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Zwei Krawatten, die während der kroatischen EU-Ratspräsidentschaft 2020 (links) und während der deutschen Ratspräsidentschaft 2007 unter anderem an EU-Politiker und -mitarbeiter verschenkt wurden. Bild: dpa

Geschenk-Ritual : Das Ende der deutschen EU-Krawatte

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Zum Antritt der Ratspräsidentschaft der EU werden traditionell Schlips und Halstuch verschenkt. Deutschland verzichtet nun auf diesen Brauch – und das nicht nur der Nachhaltigkeit zuliebe.

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          Brüssel ist kein Fan deutscher Krawatten. Zumindest nicht jeder in Brüssel und zumindest nicht einer speziellen deutschen Krawatte. Sie ist babyblau, hat kleine Ds in Deutschlandfarben eingestickt und war ein Geschenk anlässlich der letzten deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2007. Die Krawatte ist ein Hingucker, das kann man so sagen, und ob man das nun im positiven oder negativen Sinne meint, hängt wohl davon ab, ob man gerne schwarz-rot-goldene Buchstaben auf der Brust trägt oder eben nicht. In jedem Fall ist dieses kleine Accessoire mit Schuld daran, dass es solche Geschenke in Zukunft von deutscher Seite nicht mehr geben soll.

          Eigentlich ist es Tradition, dass jedes Land, das im Europäischen Rat den Vorsitz übernimmt, an EU-Politiker, Mitarbeiter und Journalisten kleine Präsente verteilt. Für Männer gibt es Krawatten und - in modischer Hinsicht gilt in Brüssel ein starr binäres Geschlechtermodell - für Frauen Halstücher.

          Manchen dieser Kleidungsstücke gelingt sogar der Sprung aus der Nische der kleinen netten Geste. Eine rot-silberne lettische Krawatte erlangte etwa 2015 internationale Berühmtheit, als der damalige EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mit ihr um den Hals den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán mit den Worten „Hallo, Diktator!“ begrüßte. Und das rot-blaue kroatische Halstuch sorgte in diesem Januar für Belustigung auf Twitter, als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Generalsekretärin Ilze Juhansone im Partnerinnenlook auftraten.

          Ein Mann trägt eine der Krawatten, die während der deutschen Ratspräsidentschaft 2007 unter anderem an EU-Politiker und -mitarbeiter verschenkt wurden.

          Über die letzte deutsche Präsidentschaftskrawatte hingegen schweigt das Netz beharrlich. Das mag daran liegen, dass 2007 einfach schon recht lange her ist - oder daran, dass sich die Begeisterung bei den Beschenkten in Grenzen hielt. „Nachdem unsere Krawatte 2007 nicht unbedingt modische Maßstäbe gesetzt hat und dann doch eher im Schrank liegen geblieben ist, sollten wir vielleicht jetzt einfach ehrlich sein und sollten die Krawatten anderen Präsidentschaften überlassen“, scherzt Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt.

          Und so soll es nun auch kommen: Wenn Deutschland in diesem Juli den Vorsitz im EU-Rat übernimmt, werden keine Krawatten und keine Halstücher verteilt werden. Die Entscheidung hat allerdings noch einen weiteren, etwas ernst gemeinteren Grund: Deutschland wolle seinen Vorsitz auch nachhaltig gestalten, erklärt Roth: „Es ist inzwischen ja auch so ein bisschen Usus geworden, auf den großen Präsenttisch bei der Präsidentschaft zu verzichten.“

          Ebenfalls verzichten will Deutschland auf finanzielle Unterstützung von Sponsoren aus der Wirtschaft. Dies ging im Januar aus der Antwort auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Der Anfrage vorausgegangen war Kritik daran, dass sich Rumänien während seines sechsmonatigen EU-Vorsitzes 2019 von Coca-Cola und anderen Firmen hatte sponsern lassen. Gerade für wirtschaftlich schwächere und kleinere EU-Länder ist der Ratsvorsitz mitunter ein organisatorischer Kraftakt, weil oft EU-Gipfel oder Ministertreffen in dem jeweiligen Land abgehalten werden.

          Ausgenommen von dem deutschen Sponsoring-Verzicht sollen nur kleine regionale Anbieter sein. Sprich: Auf die ein oder andere Praline, vielleicht auch auf ein Gläschen deutschen Honig oder Marmelade, darf man sich in Brüssel trotzdem freuen. Gerade bei informellen Treffen, die während der Präsidentschaft stattfinden, gehe es auch darum, die Vielfalt Deutschlands zu zeigen, erklärt ein Sprecher der deutschen EU-Vertretung. „Diese Vielfalt äußert sich auf verschiedene Weise, unter anderem kulinarisch. Das ist auch Werbung für Deutschland als Tourismusland.“

          Nur die Krawatte – die wird künftig eben nicht mehr für Deutschland werben. Blickt man ins Ausland, sieht man aber schnell, dass die Liebe zur Präsidentschaftskrawatte andernorts ungebrochen ist: Kroatien etwa, das nicht nur aktuell erstmals den Vorsitz innehat, sondern sich zudem als Herkunftsland der Krawatte versteht, hat groß aufgefahren: „Für Kroatien hat die Präsidentschaftskrawatte eine besondere Bedeutung. Sie ist eine Art Must-Have“, sagt eine Sprecherin der kroatischen EU-Vertretung. Mehrere Tausend Exemplare seien bereits verteilt worden

          Von der Leyen trägt das Tuch, das Kroatien zum Antritt seiner EU-Ratspräsidentschaft verschenkt hat. Andrej Plenkovic (rechts) trägt die passende Krawatte.

          In den vergangenen Monaten haben Kroaten darüber hinaus Statuen und Denkmäler in verschiedenen EU-Ländern mit übergroßen roten Krawatten dekoriert, um ihren Ratsvorsitz zu feiern. Europäische Krawattenliebhaber müssen sich also wohl kaum Sorgen machen, dass der deutsche Verzicht das endgültige Ende dieser Brüsseler Tradition bedeuten könnte.

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