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Möbelhersteller in Oberfranken : „Des is noch Handarbeit“

„Der deutsche Markt ist ruinös“: Erik Stammberger, geschäftsführender Gesellschafter des Möbelherstellers W. Schillig, im Showroom in Ebersdorf. Bild: Daniel Pilar

Die deutschen Möbelhersteller leiden unter der Billig-Konkurrenz. Doch einige Polsterer aus Oberfranken halten sich dank ihrer Findigkeit.

          Immer wieder gleitet der Hobel über das Holz. Mit geübtem Griff zieht Martin Weiß die Schraubzwinge an, ein Metallgestänge schmiegt sich an den glattgeschliffenen Holzrahmen. Der gelernte Schreiner baut ein Drehsofa zusammen, dessen Seitenteile mit einer Gasdruckfeder bewegt werden. Der Prototyp soll die Fachwelt auf den wichtigsten Möbelmessen begeistern. „Des is noch Handarbeit“, sagt Martin Weiß, und das weich ausgesprochene „t“ verrät seine oberfränkische Herkunft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die kleine Werkstatt, in der er arbeitet, ist durch eine Glastür von der Fabrik abgetrennt, damit Lärm, Staub und Holzspäne nicht in die benachbarte Halle dringen, in der die Nähmaschinen rattern. Im Minutentakt nähen hier zwei Dutzend Frauen Stoffbahn um Stoffbahn zu fertigen Polsterbezügen zusammen, die im nächsten Fertigungsschritt von Polsterern über die dicken Schaumstoff-Lagen der Sitzgarnituren gezogen werden. Willkommen bei einem der wenigen namhaften deutschen Polstermöbelhersteller, der Brühl & Sippold GmbH in Bad Steben.

          Es ist tatsächlich vor allem Handarbeit, was in den lichtdurchfluteten Fertigungshallen zu sehen ist. Der Firmeninhaber Roland Meyer-Brühl ist stolz auf seine 170 Mitarbeiter. Doch in Zeiten, in denen der deutsche Möbelmarkt von Billigimporten aus Polen, Ungarn und Litauen geflutet wird und inzwischen auch das Ledersofa aus China in den Möbelpalästen der Republik für 300 Euro verramscht wird, droht die Möbelfertigung in Deutschland fertiggemacht zu werden.

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          Meyer-Brühl, ein junggebliebener Mann mit Nickelbrille, spricht leise über die Krise der deutschen Polstermöbler. Gerade erst hat es den Konkurrenten Rolf Benz erwischt – einen klangvollen Namen in einer Branche, in der klangvolle Namen rar sind. Dass Rolf Benz an den börsennotierten chinesischen Konzern Jason Furniture Hangzhou verkauft wird, überrascht Meyer-Brühl nicht. Rolf Benz hatte schon vor vielen Jahren die Eigenständigkeit verloren, gehörte lange zur westfälischen Hüls-Gruppe, und für Meyer-Brühl geht bei jedem Besitzerwechsel, wie er sagt, „immer auch ein Stück Seele verloren“. Unweigerlich kommt da Sigmund Freud in den Sinn, der für die Erforschung der Seele stets eine bequeme Couch nutzte, auf der sich die Patienten entspannen und über Ängste und Träume sprechen sollten.

          Das Erfolgsrezept ist die Nachhaltigkeit

          Roland Meyer-Brühls Psychoanalyse der deutschen Möbelindustrie klingt angstfrei. „Unser Leben ist Gestaltung“, sagt er und bezieht in den Plural bewusst seine Tochter Kati ein, die für das Design zuständig ist. Ihre Sofakreationen – mal verspielt, mal schnörkellos – werden immer wieder mit Designpreisen ausgezeichnet. Höhepunkt war die Architekturbiennale 2016 in Venedig, als Brühl im historischen Palazzo Michiel in der Nähe der Rialtobrücke ausstellen durfte – „eine besondere Ehre“.

          Für den Senior war es so etwas wie die Krönung seines Schaffens. Vor gut zwei Jahrzehnten hatte er versucht, Brühl zu einer bekannten Marke aufzubauen. Das gelang: Weil seine Kunden heute bereit sind, für ein Brühl-Sofa 5000 Euro oder mehr zu zahlen, kann sich das Unternehmen sogar eine Prototypenfertigung mit Facharbeitern leisten, in der Schreiner Martin Weiß seit mehr als 15 Jahren arbeitet.

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