Welche Lederhosen bevorzugen Sie, kurze oder Kniebund?

          Vorweg sollte man sagen, dass man die ganz kurzen Lederhosen bei den Männern kaum mehr sieht. Das sah zum Teil wenig vorteilhaft aus. Gleichwohl gibt es einen Trend weg von der längeren Kniebundhose hin zu kurzen Lederhosen. Mit der Kniebundhose wirkt man recht angezogen. Die Kürzere wirkt unkomplizierter und jünger, auch sexier, was nicht von Nachteil ist. Die kürzere Lederhose kann man auch unkomplizierter kombinieren.

          Dann ist da noch eine Frage: mit oder ohne Träger?

          Ganz klar ohne. Die Trachtenvereine haben klare Vorgaben, dort legt man die Träger natürlich an. Aber außerhalb der Vereine verkaufe ich heute 95 Prozent der Hosen mit einem Koppelgürtel. Da gibt es mehrere Gründe für: Zum einen wurde das im Tegernseer Raum schon immer so gemacht, zum anderen ist es unkomplizierter ohne. Der Träger ist ein Zierstück und sollte früher vielleicht auch die ein oder andere Wampe der Herren kaschieren. Heute trägt man Hosen eher tiefer auf der Hüfte. Manche tragen die Lederhose sogar ganz ohne Gürtel. Das schaut bei vielen jungen sportlichen Leuten richtig gut aus.

          Die Lederhose steht und fällt mit dem Material – und den Knöpfen.

          Worauf kommt es bei der Lederhose selbst an?

          Die Lederhose steht und fällt mit der Qualität des verwendeten Materials und der Handarbeit.

          Wie erkennt man gutes Leder?

          Durch Riechen und Greifen. Ein schönes Leder ist auch nach der Gerbung noch elastisch und weich. Es verfügt über einen angenehmen, natürlichen Geruch. Es darf nicht nach Chemie riechen. In Läden mit der Ware aus Indien oder Pakistan riecht es teilweise so penetrant, dass man rückwärts aus dem Laden fällt.

          Von Lederhosen für 100 Euro halten Sie also nicht viel?

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