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Deutschlandfahnen in der Mode : Das wird man wohl noch tragen dürfen!

  • -Aktualisiert am

Party-Patriotismus sieht anders aus. Bild: Dandy Diary

Zwei Modeblogger bringen eine Kollektion mit Deutschland-Symbolen auf den Markt. Geschäftsmodell? Styling-Gag? Oder echte Provokation?

          3 Min.

          Um zu provozieren, braucht es heute kaum mehr als eine Deutschlandfahne. Das denken auch David Kurt Karl Roth und Carl Jakob Haupt, Gründer des Männermodeblogs „Dandy Diary“. „Wenn Gosha Rubchinsky ohne jeglichen politischen Kontext die Russlandfahne auf seine Kleidung stickt und Vetements riesengroß ganz einfach nur „Deutschland“ auf einen Pullover schreibt, dann ist hier doch was in Bewegung“, sagt Haupt. Also haben die beiden unternehmungslustigen Blogger zusammen mit dem Münchner Label K1X eine Sportswear-Kollektion mit Jacke, Hoodie, T-Shirt, Base-Cap, „Schnellfickerhose“ und Stiefeln entworfen, die am Donnerstag vorgestellt wird. Ihr Name: „Das Deutschland Pack“.

          „Die Kollektion positioniert sich ästhetisch zwischen klassischer Nike-Sportswear, Siggi-Pop und dem in Deutschbaselitz, Sachsen, geborenen Maler Georg Baselitz“, sagt Haupt. Die Flagge ist falschherum, als stürze der Adler in den Abgrund. „Das ist erst ein Fehler gewesen, weil ich die ganze Zeit dieses Gerhard-Schröder-Porträt von Jörg Immendorff vor Augen hatte“, sagt Haupt. „In meiner Erinnerung war dieser krüppelige Adler falsch herum zu sehen. Ist er aber gar nicht. Aber da waren die Teile schon in Produktion.“

          Die beiden Gründer von „Dandy Diary“ sind immer am Puls der Zeit. Das haben sie schon oft bewiesen. Bei einer Dolce-Gabbana-Schau schickten sie einen Flitzer über den Laufsteg. Mit einem Mode-Porno wollten sie „die Mechanismen der Macht“ umkehren. Und auf ihrer Website zeigten sie ein Video aus einem Sweatshop in Bangladesch, das H&M verbieten ließ. Aber oft wirkt es dann doch wie Aktionskunst: Den „Dandy Diner“ für vegane Burger in Berlin-Neukölln, vor einem halben Jahr mit viel Pomp eröffnet, haben sie gerade geschlossen.

          Das Motto: Capture the Flag

          Der kalkulierte Tabubruch scheint Roth und Haupt zu stehen. Als sie vor zwei Jahren das Trachtenhaus Angermaier hinters Licht führten und Lederhosen mit den Erkennungszeichen der kriminellen „Mara Salvatrucha“ versahen, fanden das die meisten Fans lustig. „Das Deutschland Pack“ ist vor diesem Hintergrund noch fast brav zu nennen. Denn wenigstens während Fußball-Weltmeisterschaften haben die Deutschen inzwischen ein unverkrampftes Verhältnis zu ihrer Flagge – auch wenn, wie Carl Jakob Haupt einwirft, das Sommermärchen „ja irgendwie nur gekauft“ war.

          Modeblogger David Karl Roth (links) und Carl Jakob Haupt. Bilderstrecke

          Es war jedenfalls an der Zeit für die Umwertung aller Werte. „Als dann auch noch Kanye West die unter Afroamerikanern verhasste Südstaatenflagge vereinnahmt hatte, war klar: Auch wir können das machen!“ Das Motto: Capture the Flag.

          Die beiden Blogger finden Mode erst dann spannend, wenn darüber gestritten wird. Rein ästhetisches Trallala oder kommerzielle Ausbeutung ist ihnen zu wenig. Mit den Deutschland-Symbolen haben sie eine echte Diskussionsgrundlage geschaffen. „Freunde und Bekannte äußern sich dazu eher in privaten Nachrichten und Mails. So richtig scheint sich niemand zu trauen, das Thema öffentlich gut zu finden.“ Vor allem junge Deutschen ziehen die Grenzen eng, an denen Patriotismus in Nationalismus umschlägt. „Ich vermute, das liegt an der nicht besonders schönen Fahnenvergangenheit in Deutschland“, sagt Haupt. „In Dänemark zum Beispiel, dem Land meiner Vorfahren, hängen überall ganz selbstverständlich Fahnen. In Deutschland ja nur in Sachsen.“ Beim Probelaufen über die Chausseestraße in Berlin, das gibt er zu, sei ihm selbst mulmig zumute gewesen.

          „Macht damit, was ihr wollt“

          Dennoch: „Die Fahne nur montagsdemonstrierenden Dresdnern, Neu-Neonazis und der Fußballnationalmannschaft zu überlassen finde ich merkwürdig verklemmt und irgendwie auch ein bisschen dubios“, meint Haupt. „Alles Böse auf die Fahne zu projizieren und sie damit aus dem Alltag zu verbannen, kann ja auch keine Lösung sein.“

          Stattdessen soll „klassisches Agenda-Setting“ die Lösung sein. In dieser Kollektion sei die Fahne ganz ohne Pegida, AfD und Dresden zu sehen. „Macht damit, was ihr wollt.“ Und wenn die Kleidung am Ende doch am Montag mitmarschiert? „Dass sich unsere Kollektion bei der Rechten etabliert, können wir allein schon dadurch ausschließen, dass wir sie auf 250 Stück pro Teil limitiert haben. So schnell kommen die Neo-Nazis gar nicht aus ihrer Filterbubble, um noch was davon kaufen zu können.“

          Der Bundesadler auf Gold, Rot und Schwarz wird nicht das Zeug haben zum neuen Bundeswehrparka, der zur Insignie des Punk wurde. Das tief gespaltene Verhältnis der jungen Deutschen zur Flagge wird die Kollektion vermutlich auch nicht zusammennähen. Aber eines ist die Idee auf jeden Fall: gutes Marketing. Und das ist in Zeiten dummer Werbung auch schon allerhand.

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